Ever Present Orchestra in Berlin mit Alvin Lucier am 10. Oktober 2017

19.09.2017 20:35 von jazz (Kommentare: 0)

 

Alvin Lucier - Foto von Amanda Lucier

 

 

Zur  Gründung des „Ever Present  Orchestra“  kommt  US-Experimentalpionier Alvin   Lucier nach Berlin | Debütkonzert, Record-Release  und Buchpräsentation am 10. Oktober in St. Elisabeth

 

Er gilt neben Steve Reich als einer der wichtigsten Altmeister unter den Komponisten der Experimental  Music.  Die Musik  des 86-jährigen  Alvin Lucier  hat  bis  heute nichts  von  ihrer revolutionären Klangkraft verloren. Im Gegenteil: Der umtriebige Avantgardepionier beschäftigt sich nach  wie vor auf berührende und unprätentiöse Weise mit der Einzigartigkeit  menschlicher  Hörerfahrung,  für die  er  seit  seinem  Performancestück  „I  am sitting  in  a  room“  im Jahr 1969  gepriesen wird.  Mit verführerischen  Tonwellen  und tiefen subtilen Klängen, mal orientiert an  EEG-Messungen, mal durch  in Vibration versetzte Papiere wie auf der diesjährigen Documenta, zieht er das Publikum in seinen Bann.

  

Am 10. Oktober kommt Lucier nun für das Debütkonzert eines neuen Ensembles nach Berlin, welches sich der ungewöhnlichen Adaption seiner Werke für  E-Gitarren verschrieben hat:

   

Das Ever  Present Orchestra ist  aus  einem Projekt an  der   Zürcher Hochschule  der Künste (ZHdK) entstanden.  Es besteht aus 12 hochkarätigen Musikern, darunter 4 E- Gitarristen, einem Pianisten, 3 Saxophonisten und 4 Streichern, die sowohl in der Neuen Musik als  auch  in  anderen Genres „zuhause“ sind.  Sie  werden in der  Kirche St.  Elisabeth zum ersten Mal gemeinsam als Ever  Present Orchestra auftreten und gleichzeitig eine Box mit  der  frisch aus dem Druck gekommenen Publikation „Alvin  Lucier – Illuminated by the  Moon“ sowie 4 Vinylplatten und einer CD in limitierter Auflage vorstellen, die Lucier anschließend signieren wird.  

  

Zum  Konzertprogramm gehören unter anderem die Uraufführung von  „Double Cross-Hatch“, welches Lucier eigens für das neue Ensemble komponiert hat, sowie das Stück „Criss-Cross“ für  zwei  E-Gitarren, mit  dem der Multiinstrumentalist und Komponist Oren Ambarchi und die  Doom-Metal-Legende Stephen O’Malley schon beim Tectonics Festival New York gefeiert wurden.

 

 

Entstehungsgeschichte des Ever  Present Orchestra

   

Die  Idee  zur  Gründung des Ever  Present Orchestra entstand während eines  großen Festivals zu Ehren des 85. Geburtstag von  Alvin Lucier. Dieses wurde im Herbst 2016 an  der  Zürcher Hochschule der  Künste im Rahmen des Forschungsprojekts „Reflexive Experimentalästhetik nach  Alvin   Lucier“  von   Bernhard  Rietbrock, dem  Leiter des Projekts, ausgerichtet. Dieser lud, neben Alvin Lucier selbst, renommierte Gäste wie Joan La Barbara, Charles Curtis, Oren Ambarchi, Stephen O’Malley von Sunn O))) sowie Gary Schmalzl zum Festival nach  Zürich ein. Während der 4 Tage  dauernden Veranstaltung wurde das Stück Hanover (für 3 Banjos, 2 Saxofone, 1 Violine, 1 Piano, 1 Vibraphon) mit 3 E-Gitarren (Schmalzl, Ambarchi, O’Malley) anstelle der in der Originalpartitur angegebenen Banjos uraufgeführt.  Es stellte  sich  als  Höhepunkt des Festivals  heraus, was den  Gitarristen  und Musikwissenschaftler Rietbrock auf die Idee brachte, ein komplettes Ensemble für eine einzigartige Hörerfahrung der auf E-Gitarren basierenden Stücke Luciers ins Leben  zu rufen.

  

Beim   Festival   MaerzMusik   trafen   sich   Rietbrock   und   Lucier   im   Frühjahr   wieder   und entwickelten gemeinsam die Idee weiter: Mit einer für diese Musik eher  ungewöhnlichen Besetzung zielt das Vorhaben darauf ab, Luciers auf Schwebungen fokussierte Instrumentalstücke einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dank der Beteiligung so prominenter „Lucier-Verehrer“ wie Stephen O’Malley von Sunno))), dem  international bekannten  Experimentalgitarristen  und  Komponisten  Oren  Ambarchi  sowie  dem renommierten  deutschen Live-  und  Studiogitarristen  Gary  Schmalzl wird  dabei  neben der bereits an Neuer  Musik interessierten Zuhörerschaft auch  ein neues Publikum adressiert, das üblicherweise keinen Zugang zu zeitgenössischer Musik findet, oder bisher wenig über die Inhalte der Musik Alvin Luciers und anderer Vertreter  der American Experimental Music weiß.

  

Der in Absprache mit Lucier gewählte Name  des Orchesters nimmt Bezug  auf das Lucierstück Ever  Present von  2002  –  inspiriert  durch  Robert  Irwins  Garten beim  Getty  Center in  Los Angeles. Der Komponist genehmigt seitdem E-Gitarrenversionen bereits existierender Werke und  komponiert neue Stücke eigens für die außergewöhnliche Besetzung des neuen Ensembles. Dieses will sich nun  der  Aufgabe widmen, das Werk des Komponisten genreübergreifend zu präsentieren und  durch  ungewöhnliche Spielweise noch  bekannter zu machen.

Frank Schindelbeck Fotografie

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