
Die Fanggründe waren New York, Holland, Dänemark oder
Großbritannien… Jazzfreunde kommen ins Schwärmen, wenn diese
‚Fische’ in Görlitz anlanden. Ende Mai wird die Neißestadt zum
kleinsten Binnenhafen für freche Hechte, junge Sprotten und
heimliche Haie des Jazz. Der Fischmarkt wird dann zum
Auktionsplatz, aber das Basaltbecken quirliger Instrumentalisten
kennt kein Feilschen. Freunde des Festivals wissen: Die Jazztage
sind jedes Jahr für Überraschungen gut und nicht selten steigert
sich Konzentration zu Begeisterung, gipfelt in Freitanz. Die
einen gebannt – die anderen entfesselt. Kulturzuschlag e.V.
spürt dem Besonderen nach. Das gilt für Künstler und Klangräume.
Der Fischmarkt gilt da als Stammsitz. Völliges Neuland betreten
die Veranstalter in Löbau. Erstmalig gastiert das Festival hier
mit einem Sonderkonzert auf dem Gelände der Gartenschau. Im
alten Zuckerlager starten die Jazztage mit Funkjazz (18.5.).
Zwei heftig ‚Unerhörte Orte’ in Görlitz - schon Jahre stillgelegten Hallen - entpuppen sich in der Woche nach Pfingsten als ‚Tempel des Jazz’. State Of Monc aus Holland werden hier den letzten Staub aus den Registern der Jazzmusik blasen. Die Amsterdamer surfen entlang der Stile. Die Schubladen der Musikkritiker bleiben dabei so offen stehen wie ihre Münder. Rasant wird es dann am zweiten ‚Unerhörten Ort’ mit den Glorreichen Sieben und ihren zwei (!) Schlagzeugen in Viererbesetzung....
Jung, technisch versiert und mit Spaß an der Arbeit – die
Zulassungskriterien der Jazztage sind nicht neu, aber sie sorgen
alle Jahre wieder für Überraschung. ‚Nicht ein einziger dieser
Künstler stand je in Görlitz auf der Bühne,’ resümiert Reinhard
Schubert für den Veranstalter, ’aber dass eine Band in New York,
London oder Leverkusen begeisterte, ist uns Referenz.’
Das Festival, dessen seit Jahren unverändert kompaktes Budget,
zunehmend von Kleinspendern und Sponsoren gestützt wird, setzt
Phantasie gegen die Manie der großen Marken. ‚Die weißen
Elefanten passen kaum auf den Fischmarkt, sagt Friedemann
Dreßler, der Vereinsvorsitzende, ‚wir fischen oft im Internet
frische Fische, mitunter kleine Haie.’ Omar Hakim, einst
Trommler bei Joe Zawinuls ‚Weather Report’ gehört schon zur
berühmten Beute. Shez Raja Collective (GB) und Jazzkamikaze
(DAN) liften sich derzeit in die Belle Etage der Branche. Doch
auch diese Bands biedern sich nicht an. Ihr ‚Easy Listening’
kommt kantig, laut und extravagant, eine Frischzellenkur für den
Jazz.
Zum Finale zieht die Karawane weiter in den Schlosshof des Fürst
Pückler Parks Bad Muskau eine Woche nach den Konzerten in
Görlitz. Am 9. Juni herrscht hier der Groove in der exzellenten
Spielart von Keith McKelly. Das Mutterland des Jazz prägt so die
Schlussakkorde der Jazztage Görlitz. Der Kulturraum
Oberlausitz-Niederschlesien, die Stadt Görlitz und viele
Förderer und Sponsoren unterstützen das Kulturerlebnis und
öffnen den Blick in die internationale Musikszene ab Ende Mai.
Und immer zählt auch das gemeinsame Erleben nicht nur am
Fischmarkt. ‚Im Schwarm ins Schwärmen kommen.’ heißt die Devise.
Detaillierte Informationen gibt es im Internet unter
www.jazztage-goerlitz.de