„Monoglot“ – überhaupt nicht monoton

29.10.2016 10:13 von jazz (Kommentare: 0)

 

Monoglot - Foto: Kumpf

Text und Fotografien: Hans Kumpf

 

Der Saxophonist Sebastian von Keler jazzte in Michelbach an der Bilz rockig und neutönerisch

 

Vor einem halben Jahrhundert sorgte das damalige Aufbaugymnasium in Michelbach/Bilz (Landkreis Schwäbisch Hall) für so manche kulturelle Highlights. Bei den „Michelbacher Abenden“ traten beispielsweise das renommierte Melos (Streich-)Quartett, der Blockflötist Hans-Ulrich Niggemann, der Detmolder Cembalist Franzpeter Goebels oder der legendäre Tübinger Rhetorik-Professor Walter Jens an. Aber auch berühmte Jazzer ließen sich in der Bilzgemeinde hören: Wolfgang Dauner mit Eberhard Weber, Albert Mangelsdorff mit Heinz Sauer sowie Manfred Schoof mit Alexander von Schlippenbach. Nun legt das Evangelische Schulzentrum die alte Tradition unter der Bezeichnung „Michelbacher Schlossforum“ neu auf.  Aber da müssen die Veranstaltungen nicht unbedingt im Andachtsraum des wuchtigen Schlosses stattfinden.

 

Foto: KumpfDie Premiere erfolgte jetzt in der Aula des am Dorfrand gelegenen „Neubaus“. Eingeladen hierzu hatte man einen ehemaligen Schüler, der 2005 in Michelbach das Musik-Abitur machte: Sebastian von Keler, übrigens Enkel des vormaligen württembergischen Landesbischofs Hans von Keler. Er brachte seine Band namens „Monoglot“ mit – man kommuniziert bei aller Internationalität in der gleichen einen Sprache. Und diese ist ein zeitgenössischer Jazz, der keine Angst vor dem Rock hegt.

 

Wo gibt es dies weltweit sonst noch - ein Quintett mit zwei Tenorsaxophonisten vorneweg? Gähnende und lähmende Monotonie kommt da bei „Monoglot“ nie auf. Sebastian von Keler bläst raukehlig und rotzig, während sein Instrumentalpartner Fabian Willmann meist eher sachte sanglich intoniert. Der Freiburger Willmann wirkte für kurze Zeit im Jugendjazzorchester Baden-Württemberg mit, aber getroffen haben sich die fünf Bandmitglieder allesamt im schweizerischen Basel, wo sie studierten.

 

Langeweile kommt bei den akribisch konzipierten Eigenkompositionen nie auf. Die meist modalharmonischen und minimalistischen Stücke sind mitunter ziemlich kurz gehalten, schnelle Wechsel zwischen ausnotierten Parts und improvisatorischen Beiträgen bilden die Regel. Bei diesem Rock-Jazz ist ein einfältiger Marschtrott nicht zu befürchten, wenn sich rasant die Taktarten ändern: 6/4, 4/4, 3/4, 4/4, 6/4 und schließlich ein krummer 7/4. So in der indisch anklingenden Komposition „Punnur“ des Isländischers Kristinn Smari Johansson. Auf seiner E-Gitarre überraschte der Mann von der nordischen Insel die rund achtzig Konzertbesucher mit bislang wahrhaft „unerhörten“ Sounds und Klangnuancen. Da durfte es mal laut werden, um dann abrupt im Pianissimo zu agieren.

 

Das solide metrisch-rhythmische Fundament bewerkstelligten der Bassgitarrist Florian Keller und der Schlagzeuger Luca Glausen. Am Nachmittag vor der eindrucksvollen und vom Publikum gefeierten Performance hielt das Quintett „Monoglot“ für interessierte Schüler einen Jazz-Workshop ab. Von den jungen Meistern lernen…

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