Die Kontrabassisten Sebastian Gramss und William Parker spielten in Schwäbisch Hall

11.11.2016 13:04 von jazz (Kommentare: 0)

 

Gramss - Parker - Foto: Kumpf

Text und Fotografien: Hans Kumpf

 

Gamelanmusik und Flamenco-Gitarre

 

Ein Konzert mit zwei Kontrabässen auf der Bühne der Hospitalkirche gab es 2009 beim Jazz-Art-Festival – mit dem artistischen Einmannorchester des gewitzten Eidgenossen Bänz Oester. Unorthodoxe Sounds von korpulenten Tieftönern waren jetzt erneut zu hören, als in der vom Jazzclub und vom Kulturbüro veranstalteten Reihe „Jazztime“ die beiden Saitenkünstler Sebastian Gramss und William Parker auftraten. Für den Deutschen und den US-Amerikaner bedeutete Schwäbisch Hall die zweite Station einer Tournee, die den Auftakt bei einem Konzert des Enjoy-Festivals in Heidelberg beging. Unter der Kanzel im säkularisierten Gotteshaus eine Performance absolut „unplugged“, rein akustisch - ohne elektronische Verstärkung also.

 

Beide sind Profis genug, um mit offenen Ohren und wachem Geist schnell zueinander zu finden und bei rund halbstündigen Improvisationen in sich schlüssige Musik darzubieten. Sebastian Gramss, der einst im Jugendjazzorchester von Rheinland-Pfalz noch das Violoncello bediente, hat sich ja auf Kooperationen mit anderen Kontrabassisten spezialisiert. Als willkommene Herausforderung diente jetzt ein Duo mit dem Anfang 1952 in New York geborenen William Parker, der schon zusammen mit Cecil Taylor und Perry Robinson musizierte und bekannt für sein ausgiebiges Bogenspiel ist. Es muss ja nicht immer „pizzicato“ sein. Freilich, der so genannte „Zupf-Bass“ kam auch zu seinen Ehren - erst Recht, wenn Parker bluesige Phrasen kreierte und munter swingte. Aber auch zu einer flotten Flamenco-Gitarre vermag Parker sein an sich behäbiges Instrument umzufunktionieren.

 

Ansonsten tönte vieles nach Donaueschingen, wo solche Koryphäen wie Fernando Grillo und Wolfgang Güttler aus ihren Kontrabässen nahezu „Unerhörtes“ entlockten. Auch hier ein intensives Spiel mit Obertönen und Flageoletts, mit interner Polyphonie und reizvollen Geräuschen samt Kratzen und Reiben. Also mehr als beständiges Brummen und Brummeln der Bässe.

 

Sebastian Gramss, 1966 in Wilhelmshaven geboren, nimmt im Duo die avantgardistischere Position ein, wenn er beispielsweise mit zwei Bögen gleichzeitig sein Instrument traktiert, sich der schlagartigen „touch“-Technik bedient und mit beiden Händen simultan die Saiten zupft. Und derart vermag er solistisch fragile Klanggebilde zu produzieren, die einem balinesischen Gamelanorchester entstammen könnten.

 

Zum regulären Schluss des pausenlosen Konzerts eine friedliche Gute-Nacht-Stimmung, in die sich Johannes Brahms einschlummernd einschummelt. Ohne eine Zugabe wurde das deutsch-amerikanische Duo von dem dann doch überzeugten Publikum nicht entlassen.

 

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