Eberhard Weber im Film (H. Kumpf)

16.12.2016 17:44 von jazz (Kommentare: 4)

 

Eberhard Weber - Foto: Kumpf

Text und Fotografien: Hans Kumpf

 

Es gibt Jazzfilmdokumentationen, bei denen die Macher ihre „Hauptdarsteller“ nicht mehr persönlich begegnen konnten – man denke beispielsweise an die DVDs über Chet Baker (Hagen Kälberer) oder Carlo Bohländer (Elizabeth Ok). Bei Eberhard Weber verhält es sich anders. Geistig ist der Bassist noch quicklebendig, aber nach einem am 23. April 2007 in Berlin erlittenen Schlaganfall linksseitig gelähmt. Mit dem Buch „Résumé“ hat Weber, der seither nicht mehr zum Instrument greifen kann und will, eine kurzweilig zu lesende Autobiografie verfasst. Nun also ein einstündiger Streifen, in dem der Regisseur Julian Benedikt, der 1997 durch seine vielbeachtete Dokumentation „Blue Note – AStory Of Modern Jazz“ weltweit Aufsehen erregte, den 1940 in Stuttgart geborenen Künstler in persona vor der Kamera hatte. Erklärende Kommentare aus dem „Off“ gibt es grundsätzlich nicht, die Bilder und Töne müssen für sich sprechen. Da redet Weber meist direkt in die Kamera oder unterhält sich beispielsweise in einer Galerie mit dem ehrenamtlichen Jazzmanager Jürgen Walter, vormals Kunststaatssekretär Baden-Württembergs, oder im Stuttgarter Jazzclub BIX mit Professor Mini Schulz.

 

Etliche Menschen aus Eberhard Webers privatem Umfeld kommen zu Wort, aber auch renommierte Kollegen aus der internationalen Jazzszene, wie Gary Burton, Jan Garbarek und Pat Metheny. Der Gitarrist lobt: „Eberhard klingt nicht amerikanisch und versucht es auch nicht. Er klingt wie er selbst. Für mich ist der Rhythmus, die Art wie man phrasiert, wie man sich in Takt und Zeit bewegt, als Künstler aber auch als Individuum, der Fingerabdruck unserer Individualität“.

 

Eberhard Weber - Foto: Kumpf

 

Als Eberhard Weber im Januar 2015 vom Land Baden-Württemberg mit dem Sonderpreis ausgezeichnet wurde, konzipierte Metheny eine multimediale Komposition für den schwäbischen Bassisten mit Wahlheimat Südfrankreich. Bei der „Hommage“ tönt Weber solistisch mit seinem korpuslosen fünfsaitigen Kontrabass aus der Konserve und die SWR Big Band spielt vielstimmig dazu. Ansonsten wartet das Produkt von Julian Benedikt reichlich mit gutem Archivmaterial auf, so auch vom 1992er Jazzgipfel in Stuttgarts Liederhalle.

 

„Eberhard Weber – Rebell am Bass“ nennt sich der Streifen, und im offiziellen Pressetext ist von einem „oft als unbequem bezeichneten Musiker“ die Rede. Ich selbst jedoch habe Eberhard seit den 1960er Jahren stets als sympathisch und freundlich erlebt.

 

Die Filmpremiere fand am 20.11.2016 im Rahmen der Ludwigsburger Jazztage statt, bis zum 13. Januar 2017 ist die Dokumentation in der SWR-Nediathek verfügbar: https://swrmediathek.de/player.htm?show=0ae3cf22-c074-11e6-8e1e-005056a12b4c

 

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Kommentar von Angelika Schwenke | 18.12.2016

Eine wunderbare Begegnung war dieser Film für mich, eine Sehnsucht wurde geweckt. Den Anfang hatte ich verpasst, so wusste ich über längere Zeit nicht von der tragischen Entwicklung. Mich begeisterte der Musiker, der Mensch und auch die filmische Gestaltung. Nach wenigen Minuten schon wünschte ich mir eine Wiederholung der Sendung. Nein, ich kannte Eberhard Weber zuvor nicht, nun aber möchte ich mehr und mehr und mehr. Wie schön, dass der Film noch einige Zeit in der Mediathek ist. Wie wunderbar wird es sein, eine LP zu finden und diesen Meister des Basses auf der eigenen Anlage genießen u können. Herzlichen Dank an Ihn, die Macher, den Sender.

Herzlichst gute Wünsche Eberhard Weber.

Kommentar von Klaus Huckert | 24.07.2017

Gibt es eine DVD? Falls nein, ist eine DVD-Veröffentlichung geplant?
Danke!!!!

Kommentar von Frank Schindelbeck | 26.07.2017

Dazu ist mir leider nichts bekannt.

Kommentar von Klaus Huckert | 09.10.2017

 

Mittlerweile habe ich eine DVD vom Mitschnittservice des SWR (ca. am 15. September 2017)erworben. Absolut empfehlenswert!!!!

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