Wolfgang Dauner solo - Tribute to the past

10.10.2013 12:15 von jazz (Kommentare: 0)

 



HGBS 20012 (CD und limitierte Vinylauflage)

Wolfgang Dauners „Et Cetera“
Knirsch
HGBS 20013


„Seikilos Lied“steht als Beispiel für spielerische Ökonomie und schlichte Schönheit. Ein paar Bassakkorde, singbare Single-Note-Linien und archetypische Melodiefragmente charakterisieren dieses nahezu 2000 Jahre alte Motiv, von dem der Pianist Wolfgang Dauner sagt, dass es eines der ältesten vollständig erhaltenen Musikstücke sei. „Tribute to the past“ nennt er aber nicht nur deshalb seine neue Solo-CD, die er auf dem legendären Bösendorfer Grand Imperial des früheren MPS-Studios im Schwarzwald eingespielt hat. Die perlenden, romantisch inspirierten, oftmals beschwörend repetitiven, manchmal offensichtlich suchenden und immer verspielten Tastenkünste des Musikers, der in diesem Jahr das 75. vollendet, zaubert jene Stimmungen herbei, die die Zuhörer überkamen, die vor Jahrzehnten die legendären Wohnzimmerkonzerte im Haus von Hans Georg Brunner-Schwer miterleben durften.


Mit „Tribute to the past“ verneigt sich ein Pianist, der sich in ungezählten Eigenkompositionen eigenständig und unverwechselbar verwirklich hat, vor den großen Komponisten der Vergangenheit – vor Jerome Kern, Richard Rogers und vor allem vor George Gershwin. „It ain´t necessarily so“ und „Summertime“ belegen beispielsweise, wie virtuos Wolfgang Dauner kreativ über ein Thema improvisieren kann, ohne das Original aus dem Auge und Ohr zu verlieren. Die Soloimprovisationen sind schlank und transparent und lassen vielleicht gerade deshalb die Schönheit der Musik voll zur Geltung kommen.


Natürlich lässt Dauner auch die eigene Vergangenheit nicht vergessen. „Wendekreis des Steinbocks“ bleibt - wie bei der jüngsten Tournee mit den German Jazzmasters - auch auf der Solo-CD selbst bei der x-ten Interpretation ein Erlebnis. Zum Schluss verneigt sich der Pianist mit „Blue Night“ vor seinem verstorbenen Mäzen Brunner-Schwer und dankt damit zugleich dessen Sohn Mathias, der neben der neuen Solo CD auch die unvergessene Aufnahme „Knirsch“ mit Wolfgang Dauners „Et Cetera“ aus dem Jahr 1972 wieder aufgelegt hat.

 

(km)

Zurück