Vein - Vein meets Glenn Ferris

10.10.2013 13:27 von jazz (Kommentare: 0)

 




(Die CD ist exklusiv auf der 
Homepage www.vein.ch erhältlich)

 

Wer anders als der Posaunist Glenn Ferris mit seiner beweglichen und luftigen Spielweise, die ihm eine mit zwei Ventilen modifizierte Zugposaune ermöglicht, wäre ein sensibel kommunizierender Partner des Vein-Trios? Offene Kollektive, die die Tradition ebenso einbeziehen wie das freie Spiel und die Avantgarde, die Experimente nicht scheut, aber auch nicht durch chaotische Ausbrüche verschreckt, sind die Spezialität des Trios aus Basel, in dem der Pianist Michael Arbenz zwar buchstäblich den Ton angibt, in dem Bruder Florian pulsierend den Beat auflöst und Thomas Lähns am Bass meist marschierend, hin und wieder straight, im Hintergrund ebenso unverzichtbar wie unauffällig stützt.

 

In diese intensiven und traumhaft sicheren Interaktionen passt sich Ferris mit beweglichem und melodischem, oft auch expressivem und wuchtigem Posaunenspiel ein. Von nahezu ergreifender Lyrik erscheint die schlichte, volksliedhafte Melodie in „Rest in my peace“ zu einem verträumt wirkenden impressionistischen Spiel des Pianisten.

 

Aber es gibt auch Up-tempo-Interpretationen wie die Miles Davis-Komposition „Seven steps to heaven“ mit freienPassagen. Dann ist es fast immer Michael Arbenz, von dem in rasanten Läufen die befreiende Expression ausgeht – vergleichbar einer kreisförmigen Welle, die sich ausbreitet bis sie alle vier Musiker zu einem pulsierenden Kollektiv anregt, in dem Schlagzeug und Posaune sich vor einem rasanten Bass-Solo duellieren. In „Blue sun“ lässt Michael Arbenz sanfte und verspielte Notenlinien aus dem Flügel perlen, während Lähns mit einer harmonisch verzierten Melodie im Hintergrund den Bass zupft und Ferris das Thema mit warmem Posaunenton variiert.

 

Bei aller zur Freiheit drängender Expressivität sind die Brüder Arbenz im Grunde Romantiker. Dies gilt sicher auch für Ferris, der in „Travlin´ bone“ nach einer Trio-Passage mit freiem Piano-Lauf, einem pulsierenden Schlagzeug und marschierenden Bass mit seiner geschmeidigen Posaunen Ruhe ins Spiel bringt, die von einem gestrichenen Bass betont wird. Faszinierend ist die Bearbeitung des Traditionals „Oh happy day“ bei der in einem beeindruckenden Solo mit Mehrstimmigkeit auf der Posaune Stimme und Instrument verschmelzen, bevor das Trio und der Posaunist groovend fortfahren.

 

Spielwitz und Liebe zu Melodie, aber zugleich auch Offenheit für ungewohnte Klänge eigenwilliger Rhythmik kennzeichnen das Spiel von Vein und damit auch das des Gastes. Das macht die CD „Vein meets Glenn Ferris so hörenswert.

 

(km)

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