Vein - plays Porgy & Bess

10.10.2013 13:49 von jazz (Kommentare: 0)

 




Unit Rcords UTR 4284


George Gershwin´s Porgy & Bess“ ist fest in der Geschichte des Jazz verankert. Ob „Summertime“ oder „It ain´t necessarily so“, es gibt ungezählte Interpretationen der Songs aus der Negeroper. Das Schweizer Trio „Vein“ mit den Brüdern Michael Arbenz am Flügel und Florian Arbenz am Schlagzeug sowie dem Bassisten Thomas Lähns kommt aus der Klassik und liebt Opern. Es hat sich nun auch dem Gershwin-Werk genähert. Doch wer Vein kennt, weiß dass das Trio die Songs keineswegs werksgetreu sondern allenfalls werksgerecht, jedenfalls eigenwillig, umsetzt. 

Schon die Ouvertüre belegt, dass die drei Musiker eine gänzlich neue Interpretation erfunden haben. Das schlichte Wiegenlied „Summertime“ ist kaum mehr wiederzuerkennen, denn Vein reduziert es auf seinen melodischen und harmonischen Kern, um darauf neu aufzubauen. Die Melodie von „I got plenty of nuttin´“ hingegen ist vom ersten Ton an vertraut. Vein zaubert daraus einen stampfenden Boogie mit treibendem Piano und groovenden Bassläufen, wechselt zwischendurch das Metrum und die Stimmung, um zu einem überraschenden Schluss zu kommen.

Bassist Lähns streicht sein Instrument mal in tiefsten Lagen, mal legt er wie in „Crab-Man“ violingleiche Free-Linien drüber. Pianist Michael Arbenz greift zarte und suchende Single-Note-Tupfer in „I love you Porgy“ oder explodiert in schnellen und attackierenden Läufen. Sensibel und meist kraftvoll trommelt Florian Arbenz. In einer kurzen eigenen Solo-„Summertime“-Version erhält er die Gelegenheit, das rhythmische Gerüst aufzudecken. Das Trio verschmilzt in der Regel zu einem Klangkörper, in dem mal das Piano, mal der Bass die harmonische Struktur vorgibt, ohne dass ein Instrument dominant wirkt. So entsteht ein komplex-vertracktes, aber subtil ausbalanciertes musikalisches Gefüge.

Ungewöhnlich ist die Up-Tempo-Version von „It ain´t necessarily so“ unter Einbeziehung freitonaler und pulsierender Avantgarde. Insgesamt hat das Schweizer Trio mit seiner „Porgy & Bess“-Adaption ein witzig-skurriles Album vorgelegt, das swingend bis free, klangmalerisch und eigenständig, von energetisch bis lyrisch die interpretatorischen Möglichkeiten des Originals auslotet und dabei immer wieder mit Überraschungen aufwartet.

 

(km)

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