Thomas Bachmann Group - Seiltänzer

10.10.2013 12:17 von jazz (Kommentare: 0)

 


Konnex KCD 5252


Der „Seiltänzer“ setzt mal bedächtig Fuß vor Fuß, springt ein anderes Mal keck auf dem Hochseil und landet dennoch immer wieder sicher. Ganz so geht es dem Saxophonisten Thomas Bachmann in dem gleichnamigen Titelstück der neuen CD seines Trios mit dem Bassisten Ralf Cetto sowie dem Schlagzeuger und Percussionisten Uli Schiffelholz. Die Musik der Eigenkompositionen pendeln zwischen getragenem Wohlklang und energiegeladener Up-Tempo-Expression. „Swith“ ist ein Titel, in dem der Saxophonist schnelle Läufe hinausrotzt, der Bassist mit komplexen Harmonieclustern seinen Bass bis ins Geräuschhafte führt und der Schlagzeuger mit ihm zwischen Rhythmusmustern hin- und herspringt. Bachmanns Sol mit überblasenen Stakkati erinnert an den Bassklarinettisten Eric Dolphy, dem er mit „Dolphy Dance“ später eine gesonderte Komposition widmet. Bachmann ist ein überaus emotionaler Spieler, was nicht nur in den beiden Soloimprovisationen erkennbar wird.


Manche Stück scheinen weitgehend notiert zu sein, andere lassen viel Freiraum für Improvisationen. In allen Stücken überzeugt das traumhafte Zusammenspiel sowie die sensiblen Interaktionen in den Zwie- und Tri-Gesprächen. „Twistin“ sowie „Wer hat Angst vor dem Schrammelblues“ sind mit nervösen und repetitiven kurzen Akkordfolgen typische Beispiel für die eigenwillige percussive Spielweise des Trios, während das nachfolgende „Seltsam still“ wiederum den bekannten klassisch geschulten Saxophonisten Bachmann mit weit schwingenden getragenenen Läufen präsentiert. Cetto begleitet dann die cantablen Linien mit einem gitarrengleichen Bass-Spiel zur flexiblen Trommel- und Beckenarbeit. „Ein hartes Stück Arbeit“ klingt durchaus leicht beschwingt mit dem bestechend schönen und harmonisch reich verzierten Bass-Solo, dem dezenten Schlagzeug-Hintergrund und den schnellen Saxophon-Läufen. Dies ist kein Trio mit einem Vormann und zwei Mitspielern, sondern ein Team gleichberechtigter Partner, auch in der musikalischen Aussagekraft.


Mit folkloristischem Klangfarben und tänzerischen Rhythmen windet sich zum Schluss „Reif für die (grüne) Insel“ in die Gehörgänge. Nach einer straight gezupften Bass-Basis folgt ein harmonisch raffinierter Lauf, während die schnellen Bläserlinien von genregerechtem Trommelspiel unterlegt werden.

 

(km)

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