The Dyani Project - Demo CD des Projektes „Kultur im Ghetto“, Frankfurt

10.10.2013 13:28 von jazz (Kommentare: 0)

 





Ich erinnere mich noch gut an J. E. Berendts New Jazz Meeting von 1983, als der Bassist Johnny Dyani während des einwöchigen Workshops oftmals lange Zeit nachdenklich, eine Zigarette rauchend, abseits saß. Drei Jahre später begründete Johnny Dyani eine Reihe, die bis heute zu Konzerten und Workshops führt und die sich „Jazz gegen Apartheid“ nannte. Zwar ist die Apartheid heute weitgehend überwunden, doch Jürgen Leinhos und seine Projektgruppe „Kultur im Ghetto“ pflegen das Andenken des im Oktober 1986 verstorbenen musikalischen Kämpfers gegen die politische Unterdrückung wie auch die Fortführung der Konzertreihe.

Das Dyani-Project widmet sich dem Leben und der Musik des südafrikanischen Künstlers und seiner Zeitgenossen. Mit dem Saxophonisten John Tchicai, dem Schlagzeuger Makaya Ntshoko, dem Trompeter Harry Beckett und dem Flügelhornisten Claude Deppa sind Weggefährten Dyanis zu hören. Seit den 90er Jahren erweitern der Vibraphonist Christopher Dell, der Saxophonist Daniel Guggenheim, der Posaunist Allan Jacobson und der Bassist John Edwards das Projekt. 

 

Nun liegt als Live-Mitschnitt eines Konzertes in der Darmstädter Knabenschule eine Demo-CD vor, die zwar nicht zu kaufen ist, die aber Veranstalter dazu bewegen kann, jene Formation zu buchen, die die Intensionen ihres Vorbildes trifft und dabei mit unbändiger Spielfreude fasziniert.


„Kippieelogie“ hebt mit einem fulminanten Bass-Lauf an, der mit dem pulsierenden Schlagzeug die Basis für freie Interaktionen der Bläser bereitet – so wie ich es aus dem Meeting in Baden-Baden in Erinnerung habe. „Lady Lilian Ngoyi“, das Portrait einer der weiblichen Führungspersönlichkeiten im Kampf gegen die Apartheid wird im Mittelteil geprägt vom freien und ekstatischen Spiel des Saxophons auf einem Vibraphon-Teppich. Neben solchen hin und wieder ins Crescendo einmündende Free-Passagen bestimmen die Mehrstimmigkeit der Bläser, ihre Ruf-Antwort-Spiele, das Umranken von Melodielinien auf Saxophon und Trompete den Sound. „Song for Biko“, den Dyani dem von der Polizei zu Tode gefolterten Studenten- und Gewerkschaftsführer Steve Biko widmete, erklingt fast fröhlich, tänzerisch und hüpfend, swingt nahezu konventionell und könnte als Beispiel für Dyanis Ästhetik des Protestes gelten. In fast allen Kompositionen des Südafrikaners findet sich die typische hymnische Mehrstimmigkeit, die meist in der Intro oder dem Finale auftaucht. Ein von südafrikanischer Folklore geprägter Ohrwurm ist „Roots and Blues for Moyake“. Die Doppelbesetzung der Instrument erlaubt es, Melodiebögen afrikanischer Farbigkeit auszubreiten, heißt es im Promotionstext treffend.

Die Formation „The Dyani-Project – a quest for Freedom“ kann bei „Kultur im Ghetto“ (Tel. 069-621430, Mail: jleinhos@aol.com) gebucht werden.

 

(km)

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