Sigi Dresen & friends - A part of me

10.10.2013 13:43 von jazz (Kommentare: 0)

 




Early Bird Records 01066


Wenn dies nur ein Teil des Komponisten und Musikers Sigi Dresen ist, welche Überraschungen birgt dann noch der Rest? „A part of me“ nennt der Hamburger Pianist und Soundtüftler seine neue CD. Die darauf gebannten Improvisationen verraten Einiges von der Wesensart des Künstlers.

Natürlich geht es um das Klavier, Improvisation, Kommunikation, Experimente und die Annäherung an den Jazz. Manches klingt sehr vertraut wie „Clockwork“, das die romantische und verspielte Ader von Sigi Dresen bloßlegt. Es ist jedoch, wie der Künstler bekennt, eine eher „klassischen Kompositionsprinzipien“ verpflichtetes Stück, während er beim vorliegenden Album die Improvisationsidee auf den Produktionsprozess übertragen wollte. Dresen beschreibt im Booklet, dass vor dem Einspielen in der Regel ein paar Harmonien, Loops oder Melodiefragmente, musikalische oder rhythmische Schnippsel standen, die erst im Produktionsprozess gesammelt, geschnitten, und neu geordnet wurden. Das heißt nicht, dass Zufallsprodukte entstanden, sondern mit vorhandenen Splittern sorgfältig umgegangen wurde. 

Es entstanden teil konventionell klingende Songs, teil freie und experimentelle Collagen. Insgesamt herrscht der meditative Charakter vor, auch wenn kurze Improvisationen wie das balladeske Zwiegespräch Episode Nr. 8 und das folgende atonale Zwiegespräch Episode Nr. 5 in starken Kontrast stehen. Im Zwiegespräch Nr. 7 zupft Dresen perkussiv die Saiten des Flügels im Duo mit dem Schlagzeuger Niels Henrik Heinsohn. Sensible Partner sind in anderen Werken mit kantablen Linien der Tenorsaxophonist Stefan Kuchel und Trompeter Claas Ueberschär. Die abschließenden „Hymne for five - solo“ und „Immer weiter“ sowie vor allem die tastend suchende Ballade des Zwiegespräches Nr 4 offenbaren wiederum den romantischen Part of Dresen. Mit „Bazz“ tritt der Pianist in eher ausgetretene Pfade der Mixtur von Klassik und Jazz, während seine „Oboen-Fantasie“ mit exotischem Reiz überrascht. 

Glücklicherweise gerät die Vielseitigkeit der Musik nicht zur Beliebigkeit, sondern spiegelt glaubhaft die unterschiedlichen Wesenszüge des Künstlers wieder, wozu die Zwiegespräche besonders beitragen.

 

 

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