Review: Auryn Quartet und Roger Hanschel - Niederschlagsmengen

21.08.2014 15:41 von Klaus Mümpfer (Kommentare: 0)

 

Cover
 

Tacet 211

 

Der Saxophonist Roger Hanschel lässt auf seiner  neuen CD „Niederschlagsmengen" mit den vier Detmolder Professoren des „Auryn-Quartets“ eine Kooperation  aufleben, die 2001 mit einer Südamerikareise im Auftrag des Goethe Instituts begann. In sieben Stücken kombiniert er fremdharmonisch reizvolle, auskomponierte Streichquartett­Passagen mit Improvisationen für das Saxophon. Das Ergebnis zeigt, dass der Jazz-Saxophonist das Streichquartett als Komponist und als Improvisator als gleichberechtigte künstlerische Partner anerkennt und integriert.

 

Hanschel zwingt die vier Streicher des Auryn-Quartets nicht, Jazz zu spielen, andererseits legt er sich selbst keine improvisatorischen Fesseln an. In ausgedehnten Passagen lässt der Komponist nur die Strings erklingen, oft minimalistisch, mal neo-romantisch wie im Opener „Regeneration & Blend“, oder inspiriert von indischer Musik und europäischer Klassik wie in dem meditativen und getragenen „Fundamental Vibration of Inner Nowhere“. Zuweilen nutzt der Altsaxophonist in seinen Kompositionen raffinierte Ostinato-Schichtungen, Harmonie-Variationen und überraschende Rhythmusmodelle als Grundlage für seine virtuosen Ausflügen auf dem Altsaxophon. So gelingen ihm komplexe Melodiengeflechte und Klangteppiche von faszinierender Dichte und ästhetischer Reinheit. An anderer Stelle prägen Ruhe und Kühle, Romantik und Empfindsamkeit wie überwiegend in „Was Weite Herzen füllt“ oder in der Intro von „Change Follows Vision“ die Stimmung. In letzterer Jazz-Ballade fasziniert das ausgedehnte obertonreiche  und mit Highnotes gespickte Solo auf dem Saxophon.

 

Als Saxophonist ist Hanschel ein Meister der Zirkularatmung. Die ermöglicht es ihm, ohne das Instrument abzusetzen, gleichsam stehende Klänge zu erzeugen, scheinbar endlose Staccati oder minutenlange, flirrende Soundbögen mit innerer Logik und Spannung in den Farbenreichtum des Streichquartetts mischen oder gar unisono verschmelzen.

 

Faszinierend ist die spielerische Lockerheit des Albums. Hier prallen die beiden Welten von Jazz und Kammermusik nicht aufeinander, sondern scheinen mit Staccati und Pizzicati in einer ungewöhnlichen, seltenen Leichtigkeit miteinander zu tanzen – wie im zweiten Teil von „Was Weite Herzen füllt“.

 

Insgesamt deckt Hanschel ein Spektrum von meditativer Kammermusik bis zu halsbrecherischer Ensemble-Akrobatik ab - mal sonor, mal in spitzen Höhen.. „Niederschlagsmengen“  ist trotz der hintergründigen Spannung Musik zum Relaxen und sich Versenken.

 

(km)

 

 

Jazzpages

 

 

Zurück