Review: Vagif Mustafa Zadeh - Live Jazz (Aufnahmen aus dem Familienarchiv)

06.06.2015 19:41 von jazz (Kommentare: 0)

 

Cover - Vagif Mustafa Zadeh - Live Jazz (Aufnahmen aus dem Familienarchiv)
 

Jazziza Records JR 1969-3

 

Ein „Blues“ von Duke Ellington ist Opener der Live-Aufnahmen des aserbeidschanischen Pianisten Agif Mustafa Zadeh. Die Interpretation lässt nachvollziehen, warum B. B. King den Vater der in Mainz lebenden Pianistin Aziza Mustafa Zadeh einst lobte: „Man nennt mich den König des Blues. Aber ich würde den Blues gerne so gut spielen wie Sie“. Der legendäre Gitarrist ist nicht der einzige, der Agif Mustafa Zadeh würdigte: Der amerikanische Produzent  Willis Conover versicherte 1966, er habe noch keinen Pianisten gehört, der lyrischer spiele.  Auf der von Tochter Aziza aus den Archiven der Familie zusammengestellten „Live Jazz“-CD legt Agif Zeugnis dieser Einschätzung mit George Gershwins „The man I love“ ab.

 

Dass der Künstler, von dem der Trompeter Dizzy Gillespie gesagt haben soll, „er war ein Genie, aber ich glaube, er war seiner Zeit voraus“, in der Tat die Tradition mit der modalen Spielweise des modernen Jazz verband, belegen auf der einen Seite die swingende Einspielung von Ellingtons „Take the A-Train“ auf der anderen Agifs eigene Kompositionen „Expromt“, „Caspian Sea“ und das folkloristisch inspirierte „Summer in Baku“.

 

Agif Mustafa Zadeh ist ein klassisch ausgebildeter Virtuose auf dem Flügel mit sicherem Gespür für Harmonik. Seine rasanten Läufe, seine Tonkaskaden und Single-Note-Trauben faszinieren. Mal fließen perlende Linien aus den Tasten, mal schichte er sperrige Akkordblöcke. In seinen eigenen Kompositionen lässt sich eine Vorliebe für ostinate Melodiefiguren auf dem Piano und Harmonievariationen auf dem Bass erkennen, der in allen Stücken als Basis präsent ist. Hin und wieder greift der Pianist in percussiven Stücken auch zu Halleffekten und einer Gitarrenunterlegung.

 

Aziza Mustafa Zadeh hat die Einspielungen ihres Vaters und seiner vorzüglichen Begleiter Tamaz Kurashvili (Bass) sowie Alesker Abbasov (Elektro-Gitarre) dramaturgisch geschickt zusammengestellt – vom traditionellen Swing über den Blues und die Ballade bis zum modernen, teils freien Jazz.  

Agif Mustafa Zadeh wurde am 16. Marz 1940 in Baku geboren. Er erlag am 16. Dezember 1979 bereits mit 39 Jahren kurz nach einem Konzert in Taschkent einem Herzinfarkt. Kurz vor den Geburtstagen seiner Frau und dem zehnten seiner Tochter Aziza. „Ich glaube nicht an den Tod. Ich denke, dies ist nur ein biologisches Ableben und kein spirituelles“, schreibt Aziza in dem Textheft zur CD. Auch in ihren Konzerten spielt die „Prinzessin des orientalischen Jazz“ stets Kompositionen ihres Vaters.

 

 

(km)

 

 

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