Review: Sebastian Sternal / Dieter Manderscheid - Flussrauchen

29.11.2014 17:49 von Klaus Mümpfer (Kommentare: 0)

 

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Jazz Haus Musik JHM 228

 

„Flussrauchen“ ist der Titel der ersten Duo-CU des Pianisten Sebastian Sternal und des Kontrabassisten Dieter Manderscheid. Irritierend wie der Titel ist die Musik der beiden Kölner Künstler, von denen Sternal auch als Piano-Professor an der Musikhochschule in Mainz lehrt. Schon die erste Improvisation über die Mingus-Komposition „Reincarnation of a lovebird“, pendelt zwischen swingenden Läufen zum gestrichenen Bass und sperriger, freier Improvisation. Dieser Kontrast von beseelter Ästhetik und gelöstem Free-Spiel setzt sich auf der gesamten Einspielung fort.

 

Die beiden Virtuosen schöpfen dabei aus einem breiten Fundus musikalischer Erfahrungen. Ihr Material zur kreativen Improvisation entnehmen sie den Werken von Charles Mingus, Kenny  Wheeler und Duke Ellington ebenso wie einer Sonate von Antonio Vivaldi oder drei kurzen und kleinen Stücken von Anton von Webern. Originale des Künstler-Duos wie „Mountain Dream“  oder „Prélude Dansé“ ergänzen dieses eigenwillige Programm.

 

Die Stimmungen spiegeln sich in hingetupften Single-Notes auf den Tasten des Flügels wie in prägnanten Akkordfolgen auf dem Bass wider. In der Regel werden gezupfte Einwürfe auf dem Bass von akzentuierenden Fragmenten auf dem Piano kommentiert. Sternal erweist sich als ein vielseitiger Pianist, der mit perlenden oder verschleppenden Läufen sowie hingeworfenen Blockakkorden gleichermaßen meisterlich umzugehen versteht, wie Manderscheid mit sanftem Bogenstrich oder glissandierenden Bending-Reibungen.

 

Der Zuhörer wird auf eine abenteuerliche Reise durch manchmal weit auseinander liegende Epochen geführt und dabei verführt. Gewiss, diese Musik verlangt ein intensives Einhören und Offenheit. Wer dazu bereit ist, der erlebt einen individuellen und kreativen Schaffensprozess von zwei Künstlern auf höchstem Niveau. In ihrem Spiel klingen nicht nur die Noten, sondern auch die Pausen. Insgesamt herrscht eine meditative Stimmung vor. Es bleiben luftige Erinnerungen an traumhaft sichere Interaktionen und an eine Musik außerhalb üblicher Hörgewohnheiten.

 

(km)

 

 

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