Review: Jazz-District – The World of Jazz-Music

10.01.2014 23:00 von Klaus Mümpfer (Kommentare: 0)

 

Jazz District Cover
 

Sony Music 88883 78705, -706 usw. / LC 19879

 

Das Kulturressort der Online-Ausgabe des „Spiegel“ engagiert sich im Jazz. Gemeinsam mit dem Musikverlag Sony, der natürlich ein Verwertungsinteresse seines Archiv-Materials hat, legt der Kultur-Spiegel eine Box mit zehn Doppel-CDs unter dem Titel „Jazz-District“ vor. Mit der Betreuung wurde die renommierte und für Jazz kompetente Bochumer Marketing-Agentur Oliver Bartkowski beauftragt. Es ist eine klangvolle Reise durch die Geschichte und die stilistische Bandbreite der Welt der Jazzmusik – doch leider nicht immer von einsichtiger Logik geprägt.

 

Nachvollziehen kann man  noch die historische Kategorisierung vom Swing über Cool-Jazz, Bebop und Hardbop sowie auch die stilistische Aufteilung in Fusion und Acid Jazz oder die Trennung von Brazil und Latin-Jazz. Doch was hat eine Doppel-CD „Smooth Jazz“ oder gar „Best of CTI“ in dieser Sammlung zu suchen?

 

Jeder Doppel-CD ist eine kurze, durchaus lesenswerte Einführung der Kultur-Spiegel Redaktion beigelegt, die leider weiterführende Angaben vermissen lässt. Mit der Lupe kann der Interessent auf der Kunststoff-Box der CD (nicht immer)  lesen, wann das entsprechende Stück erstmals veröffentlicht wurde. Da Miles Davis sowohl im District Hardbop und Cool Jazz mit Stücken zu finden ist, weist auf die stilistische Entwicklung des Künstlers hin. Dass aber Mingus mit zwei Aufnahmen aus demselben Jahr in beiden Kategorien präsentiert wird, belegt nur, dass er mit seiner Band sowohl expressive als auch lyrische Kompositionen  im Repertoire hatte. Solche Ungereimtheiten sind mehrfach zu entdecken.

 

Ungeachtet dessen sind die Aufnahmen technisch gut aufbereitet und auf Stereo-Effekte getrimmt. Das gilt selbst für historische Einspielungen etwa von Sidney-Bechet, Fletcher Henderson oder Duke Ellington. Kleine Mängel wie bei einer Dexter Gordon-Aufnahme sind eine Ausnahme.

 

Für Jazz-Fans, die gerne einen weit gespannten Überblick über diese Musik in ihrem Schrank stehen und sich nicht stilistisch festgelegt haben, ist diese 20 CD-Box eine lohnenswerte Fundgrube, die ebenso zur weiteren Recherche wie zur Entspannung anregt – wenn man die den angesprochenen Einschränkungen in Kauf nimmt. Die gesamt Box ist für weniger als einhundert Euro zu haben. Die Doppel-CDs können aber auch einzeln gekauft werden.

 

(km)

 

 

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