Review: Frederik Köster / Sebastian Sternal - Canada

04.10.2015 00:13 von jazz (Kommentare: 0)

 

Köster Sternal - Canada Cover
 

Traumton Records 4625

 

Das melancholische „Calgary“ schrieb Sebastian Sternal bereits für seinen zweiten Teil der Symphonic Society. Die perlenden Läufe, das teils freie Spiel des Pianisten in sensibler Verbindung mit dem Flügelhorn Kösters stand unter dem Eindruck, den eine gemeinsame Reise der beiden Künstler ins ferne Kanada hinterlassen hat. Auslöser der nun vorliegenden Duo-CD war der Vorschlag eines Bekannten Kösters: Thilo Schaller ist Professor für Tontechnik an der University of Lethbridge nahe Calgary. Er hatte Sternal und Köster zu dieser kammermusikalisch-feinsinnigen (so der treffende Promotion Text) angeregt. Beschwingt tänzelt „Hologram“ – ein Anspieltip der CD

 

Herausgekommen ist eine zumeist intime und offensichtlich sich gegenseitig befruchtende Improvisation, die niemals langweilig wird obwohl Stimmung und Klagfarben eher von den Wäldern, der Weite der Landschaft und deren Ruhe geprägt werden. Der Pianist Sebastian Sternal und der Trompeter Frederik Köster offenbaren sich als Freunde dieser Landschaft und einer innewohnenden Poesie, die gefangen nimmt.

 

Das atmosphärisch dichte Album belegt die besondere Ausdrucksstärke der beiden Künstler, die beispielweise bei „Hunting“ ihrer Virtuosität  in freien und attackierenden Interaktionen ihren Lauf lassen. Die Melodien spannen weite harmonische Bögen, versinken in beseelter Melancholie wie bei „Into the wild“, leben von Abstraktionen wie im Opener „Canada“ mit seinen treibenden Läufen. Immer wieder reißt Sternal mit Fingerfertigkeit und perlenden Läufen die Stimmung auf, wenn sie ins Sentimentale abzugleiten droht. Köster variiert den Sound seines Instruments von tiefer Inniglichkeit bis zu harten Stakkati. Die Klangmalereien des Duos in „Case of you“, einem Covertitel für Joni Mitchell, illustrieren passend die Erzählungen einer alten Mannes bei Lethbridge, dass sich Mitchell in ihrer Jugend eher als Malerin denn als Sängerin gesehen habe. Das Spiel wirkt anrührend wie der zweite Covertitel „For Jan“, der von Kenny Wheeler stammt. Der beigefügte Text zieht zu Recht die Schlussfolgerung, dass die CD eine eigene Aura von unwiderstehlicher Intensität ausstrahlt. 

 

 

(km)

 

Eine Galerie mit Photos eines Auftritts der Band am 30.9.2015 in Mannheim findet sich ebenfalls hier auf den Jazzpages. 

 

 

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