Review: Bonati / Torto - Heureux comme avec une femme

24.08.2014 09:33 von Klaus Mümpfer (Kommentare: 0)

 

Cover
 

Robert Bonati / Diana Torto

Heureux comme avec une femme

ParmaFrontiere CD002

Roberto Bonati Trio

Bianco il vestito nel buio

Parma Frontiere CD001

 

Italien ist gesegnet mit Jazz-Sängerinnen, die neben dem reinen Gesang vor allem mit Scat, Vokalisen und der instrumentalen Führung ihrer Stimme einschließlich der Soundfindung samt konsequenter Kehlkopfakrobatik faszinieren. Maria Pia de Vito zählt ebenso zu ihnen wie auch Gaia Matiuzzi und letztlich Diana Torto, die durch ihren  berührenden Gesang und ihre enormen Scat-Fähigkeiten“ als eine der herausragendsten Persönlichkeiten des zeitgenössischen Vocal-Jazz eingestuft wird.  Torto, die Jazzgesang an mehreren norditalienischen Musikhochschulen lehrt, hat nun mit dem Kontrabassisten Roberto Bonati eine Duo-CD vorgelegt, auf der die beiden Künstler einen musikalischen Spaziergang vom Mittelalter und der abendländischen Klassik über die Folklore bis zum zeitgenössischen Experimental-Jazz unternehmen.

 

„Heureux comme avec une femme“ verschmilzt kunstvoll die Musik von Roberto Bonati  mit der Stimme von Diana Torto. Eine Bass-Stimme-Einheit wie zwei schwingende Saiten eines Instruments. Es ist ein fast sakrales Ritual von spiritueller Dimension und mit der Intimität sensibler Aktionen, die im Duo jede Fehl-Interaktion gnadenlos aufdecken würden.

 

Doch Torto besticht mit der Magie der Stimme und Roberto Bonati ist ein Virtuose auf seinem oft gestrichenen oder percussiv gezupften Instrument. „Heureux comme avec une femme“ (Text von Arthur Rimbaud) oder  „Can vei la lauzeta“ (Lyrik von Bernart de Ventadorn) auf dem volltönenden Kontrabass und mit der modulationsfähigen Stimme spiegeln die Tradition der abendländischen Musik wider,  treffen das zwanzigste Jahrhunderts mit der E-Avantgarde, verbinden sich mit Afrika, italienischer  Folklore und mit modernem Jazz und wecken Assoziationen ans  Mittelalter. Komplex und zugleich transparent ist die Musik. Fremdartig und doch vertraut. „Woman oft he woodlands“ (Text von Roberto Bonati) fasziniert mit minimalistischen musikalischen Fetzen auf dem Kontrabass und geseufzte Vokalisen sowie gehauchtem Gesang. Unterlegt wird die Stimme mit ostinate Akkordfolgen auf dem Bass.

 

Bonati und Torto klingen wie zwei Instrumente zusammen: Kontrabass und menschliche Stimme. Kehlkopfakrobatik. Percussive Fortschreitungen. Plötzliche Dynamik-Sprünge und metrische Brüche können der inneren Logik nichts anhaben. Spannungsbögen erzielt das Duo durch metrische Gegensätze und harmonische Kontraste. Die Stimme von kraftvoll aufschreiend bis sanft und fast unhörbar gehaucht, mit spitzen High-Notes und warmem Wort-Gesang sowie der Bass mal sonor gestrichen, mal in höchsten Lagen pizzicato unter dem Steg, betreiben Soundforschungen und Klangmalereien. Die Zuhörer erleben Stimmungen mal  getragen und meditativ, dann wieder aufschreiend und grell, mit schnellem Strich und Glockenspiel wie in „Rouge“ und dem folgenden „Cinque petali di una primavera“.

 

Mit seinem Trio, zu dem der Pianist Alberto Tacchini und der Schlagzeuger Roberto Dani gehören, hat das Roberto Bonati  Trio die Besucher des Festivals „Worms Jazz & Joy 2014“ verzaubert. Er zählte zu den Highlights dieses an Ereignissen reichen Treffens.  Der Kontrabassist aus der Wormser Partnerstadt Parma bezieht seine klassische Ausbildung in die kammermusikalischen Interpretationen mit Elementen freier Improvisationen und pulsierenden Rhythmen ein – ganz gleich, ob es sich um eigene Kompositionen wie “Settembre“ und „Miserere II“ oder um Verdi-Bearbeitungen wie „Lacrymosa“ handelt. Zu Recht bezeichnet Bonati die Formation als „drei Solisten eines Kammermusik-Trios“, denn auch im Trio integriert er Traditionen abendländischer Klassik, insbesondere italienischer Opernkultur, und zeitgenössischen Jazz in seinen Kompositionen zu einer unvergleichlichen und eigenständigen Musizierweise. Die CD, auf der man dieses Spiel des Trios nachvollziehen kann, trägt den Titel „Bianco il vestito nel buio“.

 

(km)

 

 

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