Review: Blemishes - Libido

24.06.2014 16:45 von Klaus Mümpfer (Kommentare: 0)

 

Blemishes - Libido
 

12“-Vinyl-Platte (limitiert auf 300 Exemplare mit Inlet, erschienen bei Ana Ott)

 

Nervosität und Chaos kennzeichnen die Musik der Band „Blemishes“. Geräuschcollagen aus gestrichenem Bass von Constantin Herzog, Stakkati von Thomas Lumley auf dem Tenorsaxophon, die jaulende Gitarre und verzerrte Gitarre von Nicola Hein sowie das  energetische Getrommel von Niklas Wandt verweben die Avantgarde mit experimentellem Jazz zwischen dem ruhigen und versöhnlichen Schluss in „How does it feel now, that love is within you“ bis zu chaotischen Interaktionen der vier Musiker in „Insurgence in the Penile Colony“ oder den restlichen der sechs Improvisationen auf der Vinyl-Scheibe „Libido“.

 

 

Unruhe und Intensität kennzeichnen die Stücke, die im legendären Kölner Loft aufgezeichnet wurden. Experimentelles Ausloten der hörbaren Grenzen von Instrumenten ist nicht neu. So klingt manche Sequenz auf der Platte fast schon vertraut. Und dennoch gelingt es den Instrumentalisten durch Kombinationen und Dynamik immer wieder Spannungsbögen zu bauen, die den Zuhörer zu fesseln vermögen. Unruhiges Summen und nervöses Grummeln, expressive Stakkati des Bläsers und treibende Schlagfolgen auf dem Schlagzeug lassen bei aller fragmentarischer Verflechtung mit der Avantgarde – wie sie in Köln gepflegt wird – über zwei Plattenseiten keinen Moment Langeweile aufkommen.

 

 

„Schönheitsfehler“ übersetzt die Promotion rücksichtsvoll  den Bandnamen „Blemishes“. „Schandfleck“ oder „verunstaltet“ sind andere Definitionen, die mit dem englischen Original-Begriff verknüpft sind. Solche Übersetzungen können durchaus als Lob verstanden werden und kommen der Intention der offensichtlich spontanen Aktionen der Musiker nahe. Ruhiger Fluss und heiseres Kreischen, elegischer Streicherparts und nervöse Trommelstrukturen sind Pole in diesem mit Überraschungen und Emotionen gespickten sowie am Chaos kratzenden freien Spiel.

 

„Wir sind Misanthropen“ behaupten die vier jungen Künstler von sich. Dafür verfügen sie – wie die Titel und die Stücke belegen – über eine gehörige Portion Humor, was ihr Experiment zudem noch liebenswert macht.

 

 

Auf der Plattentasche aus rauem Karton findet sich eine Bleisatzcollage der Essener Künstlerin Julia Schwarz, auf weitere Aufdrucke und Kennzeichnung der Plattenseiten hat das Label verzichtet.

 

(km)

 

 

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