Review: Alexandra Lehmler Quintett - Jazz, Baby!

17.02.2014 15:57 von Klaus Mümpfer (Kommentare: 0)

 

Alexandra Lehmler Quintett - Jazz, Baby! Cover
 

Jazznarts records JnA 6714

 

Die CD „Jazz Baby“ beginnt mit dem treibenden „autoroute du soleil“- sicherlich inspiriert von der südfranzösischen Landschaft, in der die vorliegenden Eigenkompositionen aufgenommen wurden. Energiegeladen sowie leidenschaftlich und emotional geht es auf der Nachfolge-CD von „No Blah Blah“ weiter: „Superheld“ mit seiner expressiven, rauen und leicht überblasenen Intro auf dem Baritonsaxophon oder „Snow in the summer“ mit der percussiven Einleitung und dem balladesken, eher melancholischen Saxophon, hinter dessen vordergründig lyrischen Spiel doch verhaltene Energie steckt. Ähnlich fühlt der Zuhörer bei „What´s next“ und „Unterirdisch“, das nach dem besinnlichen ersten Part nahezu hymnisch fortgesetzt wird.

 

„Jazz Baby“ klingt nicht nur als Titel selbstbewusst. Die Saxophonistin hat ebenso selbstbewusst eine eigene Tonsprache auf ihren Instrumenten (dem Sopran-, Alt- und Baritonsaxophon) gefunden, sowie mit ihrem Quintett eine eigenständige, zeitgenössische und lebendige Form des Jazz, der sich nicht in Kategorieschubladen pressen lässt. Mal schimmern bunte Farbtöne der Weltmusik durch, hin und wieder funkeln klassische Elemente, manchmal wird es auch rockig, dreckig und derb. Aber immer swingt die Musik. Jazz ist eben Energie, die nach vorne drängt.

 

Die 34jährige Musikerin hat auch dieses Mal Partner um sich geschart, die sensibel kommunizieren. Für einen gegenüber früheren Einspielungen leicht veränderten Sound sorgt der neue Pianist Oliver Maas mit dem häufigen Einsatz des Fender-Rhodes, harmonisch faszinierende Soli zupft Bassist Matthias Debus und für die ansprechende rhythmische Basis sorgen Schlagzeuger Max Mahlert sowie Percussionist Rodrigo Villalon.

 

Amüsant und überraschend sind einige Soundexperimente mit dem Saxophon oder die Wechsel zwischen den Passagen und den Stimmungen des Up-Tempo-Stückes „Klassentreff“ mit seinen freien Ausflügen. Für Dramaturgie sorgt der Kontrast zu dem nachfolgendem „konventionellen“, tristen „Tränenmeer“, das in seinem Verlauf dennoch ungeheuer dicht und komplex gestaltet wird. Mit „Jazz Baby“ hat die Mannheimerin eine überzeugende, spannende  und mitreißende CD vorgelegt, der es auch an spielerischem Witz nicht mangelt.

 

(km)

 

 

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