Oz Almog & Shantel - Kosher Nostra / Jewish Gangsters Greatest Hits

10.10.2013 13:32 von jazz (Kommentare: 0)

 




Essay Recordings AY CD 13


Das jüdische Museum in Berlin widmete der Verbindung von jüdischer Musik und Jazz eine Ausstellung von Klezmer bis zum New York Underground rundum John Zorn. Unter „Radical Jewish Culture“ geht jüdische Musik eine Symbiose mit Jazz, Rock und Punk ein. Pitom aus Brooklyn/ NYC spielen eine Mischung aus unkonventionellem Rock und traditioneller jüdischer Musik. Das Quartett um den Jazzgitarristen Yoshie Fruchter definiert zwischen Post Hardcore, Jazz und Klezmer einen eigenen Sound. Auch bei David Krakauer und Giora Feidman sind Jazz-Einflüsse nicht zu überhören.

 

Doch die unterschiedlichsten Verknüpfungen reichen viel weiter zurück. In den 20er bis 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts kontrollierten Gangster-Syndikate in Amerika nicht nur das Geschäft mit dem verbotenen Alkohol und Glücksspiel, sondern auch das Music-Business von den Tanz-Revuen bis zum Jazz. 
In jener Zeit existierte in den Staaten eine jüdische Verbrecherorganisation, die in Anlehnung an die berüchtigte „Cosa Nostra“ „Kosher Nostra“ genannt wurde. Der in Frankfurt lebende Musiker Stefan Hantel, bekannt als „Shantel“, ist dem Einfluss der Kosher Nostra auf die Musik jener Zeit nachgegangen und hat dabei Erstaunliches zutage gefördert. Der Sound der ausgewählten Stücke ist eine wilde Mixtur aus Swing, Jazz, Twist, Charleston mit jiddischer Folklore, Balladen und Gassenhauern. 

 

Viele der Musikbeispiele, die Shantel zusammengetragen hat, faszinieren in der ungewohnten Kombination jiddischer Texte und swingendem Jazz. Es gibt ein Wiederhören mit Connie Francis, die ein ganzes Album jüdischer Musik aufgenommen hat, aber auch mit Tom Jones, den Andrew Sisters und Al Jolson, der es bis zu Bekanntschaft mit dem US-Präsidenten Calvin Coolidge gebracht hat. 

 

Weniger bekannt, aber eng mit dem Jazz verbunden, sind das Yiddish Swing Orchestra oder Cleo Patra Brown, eine Vertreterin des Boogie-Piano-Stils. 


Auf der CD wird geschluchzt, tremoliert, geswingt und gebluest, dass es eine Freude ist. Auch wenn das Ganze eher unter Jazz und Jazzverwandten zu rubrizieren wäre, hält die CD auch den Jazz-Fan gefangen. 
Der audiophile Genuss dieser musikalischen Zeitreise wird in der Zusammenarbeit von Shantel mit dem österreichischen Künstler und Wiener Kurator Oz Almog durch ein dickes, prachtvolles und informatives Booklet literarisch ergänzt.

 

(km)

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