Review: Moritz Wesp Quartett - Tauchgang

04.02.2014 23:47 von Klaus Mümpfer (Kommentare: 0)

 

Moritz Wesp Quartett - Tauchgang Cover
 

KRR 068

 

Die Kompositionen des Moritz Wesp Quartetts tragen unverkennbar die Handschrift des Posaunisten und Bandleaders. Es sind Klangspielereien und Soundcollagen, Mal balladesk und tastend, dann wieder ungemein swingend und groovend bei nahezu hymnischen Pianoläufen mit ostinaten  Harmoniefiguren. Stets intensiv und kommunikativ ist diese zeitgenössische Kammermusik, die Experimente in den Pianopassagen und vor allem in den Posaunensoli wagt, ohne die Tradition zu leugnen, in der sie immer verwurzelt bleibt. Die acht Kompositionen lassen nachvollziehen, warum das Quartett der vier jungen Musiker beim Bundeswettbewerb Jungend jazzt des Deutschen Musikrates einen der Hauptpreise und eine der begehrten Aufnahmesessions beim WDR erspielen konnte. Die Musiker lernten sich im hessischen Landesjugendjazzorchester kennen und arbeiten inzwischen seit drei Jahren zusammen. Das Quartett spielt auch auf der vorliegenden CD in der Besetzung Moritz Wesp (tb), Nico Hering (p), Bastian Weinig (b) und Florian Schwappacher (dr).

 

Die Kompositionen sind dramaturgisch geschickt aufgebaut, innerlich logisch durchdacht, ohne an emotionaler Kraft zu verlieren. Ob nun balladesk wie „Tauchgang“  oder aggressiver im Up-Tempo wie „Schau nicht nach unten“, die reizvollen Stücke stecken voller Überraschungen. Die CD „Tauchgang“ ist ohne Übertreibung eine Einspielung, die durch ihre Reife und Kreativität vergessen lässt, dass die Musiker so jung sind, dass einige noch vor wenigen Jahren der Rüsselsheimer Swing Kids in der IKS-Schulband angehörten und derzeit studieren.

 

Das leicht angeraute, oftmals samtweiche und nie aggressive  Spiel des Bandleaders und Posaunisten Moritz Wesp, die oft tastenden Singlenote-Phrasen auf dem Piano oder die wuchtige Akkordschichtungen in den Bässen, die sparsam antwortenden Akkordeinwürfe von Nico Hering, die exzellenten Bass-Soli von Bastian Weinig mit den überraschenden Harmoniefolgen oder seine straighte Begleitung und das flexible sowie eher unauffällig stützende Schlagzeugspiel von Florian Schwappacher können mitreißen. Empfehlenswerter Anspieltitel ist „Sonntag“. Die CD mit dem Titel „Tauchgang“ wurde im Mainzer Studio Klangraum technisch vorzüglich aufgenommen und abgemischt.

 

(km)

 

 

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