Leszek Kulakowski - Code Numbers

10.10.2013 13:29 von jazz (Kommentare: 0)

 


(Music Vox Records, Vertrieb: Fonografika, Polska)


Kein polnischer Pianist, auch wenn er sich wesentlich im Jazz-Metier betätigt, kommt ohne „Fryderyk“ Chopin aus. So hörte ich auch erstmals (von) Leszek Kulakowski. Er nahm mit eigenem Jazz-Trio und dem Kammerorchester der nordpolnischen Stadt Slupsk 1994 "live" die CD "Chopin And Other Songs" auf. Ein Stück dieser Compact-Disc ist mit "Preludium C" betitelt. Es handelt sich hierbei um das – beispielsweise auch vom französischen Geiger Jean-Luc Ponty verjazzte - Prélude Nr. 20 in c-moll, welches Kulakowski auf dem Klavier mit regentropfenden Tonrepetitionen beginnt, um dann immer mehr volle Orchesterkraft hinzuzufügen. Auch andere gecoverte Chopin-Werke erinnern an das progressive Power-Play eines Stan Kenton. Der seelenvolle und lyrische Chopin wurde hier zum musikalischen Kraftprotz mutiert. 


Jetzt brachte eine CD heraus, die doch sehr viele filigrane Impressionismen beinhaltet: „Code Numbers“. Eine Leserabstimmung der in Warschau erscheinenden Zeitschrift „Jazz Forum“ setzte 2010 diese Platte in der Rubrik „Album des Jahres“ auf Platz zwei. Gemäß des Plattentitels heißen die Titel kryptisch „52552“, „7777“ oder „55255“. Kulakowski greift transparent in die Tasten und auch behutsam in das Flügelinnere. Eine klangfarbliche Abrundung (und nicht mehr!) schaffen Krzysztof Gradziuk am Schlagzeug und Piotr Kulakowski am Bass. „Free IV“ nennt sich der Opener und „Free I“ das Finalstück – und da meint man jeweils, das Meeresrauschen der von Kulakowskis Heimatort Slupsk (Stolp) 20 Kilometer entfernten Ostsee herauszuhören.


Wenn der auch als Klavierpädagoge tätige Leszek Kulakowski ganz eigene Theorien über die Gesetzmäßigkeiten seines Spiels haben mag, rein klanglich strahlt die Musik von seinem so genannten „Ensemble piccolo“ überwiegend Ruhe und Wohlbehagen aus. Keine normierte Funktionalharmonik zwar, aber tonale Zentren. Meist agogischer Gestus und getragene Tempi, kaum Motorik und „drive“.

 

(haku)

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