Gee Hye Lee - Geenius monday

10.10.2013 13:09 von jazz (Kommentare: 0)

 


HGBS 20014 CD

Wenn die Rede auf die Pianistin Gee Hye Lee kommt gerät selbst Vincent Klink, der wortgewaltige Satiriker, Sterne-Koch und vorzügliche Jazzer mit der Basstrompete, ins Schwärmen. „Sie ist eine schöne Exotin und bedient die Tasten, als wäre sie unmittelbar aus Harlem oder Brooklyn in diese „Kiste“ gehüpft“, schreibt er im Booklet zu Lee´s Erstlings-CD „Geenius Monday“. Die Kiste ist in diesem Fall ein Stuttgarter Jazzclub, in dem die Künstlerin aus Korea montäglich Musiker aus der Stadt und Umgebung zum Spielen einlädt. Dabei bilden sich Formationen, die zumindest im weiten Feld des Mainstreams keine internationalen Vergleiche zu scheuen brauchen. Dem organisatorischen Talent und der Führungsqualität der inzwischen schwäbelnden Exotin ist es zu verdanken, dass nun eine CD mit 14 Titeln und ebenso vielen unterschiedlichen Formationen swingend und groovend dokumentiert, dass die Schwabenmetropole eine lebendige und kreative Jazzszene aufweist. 


Gee Hye Lee als Dreh- und Angelpunkt dieses Ereignisses drängt sich nie in den Vordergrund, spielt sensibel angepasst mal perlend und leicht beschwingt, bei anderen Gelegenheiten mit sparsam eingesetzten Akkordeinwürfen oder Blockakkordschichtungen. Zu hören sind swingende Up-Tempo-Stücke wie „Memories“, sanfte Balladen wie der „Love Song“ des Trompeters Herbert Joos, die „Hohlwelt“ mit einem auch in den Höhen weichen Flügelhornsolo Martin Auers, das sich zu schnellen und rauen Stakkati steigert, die von Akkordakzenten auf dem Piano gegliedert werden, das expressive Saxophon-Stück „E.H.E.“ oder „My heart“ mit der Sängerin Fola Dada, leichtem Rap- sowie Bass & Drums-Touch und einem rockigen, glissandierenden Gitarrenlauf.

38 Sängerinnen und Musiker decken ein breites stilistisches Spektrum ab. Sie bleiben stets der Tradition verbunden, ohne auf erfrischende zeitgemäße Einflüsse zu verzichten. Auch wenn das Wortspiel „Gee-nius monday“ mit dem Hinweis auf Gee Hye Lee die üblichen Markting-Übertreibung sein mag, so zeugt die CD dennoch von der Kompetenz der Koreanerin als Pianistin und Bandleaderin sowie von der Qualität der Musiker, unter denen sich immerhin acht baden-württembergische Jazzpreisträger befinden. Die im traditionsreichen Studio von Brunner-Schwer produzierte Aufnahme birgt zwar keine Überraschungen, macht aber Lust, die Montags-Sessions der Pianistin zu besuchen.

 

(km)

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