Faustino, Roder, Eberhard, Neuser - 50

10.10.2013 12:30 von jazz (Kommentare: 0)

 



JACC Records 005


Sie haben ihre Wurzeln im Bebop, ihre improvisatorische Liebe zieht sie jedoch mehr in die Gefilde des freien Jazz. Der seit 2000 in Berlin lebende portugiesische Schlagzeuger Rui Faustino hat in der Altsaxofonistin und Bassklarinettistin Silke Eberhard, dem Bassisten Jan Roder und dem Trompeter Nikolaus Neuser drei Partner gefunden, die mit ihm vorzüglich, traumhaft sicher kommunizieren und sich in den Soli in ein Konzept einfügen, das die wilden Zeiten des Free-Jazz aus der Mitte der 60er Jahre assoziiert. Das Quartett mit seinem Patchwork-Jazz kann sich kammermusikalisch, lyrisch und leise, aber auch ekstatisch aufbegehrend und laut ausdrücken. 


Für die erstere Impression steht „Cancao da chuva“ mit teils harmonischen, teils geräuschhaften Passagen der Bläser und des Bassisten. Schwebende, nahezu hymnische Klänge werden vom gestrichenen Kontrabass unterlegt und durch das Schlagzeug strukturiert. Für die Expression typisch ist „Zero, Zero“ mit einem zweistimmigen Duo von Neuser und Eberhard, dem Ruf-Antwort-Spiel der Bläser, wilden Altsaxofon-Ausbrüchen und einem groovenden Schlagzeug. Harte Dynamik-Sprünge sorgen für Spannung und Tempo. Die Musik ist gleichermaßen abgeklärt und spontan drängend. Das abschließende „Freies Bier“ lässt die erste Minuten lautlos verstreichen, gefolgt von einem kurzen Bass-Perkussions-Duo, leichtem Bläser-Touch und einem diabolischen Gelächter. Demonstrativer Unernst.

Natürlich haben Musiker wie der Pianist Alexander von Schlippenbach das Bett für den Free Jazz in Berlin bereitet, doch kleine Formationen wie Eberhards Quartett „Elevator Music“ oder hier die freie Improvisationsgruppe Faustino-Roder-Eberhard-Neuser halten sie auch in der jüngeren Generation am Leben. Die Berliner Free-Jazz-Szene bleibt kreativ. Es lohnt sich, hinzuhören.

 

(km)

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