Ernie Watts Quartet - Oasis

10.10.2013 14:21 von jazz (Kommentare: 0)

 



Laika 3510279.2


Ernie Watts hat stilistisch nahezu alle Epochen des Jazz nachvollzogen und in sein Spiel integriert. Wie in seinem amerikanischen ist Watts zentrale Figur auch in seinem langjährigen europäischen Quartett, mit dem Pianisten Christof Sänger, dem Bassisten Rudi Engel und dem Schlagzeuger Heinrich Koebberling. „Musik ist die Oase, in der der Saxophonist Erne Watts lebt“, heißt es im Pressetext. Und „Oasis“ ist der Titel der CD des Quartetts, die einen vorzüglichen Eindruck von der Reife und der Souveränität des 68jährigen Musiker gibt. Kongeniale und einfühlsame Partner sind ihm dabei die jungen deutschen Kollegen sowohl den den eruptiven Hardbop-Stücken wie in den emotionalen Balladen.
 

Mit der Eleganz und Kraft des Meisters zeigt Watts einerseits mit warmem Ton und in weit geschwungenen kantablen Linien ein angeborenes Feeling für Balladen, in den schnellen, leicht überblasenen Stakkato-Läufen die Emotionalität und Spiritualität eines John Coltrane. Faszinierend ist sei aufgerautes Finale in „Blackbird“ – ganz abgesehen davon, dass man die Beatles-Komposition wohl noch nie so spannungsgeladen gehört hat.
Rudi Engel ist ein verlässlicher Begleiter auf dem Kontrabass, aber auch, wie seine langen Soli in „Konbanwa“ oder in „BassGeige“ belegen, ein einfallsreicher Solist mit verzwickten harmonischen Wendungen und Verzierungen. Pulsierend fordert Koebberling in der ausgedehnten Intro zu „Oasis“ den Saxophon-Meister in einem Duo heraus und Christof Sänger zeigt sich bei seinem mal drängenden, repetitiven Spiel und den schnellen Läufen ebenso wie bei seinen relaxt fließenden Linien als ebenbürtiger Partner. Blendend ist Sängers energiegeladene Samba-Komposition „Palmito“, in dem er Watts zu intensiven Stakkati herausfordert. Im abschließenden, mitreißenden „Shaw Nuff“ belegt das Quartett neben den solistischen Leistungen, dass seine Mitglieder auch zu virtuosen Interaktionen fähig sind. Ein Glück dass Musiker wie Ernie Watts und seine jungen Kollegen solche Oasen als musikalische Jungbrunnen nutzen.

 

(km)

Zurück