Christof Sänger Trio - Jazzsession Offenbach

10.10.2013 12:21 von jazz (Kommentare: 0)

 


Musikhaus André , Katalog-Nummer 1111


Dass Pianist Christof Sänger sich Art Tatum zum Vorbild auserkoren hat, verraten seine brillante Technik und sein kultivierter Anschlag, den der Wiesbadener Pianist auch in den für ihn typischen energetischen, präzisen und rasanten Läufen pflegt. Free-Jazz ist zwar nicht sein Ding, doch auch im breiten Mainstream lässt sich Sänger nicht eindeutig einordnen. Das hat nichts mit Beliebigkeit zu tun, sondern mit bravouröser Sicherheit über Stilgrenzen hinweg. 

 

Noch das Spiel seiner CD „Reflections on Art Tatum“ im Ohr, überraschen der Pianist und sein Trio mit jazzkompatiblen Arrangements von Kompositionen der Klassiker Mozart und Chopin sowie Interpretationen von Standards wie Gershwins „The man I love“ und Body & Soul“. Nach einer eigenwilligen Solo-Einleitung von Arlen´s „Over the rainbow“, in der Sängers faszinierende Technik mit Verschleppungen, aber auch flüssig-perlenden Notenketten, Tempo- und Stimmungswechseln aufhören lassen, fallen Rudi Engel mit trockenen und harmonisch eleganten Läufen auf dem Kontrabass sowie Kay Lübke mit seinem dezent stützenden Schlagzeugspiel ein. Beachtenswert ist sein fantasievolles Schlagwerksolo in „Poinciana“. Chopins „Prelude e-Moll“ und Mozarts „Vogelfänger“ werden auf den harmonischen Kern reduziert und swingend transformiert. Dabei erhält Engel auch in der Chopin-Bearbeitung Gelegenheit für ein ausschweifendes Solo mit verzweigten harmonischen Variationen. 

 

Auf der CD sind Stücke aus zwei Hofkonzerten des Musikverlags André und Offenbach vereint, die live auf der Hofbühne in Offenbach mitgeschnitten wurden. Mozart deshalb, weil der Offenbacher Musikverlag 1799 den gesamten handschriftlichen Nachlass Mozarts aufgekauft hatte. Zum 250 Geburtstag des Komponisten gewann der Musikverlag 2006 das Sänger-Trio für ein Konzert mit Mozart-Adaptionen sowie drei Jahre später erneut für ein weiteres „Jazztrio spielt Klassik bis Standards“. 

 

Mit falscher Bescheidenheit bezeichnet Christof Sänger die Aufnahmen als Experiment, denn die Arrangements heben sich wohltuend frisch und unverkrampft von vielen Jazz-Klassik-Symbiosen ab. Beispielhaft soll die Piano-Einleitung und das anschließende swingende Trio-Spiel der Mozart-Komposition mit den rasanten Piano-Läufen und dem straight marschierenden Bass (mit einer überraschenden harmonischen Verzierung) genannt werden. Hier ist einem technisch virtuosen und inspirierten Trio eine mitreißende Aufnahmen gelungen.

 

Die CD ist über Musikhaus und Verlag André Offenbach zu bekommen. Infos auf www.jazzsession-offenbach.info

 

(km)

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