Just Music 2012 - Interview mit Raimund Knösche

28.01.2012 15:06 von jazz (Kommentare: 0)

 

 

Just Music Internationales Jazzfestival Wiesbaden 2012

 

 

Just Music, das internationale Jazzfestival in Wiesbaden findet 2012 in der 7. Ausgabe statt, wie erstmals 2011 früh im Jahr vom 24. bis 25. Februar. Organisiert wird Just Music von „Jazzarchitekt“ Raimund Knösche und dem Pianisten Uwe Oberg und es ist ein cleverer Schachzug der Veranstalter, das Festival so früh ins Jahr zu legen, hält man sich damit doch aus den Festival-Stürmen des Sommers und Herbstes heraus und offeriert dem jazzhungrigen Jazzvolk mit die ersten delikaten Jazzfestival-Häppchen der Saison.

 

Einheimische Gewächse, wie Sebastian Gramss und Pablo Held aus der just wieder erstarkenden Kölner Szene. „ Monk's Casino“ mit einem weisen alten Mann am Klavier - Alexander Schlippenbach - der die jüngere Berliner Avantgarde inklusive des aktuellen SWR-Jazzpreisträgers Rudi Mahall um sich schart um sich einer zwischen Ironie und Respekt hochschaukelnden Hommage an das Werk Thelonious Monks zu widmen. Avantgarde Urgesteine wie Keith Tippet mit Julie Tippets; der mit beiden Händen eigenständig in der Improvisationsmusik wühlende Uwe Oberg solo am Klavier und das stets zum Spielen aufgelegte und spielfreudige Ensemble „Mostly other People do the Killing“.

 

Nur wenige Festivals in Deutschland setzen derart konsequent auf die Avantgarde des nationalen und internationalen Jazz, ohne Rückgriff auf die bei Festivals mittlerweile so beliebt geworden „Aussetzer“ aus Mainstream- oder gar Pop-Gefilden.  Das Resultat: ein profilscharfes Festival aktueller improvisierter Musik.

 



Raimund Knösche im Kurz-Interview mit metropoljazz.de

 

Raimund Knösche
Just Music im 8. Jahr mit dem siebten Festival: ein „Verflixtes“?

 

Den Eindruck habe ich nicht. Wir haben uns tatsächlich allen Widrigkeiten zum Trotz etabliert, durch die Verlegung des Termins einen größeren Publikumszuspruch erfahren, der Pressefokus während der letzten Ausgabe war intensiver und für die diesjährige Ausgabe konnten weitere Sponsoren gewonnen werden. Tendenz steigend also. Und: es gibt in der Tat mittlerweile auch ein Stammpublikum

 

Wie würdest du den künstlerischen Anspruch des Festivals formulieren?

 

„Profilscharfes Festival aktueller improvisierter Musik“ trifft es auf den Punkt. Wir wollen nach wie vor keinen „Gemischtwarenladen“, wo dann für jeden Geschmack etwas dabei ist, sondern sagen: Wir sind ein Feinkostladen für Spezialitäten!

 

Was sind eure Kriterien bei der Auswahl der Künstler für Just Music?

 

Es gibt keinen konkreten Kriterienkatalog, wir gehen sehr intuitiv vor, haben persönliche Vorlieben, offene Ohren und viele Ideen, hecheln aber keinen Trends hinterher. Mal sind wir durchaus in der Lage Brandneues zu präsentieren, aber ebenso setzten wir auf Bewährtes oder lange nicht mehr Gehörtes. Zwangsläufig fällt der eine oder andere Wunsch aus finanziellen oder terminlichen Gründen aus, aber wir sind, denke ich vor allem eins: nicht: dogmatisch.

 

Anders herum gefragt: Gibt es auch Ausschlusskriterien?

 

Ja, ganz einfach, wenn uns das, was uns zum Hören angeboten wird, schlichtweg nicht gefällt und nicht unserem hohen musikalischen Anspruch gerecht wird; die Musik sollte schon einen Hauch von Risiko in sich bergen.

 

 

Wie siehst du die Rolle von Just Music in der Festivalszene allgemein und in Bezug auf die regionale Szene?

 

Wir bieten in der Nische Jazz eine Nische für den besonderen Jazz im gesamten angesprochen Raum und sind da in jedem Fall einen Bereicherung. Programmatisch vergleichbar vielleicht mit den Festivals in Nickeldorf oder Wels.

 

 

Just Music firmiert unter „Internationales Jazzfestival“ und setzt doch auch ganz deutlich auf Musiker aus Deutschland - wie schätzt du die deutschen Jazzszene ein? Welche Rolle spielt sie international gesehen, siehst du in der deutschen Jazzszene besondere Aspekte, die auch bei Just Music dargestellt werden sollen?

 

Zurzeit wird ja nahezu wöchentlich ein neues Fass aufgemacht mit der Fragestellung „Wo steht der deutsche Jazz?“, was zum Teil zu sehr gereizten Darstellungen und Gegendarstellungen in den unterschiedlichsten Presseorganen führt.

Ich persönlich halte diese ganzen Diskussionen für überflüssig, weil es nicht darauf ankommt wer wann wo wie steht, sondern was für Impulse von der aktuellen Jazzszene, sprich den Musikern und der Musik, die sie MACHEN, ausgehen.

Meiner Ansicht nach ist Jazz schon lange kein amerikanisches Sonderphänomen mehr, was er ja lange Zeit war, sondern die internationale Szene hat sich so verdichtet, dass sich erfreulicherweise gegenseitige Durchmischungen nahezu von selbst ergeben.


Und im Übrigen weiß ich gar nicht, was das soll, ständig herausfinden zu wollen oder müssen, was das Spezifische an der deutschen Jazzszene sei. Ich behaupte mal es gibt in allen Regionen - ich spreche hier mal ganz bewusst nicht von Ländern - kulturelle Besonderheiten, die ihren Eingang in den Jazz finden, und damit ist JAZZ per se international. Wer da wo welchen Einfluss hat, ist das wirklich wichtig?

 

Es fällt auf, dass Just Music auch einen Brückenschlag zwischen den Generation im Bereich der Improvisierten Musik schlägt. Am ersten Abend mit dem Duo Julie Tippetts und Keith Tippett und am zweiten mit „Monk's Casino“ - hat sich das so ergeben oder ist das eine bewusste Planung?

 

Das hat sich so ergeben, Monk’s Casino war gewissermaßen schon gesetzt und die Tippetts waren auf der Wunschliste. Im Grunde ist das der nächste Wesenzug des Jazz, dass sich schon immer Musiker aller Generationen treffen.

 

Das diesjährige Festival beginnt gleich mit einem besonders reizvollem Experiment: Zwei Trio-Formationen spielen gleichzeitig auf der Bühne - Ein Projekt des Bassisten Sebastian Gramss. Was hat es damit auf sich?

 

Sicher beantworten lässt sich das erst am Ende des Konzerts, hier kommt die Risikofreude ins Spiel!

 

Sebastian Gramss ist bei Just Music besonders präsent. Er tritt als Initiator von „Makropolyphonie“ auf, leitet einen Jazz-Ensemble Workshop am 2. Festivaltag und präsentiert die Ergebnisse gleich als Opener des zweiten Festivalabends. Repräsentiert ein Musiker wie Gramss speziell die Ausrichtung des Festivals?

 

Ja, ich denke schon. Er ist als Freigeist unermüdlich im Forschen nach neuen Klängen und durchaus traditionsbewusst. Aber diese Präsenz  hat einen einfachen Hintergrund, dass wir nämlich immer einen „Just Musiker“  für unseren Ensemble-Workshop verpflichten und die Ergebnisse des selbigen dann auch präsentieren.

 

 

Wie sieht die Zukunft aus? Plant man als Festivalmacher schon fürs Jahr 2013 oder ist die Entscheidung weiter zu machen abhängig vom Erfolg in diesem Jahr?

 

Konkret haben wir erst mal noch reichlich mit der diesjährigen Ausgabe zu tun, insofern ist noch nichts geplant  für 2013, außer dem Wunsch, es dann auch wieder stattfinden lassen zu dürfen!

 

 

 

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