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Zurück   Jazz-Talk das Jazzforum der Jazzpages > Jazz-Talk > Allgemeiner Jazz-Talk
Seite neu laden Brötzmann-Konzert
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Allgemeiner Jazz-Talk Hier geht's querbeet um alles was mit Jazz auch nur im entferntesten zu tun hat...

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  #1  
Alt 13.09.2000
cosmo cosmo ist offline
 
Registriert seit: 01.01.1970
Ort: Lübeck, Schleswig-Holstein, Norddeutschland!.
Beiträge: 280
Standard Brötzmann-Konzert

Morgen spielt Peter Brötzmann hier in Lübeck, begleitet wird er von Shoji Hano (drums und Keija Haino (Gitarre, Stimme), kennt einer von euch dieses Trio, ist es zu empfehlen? Die einzigen Aufnahmen, die ich von Brötzmann besitze sind:
CousCous de la Mauresque - genial
RAF - Ode To A Tracktor - mieß
Also weiß ich ehrlich nicht weiter :-(
cosmo

NP: Enrico Rava Quartet - Enrico Rava Quartet, ziemlich schön, mit Aldo Romano uns J.F. Jenny-Clarke.
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cosmo
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  #2  
Alt 14.09.2000
cosmo cosmo ist offline
 
Registriert seit: 01.01.1970
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Beiträge: 280
Standard RE: Brötzmann-Konzert

Tja, da mir niemand antwortet, gehe ich eben hin!!!!!!!!!!
cosmo
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cosmo
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  #3  
Alt 14.09.2000
Benutzerbild von schindelbeck
schindelbeck schindelbeck ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 12.01.2008
Ort: Neckarsteinach bei Heidelberg
Beiträge: 1.646
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Standard RE: Brötzmann-Konzert

>Tja, da mir niemand antwortet, gehe
>ich eben hin!!!!!!!!!!

Ist ein guter Grund ;-)

Ich würde auch hingehen - an deiner Stelle schon alleine deshalb, weil du ihn noch nicht live gehört hast. Und eine bessere Möglichkeit dir ein Urteil zu bilden gibt's ja kaum.
Abgesehen davon ist es wahrscheinlich auch ein bezahlbares Konzert ;-)!?!

Du wirst berichten ?

Gruss,

Frank
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schindelbeck
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  #4  
Alt 15.09.2000
cosmo cosmo ist offline
 
Registriert seit: 01.01.1970
Ort: Lübeck, Schleswig-Holstein, Norddeutschland!.
Beiträge: 280
Standard RE: Brötzmann-Konzert


>Ich würde auch hingehen - an
>deiner Stelle schon alleine deshalb,
>weil du ihn noch nicht
>live gehört hast. Und eine
>bessere Möglichkeit dir ein Urteil
>zu bilden gibt's ja kaum.



Ich war da, ES WAR GENIAL!!!!!!!
Ausführiocher Bericht folgt.



>Abgesehen davon ist es wahrscheinlich auch
>ein bezahlbares Konzert ;-)!?!



Tja, mit einigen Tricks mußte ich nur die Hälfte bezahlen, 13 DM von 26, und wie schon beim Richie Beiach Konzert war das Preis/Leistungs-Verhältniss in positiver Weise ungerechtfertigt!
cosmo
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  #5  
Alt 15.09.2000
Nils Nils ist offline
 
Registriert seit: 01.01.1970
Ort: .
Beiträge: 206
Standard RE: Brötzmann-Konzert

habe mir schon vor jahren vorgenommmen, brötzmann einmal live zu sehen. er spielt gelegentlich in der fabrik in hamburg (selten aber immerhin), kann mich auch an ein weihnachtskonzert in einem hamburger club erinnern...
leider ist bisher immer nichts draus geworden.
insofern bin ich mal gespannt auf deinen konzertbericht...

gruß

nils
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Nils
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  #6  
Alt 15.09.2000
cosmo cosmo ist offline
 
Registriert seit: 01.01.1970
Ort: Lübeck, Schleswig-Holstein, Norddeutschland!.
Beiträge: 280
Standard RE: Brötzmann-Konzertbericht

Also, hier ist der Konzertbericht vom Konzert.
Das Konzert fand im Werkhof statt, einem Zentrum für Körnerfresser und Leggins-Träger (jaja, fies, ich weiß). Es sollte um 21.00 Uhr beginnen, also bin ich pünktlich hin und hab mir eine Karte gekauft, die allerdings nicht eingerissen wurde, was mich auf eine ziemlich gute Idee bracht. Ich ging ein paarmal aus und ein und unterhielt mich ein bißchen mit dem Typen am Entfang, bis er mich kannte und ich die Karte nicht mehr vorzeigen mußte. Dann hab ich meine Karte einem Freund gegeben, der draußen wartete, bin reingegangen, ohne die Karte herzuzeigen und er ist dann mit meiner Karte rein. Das ganze dann nochmal mit dem zweiten Begleiter, und -swubbs- mußte ich nur noch 8DM bezahlen. Das ist vielleicht nicht ganz fair den Musikern gegenüber, aber Geld ist Geld.
Um 21.15 fingen sie dann an zu spielen, erstaunlich pünktlich. "Sie", das waren Peter Brötzmann (Sax, Klarinette und nochwas), Caspar Brötzmann (Gitarre), und Soji Hano (drums). Das Konzert war von Anfang an der absolute Wahnsinn, ich bin beinahe Weggeflogen, so cool (und laut) war es. Alles war reine Improvisation, Brötzmann Senior zelebrierte sein berühmtes Power-Play, mit einem absolut wahnsinnigen Ton, der mir vorher noch nie aufgefallen war, ein unglaublich mächtiger, forderner Ton, der besonders auf der Klarinette gut zur Geltung kam, denn die spielte er wirklich so mächtig, dass sie wie ein Tenorsax klang. Als er dann ein ca. 10 Minütiges Klarinetten (oder Oboen??) Solo hatte, am Anfang eines Stückes, bin ich beinahe ausgeflippt! Er spielte so unglaublich schnell und dabei klar und mit mächtigem Ton, dass er sich alleine wie 2 Spieler anhörte. Brötzmann junior würde ich als Gitarristen irgentwo zwischen Hendrix und Derek Bailey einordnen. Da die Musik weder an Harmonik und Rhythmik, geschweige denn am Melodik gebunden war, spielte er natürlich keine Akkorde oder sonstwas banales (;-)), sondern benuzte die E-Gitarre als Medium zum erzeugen der verschiedendsten Geräusche. Das konnte sich wie eine Trummel anhören, wie ein Wasserfall oder ein Verkehrsunfall, toll!!!! Selbst das brummen des Verstärkers bezog er in sein Spiel mit ein. Mit seiner liebe zum Hall-Pedal gab er der Musik eine unglaubliche Dichtheit, all das ohne in Sinnloses Geschrammel abzschweifen. Dann war da noch der Schlagzeuger, und was für einer!!! Soji (oder Shoji) Hano, den Namen sollte man sich merken, Er war derjenige von den 3 Musikern, der am meißten IN der Musik drin war, seine Grimassen waren zeitweise wirklich dämonisch. Ich glaube ich hab noch nie einen so schnellen Schlagzeuger erlebt, da -wie gesagt- kein Bezug auf den Beat bestand, wurde das Schlagzeun natürlich zum vollwertigen Mittinstrument, gleichberechtigt gegenüber den anderen Instrumenten. Deshalm konnte Hano auch die Vielfalt an Klängen, die man auf dem Schlagzeug erzeugen kann voll einsetzen, und zwar so gut, wie ich es noch nie gehört habe! Sein Solo schließlich war DER Höhepunkt des Konzertes, er hielt einen stetigen Rhythzmusteppich auf der ungedämpften (hallenden) Bassdrum, auf der Hi-Hat und auf der Standtom. Dazu improvisierte er in einem Affenzahn auf den anderen Trommeln, wobei er die ganze Palette seines beachtlichen Könnens Zeigte.
Auf der Bühne spielter also 3 Individuallisten zusammen, aber trotzdem war Peter B. (der grummelige Hindenburg, wie ihn einer meiner Begleiter nannte) ganz klar der Leader der Gruppe. Er führte die Musiker in den Kollektivimprovisationen an und verstand es ausgezeichnet, nicht nur die Spannung zu halten, sondern sie auch bis zum Ende immer mehr zu steigern. Überhaupt hatte das ganze Konzert über seine gesammten 2,5 Stunden eine geradezu unglaubliche Energie. In dem Umstand, das diese die ganze Zeitlang gehalten wurde, offenbart sich die Klasse der Musiker!
Es war bestimmt kein leichter Stoff, und selbst meinem auf Heavy-Metall stehenden Begleiter war es etwas zu chaotisch und wild (nur im Musikalischem Sinne ;-)) was wieder zeigte wie vielseitig der Jazz ist, und wieviel mehr man als geschulter Jazzhörer aus einer Musik "heraushören" kann.
Ich hab mal einen Artikel gelesen, in dem stand, dass Brötzmanns Musik nicht mehr Zeitgemäß ist, dass er die Entwicklung versäumt hat und immer noch in seinem Elfenbeinturm steckt, alles Quatsch!! Denn diese Musik ist absolut zeitlos und IMMER modern, denn sie ist Improvisation, Energie, Spontanität, Überraschung und vor allem Gefühl! Wer z.B. Soji Hano beobachtet hat, wärend er mit lustverzerrtem Gesicht seine wilden Trommelzaubereien zelebrierte, der wird feststellen, das die ganze Frage nach der Modernität dieser Musik völliger Blödsinn ist, Denn wenn eine Musik eine solche Hingabe erreicht und auch verlangt, dann ist diese Frage gar nicht mehr stellbar!
Also, wer ein hörerfahrenes Gehör hat, das einige Dezibell aushällt und wer außergewöhnliche Musikalische Ereignisse schätzt, der sollte unbedingt zu einem der Konzerte des Trios gehen! Wer allerdings eher traditionell veranlagt ist, und eine (wohl verständliche) Aversion gegen allzu freie Musik hat, dem verüble ich auch nicht, dass er nicht dort hingeht.(Auch wenn es ganz schön blöd wäre ;-))
cosmo



P.S.
Wupps, ist etwas lang geworden...
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  #7  
Alt 15.09.2000
Nils Nils ist offline
 
Registriert seit: 01.01.1970
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Beiträge: 206
Standard RE: Brötzmann-Konzertbericht

hi cosmo,
vielen dank für deinen bericht. liest sich ja ziemlich spannend. also über eure mogeleien mit den karten kann man sicherlich streiten. es ist schon unfair, wenn man an die musiker denkt, als konzertgänger hätte ich mir diesen spass vielleicht aber auch erlaubt. ich denke schon, dass frei und spontan improvisierte musik zeitlos ist, kann mich in der regel auf einiges einstellen. allerdings reagiere ich allergisch auf lautstärke. das wäre wahrscheinlich mein einziges problem in diesem konzert gewesen. die überschreitung einer gewissen lautstärke - und da mag die musik noch so gut sein - macht mich schnell aggressiv...das ist aber ein ganz persönliches problem. brötzmann rein akustisch wäre mir wohl lieber gewesen.
du hast recht: brötzmann bläst die klarinette sehr mächtig und oft mit fettem ton. das ist auch sehr gut auf seinen solo-platten zu hören.
suche immer noch die solo scheibe "14 love poems" auf fmp..erscheint ja möglicherweise demnächst.
kennst du übrigens seine experiment im wald. es gibt ne platte die heisst glaube ich "bird calls" habe ich zwar nie gehört, bildet aber sicherlich einen kontrast zur musik seines aktuellen trios.
spannend fand ich übrigens einen tv-mitschnitt von "last exit" (brötzmann, sonny sharrock, shannon jackson"). war bestimmt mörderlaut, aber man kann den fernseher natürlich leiser drehen. brötzmann spielte bass-saxophon, hatte ich vorher nie gesehen....absolutes powerplay auf dem riesenhorn...

okay das wars für diese woche..

ein schönes wochenende
wünscht
nils
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Nils
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  #8  
Alt 16.09.2000
cosmo cosmo ist offline
 
Registriert seit: 01.01.1970
Ort: Lübeck, Schleswig-Holstein, Norddeutschland!.
Beiträge: 280
Standard RE: Brötzmann-Konzertbericht

also
>über eure mogeleien mit den
>karten kann man sicherlich streiten.
>es ist schon unfair, wenn
>man an die musiker denkt,
>als konzertgänger hätte ich mir
>diesen spass vielleicht aber auch
>erlaubt.


Naja, Astrein fand ich die Aktion ja auch nicht, aber da bei der Vorankündigung des Konzertes als Preis 16DM angegeben war, und ich mit diesem günstigen Preis mit mühe und Not ein Paar Begleiter zum Mitkommen überreden konnte, waren sie nicht bereit, die 26 DM zu zahlen. Da aber ein Konzertbesuch alleine meißt langweilig ist, da man sich hinterher mit niemandem über die Musik unterhalten kann, verfiel ich eben auf den bewußten Karten-Trick. Das heißt natürlich nicht, dass mir die Musik nicht den vollen Preis wert gewesen ist. Ich hätte auch das doppelte bezahlt! Aber es ist doch bezeichnend, das das PB-Konzert so billig war, wären man für 1,25 Stunden Metheny/Brecker das dreifache hinblättern mußte, obwohl sich die Musik (IMHO) auf einem nicht im geringsten so hohen virtuosen Raum abspielt. Das läßt allerdings meine Achtung vor Brötzmann noch steigen, denn es besagt ja, dass er immer nur das gemacht hat, was er auch wirklich wollte, auch wenn er sich damit die Aussicht auf das großte Geld und einen sehr viel höheren Bekanntheitsgrad verbaut hat. Meine Anerkennung!


>allerdings reagiere ich allergisch auf
>lautstärke. das wäre wahrscheinlich mein
>einziges problem in diesem konzert
>gewesen. die überschreitung einer gewissen
>lautstärke - und da mag
>die musik noch so gut
>sein - macht mich schnell
>aggressiv...das ist aber ein ganz
>persönliches problem.

Naja, ich bin eh schon schwerhörig ;-), aber wirklich, wäre die Musik leiser gewesen, wäre sie nicht so gut gewesen! Manche Musik muß einfach LAUT sein, sonst kommt sie einfach nicht gut! Und wenn ich es mir recht überlege: Sooo laut war es eigentlich garnicht. Wenigstens hatte ich nicht noch 2 Tage ein Fiepen im Ohr, wie nach Brainkiller (Heavy-Metall-Punk-Noiscore-Psycadelic-Band) ;-)


brötzmann rein akustisch
>wäre mir wohl lieber gewesen.

Wenn du das Konzert gehört hättest, wärst du anderer Meinung!!!


...das ist
>auch sehr gut auf seinen
>solo-platten zu hören.
>suche immer noch die solo scheibe
>"14 love poems" auf fmp..erscheint
>ja möglicherweise demnächst.

Seine beste Solo-Platte soll ja "No Nothing" sein, von 1990.


>kennst du übrigens seine experiment im
>wald. es gibt eine platte
>die heisst, glaube ich "bird
>calls" habe ich zwar nie
>gehört, bildet aber sicherlich einen
>kontrast zur musik seines aktuellen
>trios.

Brötzmann bläßt, uns alle Tiere fliehen.... ;-))


>spannend fand ich übrigens einen tv-mitschnitt
>von "last exit" (brötzmann, sonny
>sharrock, shannon jackson"). war bestimmt
>mörderlaut, aber man kann den
>fernseher natürlich leiser drehen.


Last Exit ist ganz cool, wenn auch manchmal recht oberflächlich. Meine "RAF" Scheibe, ist in einem ähnlichem Stil eingespielt, und vo, Drummer Jackson hab ich noch die Platte "Red Warrior", die nach dem ersten Stück merklich nachläßt. Trotzdem, knazige Hau-Drauf-Musik für die Feng-Shui-Säuberungszeit. ;-)


brötzmann
>spielte bass-saxophon, hatte ich vorher
>nie gesehen....absolutes powerplay auf dem
>riesenhorn...

Ich kenne einen Konzertmittschnitt von Anthony Braxton, wo er Kontrabasssaxophon spielt, crass...


cosmo
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