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Jazz-Talk das Jazzforum der Jazzpages  

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Seite neu laden Wandel von Ragtime in den Jazz
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  #1  
Alt 10.03.2005
Dosch Dosch ist offline
 
Registriert seit: 08.12.2004
Ort: Bern, Bern, Scheiz.
Beiträge: 2
Standard Wandel von Ragtime in den Jazz

<font size="1"> <font color="#000000"> LETZTE BEARBEITUNG am: Mar-10-05 um 16:14Uhr (GMT)</font>


<font size="1"> <font color="#000000"> LETZTE BEARBEITUNG am: Mar-10-05 um 16:13*Uhr (GMT)</font>


Kann mir jemand sagen was in dieser Zeit so gelaufen ist??Ich will für das Schwerpunktfach einen vergleich Ragtime-Swing-Jazz machen und den anhand von Tonbeispielen begründen, nun weiss ich nicht so genau wo ich anfangen soll...ich habe scho einige Ragtime und auch einige Früch-Jazz CD's angehört und kann den unterschied sicher sehr schnell erkennen, aber was in der Harmonielehre und in der Forim des Musikschreibens wirklich abgieng weiss ich noch nicht so genau...Vielleicht weiss ja jamand von euch ein Paar Online-Links oder Bücher, in denen ich etwas finden kann...

Danke
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Dosch
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  #2  
Alt 19.03.2005
twofour twofour ist offline
 
Registriert seit: 01.01.2005
Ort: Berlin, Berlin, BRD.
Beiträge: 69
Standard Hi dosch

<font size="1"> <font color="#000000"> LETZTE BEARBEITUNG am: Mar-19-05 um 22:28Uhr (GMT)</font>


Schön, daß du drangeblieben bist.
Du hast nach Tonbeispielen gefragt, mal sehen, was ich auf die Schnelle so raussuchen kann, wie immer nur Anregungen:

Vorbemerkung:

Ragtime ist eindutig KEIN Jazz, eher eine "klassische vor-Vorform" des Jazz, und wird bis heute - wenn auch viel langsamer als vor 100 Jahren - weiterentwickelt und gespielt.
Moderner sowie alter Ragtime wird heutzutage meist bei großen Veranstaltungen (Wettbewerbe) in USA gespielt, er gilt dort als die "bessere (weil klassizistische, aber nicht-europäische) Volksmusik" - verglichen mit der countrymusic, die als "Jedermannsmusik" neben dem Pop, Rap, elektronischer Musik etc. gespielt wird.
Ragtime ist eine immer noch lebendig gehaltene Tradition in den USA.

Da du wissen willst, wo genau der Übergangspunkt ist, nun, das läßt sich nicht besser als durch reines Vergleichen von Stücken bewerkstelligen, d.h. du müßtest selber raushören, soviel du kannst.
Ein paar (klavierbezogene) Tips kann ich dir natürlich geben.

Zwischen 1915 und 1935 ist das Klavier einer der stärksten Motoren der Jazzentwicklung, da viele Pianisten auch gleichzeitig Bands hatten und für diese komponiert und arrangiert haben.
In jeder Kneipe, Club, Theater und in fast jedem Haushalt stand damals ein Klavier, der frühe Jazzpianist mußte sozusagen oft die ganze Band allein "spielen", d.h. er konnte Baß und Schlagzeug "mit übernehmen".

Ab 1945 baut sich das Piano zugunsten der anderen Instumente wieder etwas zurück, aber behält natürlich seine wichtige Rolle als Entwicklungsmotor des Jazz bis heute bei.
Das heißt jetzt natürlich nicht, daß damals nur Klavier gespielt worden wäre, aber ich beschränke mich hier einfach aufs Klavier.

Die Reihe würde ich erstmal nach nach Musikern ordnen, weniger nach reinen Stilmerkmalen, hauptsächlich bezogen aufs Klavier (immer nur die Musiker, bei denen man die Entwicklungsunterschiede am schönsten hören kann):

... ->
Ragtime (vor 1917)
-------
Joplin (nur Pianorollen), Eubie Blake, Joseph Lamb, James Reese Europe und viele, viele andere) ->

Charakteristik (piano):
bisweilen lyrisch, "klassisch", kein zu schwerer Anschlag, die Sprünge LH: Basston/Bassoktave -> Mittelakkord sind meist nicht größer als ca. 1 - 1,5 Oktaven.
Entsprechend ist auch der Klang der Ragtimebands noch recht "klassisch", mit einem Tonumfang etwa wie bei Militärblaskapellen, wenn auch teils mit peppiger Synkopierung.
Kaum Improvisation, meist wird wie in den Noten gespielt, es gibt zudem sehr wenige Tonaufnahmen.
Teils große Gruppen (bis zu 20 Musiker), fast wie in einer modernen Bigband.
Bandsound ist meist viel schwerfälliger als z.B. der der 20er Jahre (galt damals aber durchaus als "wild").
1-3-Gewichtung (starke Viertel im 4/4-Takt betonter).


Vor-Jazz/Frühjazz (1915 - 1925)
-----------------
Jelly Roll Morton ->

Charakteristik (piano):
verstärkter "drive", komplexere Harmonik und Rhythmik, in Bands spielt das Piano unisono mit dem Kontrabaß, dominiert ihn aber nicht völlig.
Pianist = Arrangeur = Bandleader
Sprünge in der linken Hand (LH) sind etwas schwergewichtiger als im Ragtime.
Die gehen so: Oktave/ single note -> Mittelakkord
Bluesharmonik hält Einzug, Rhythmik ist z.T. sehr stark ("hart") synkopiert.
Mehr Improvisation als beim Rag, und halt Bluestonleiter und blue notes.
Mehr Gesang kommt dazu.

http://www.wright.edu/~martin.maner/morton.html
http://www.midi-classics.com/s/s10146.htm


Frühjazz/Hot Jazz (1925 - 1935)
-----------------
(New Orleans, Harlem N.Y., Baltimore, Kansas City, Chicago)
James P. Johnson, Fats Waller, Willie "The Lion" Smith, Earl Hines, Mary Lou Williams, Art Tatum, Duke Ellington u.v.a.

Charakteristik (piano):
"Stride piano" = sehr virtuoser, dominanter Klavierstil.
Der am schwersten zu lernende Jazzpianostil mit unglaublichem drive, und schwer in der Band zu verwirklichen.
Die Sprünge in der linken Hand sind weiter als im Ragtime (manchmal mehr als 2 Oktaven) und nutzen die volle Dynamik des Pianos aus, das bringt große Möglichkeiten für polyrhythmische Spannung/Entspannung.
Sprünge LH: single note/Dezime -> Mittelakkord
Baß und Schlagzeug sind meist nur "dienstbare Geister", wenn der Pianist "Stride"-Begleitung spielt, die Gruppen sind meist nicht größer als 5 oder 6 Musiker.
Harmonik und Rhytmik sind abermals komplexer als bei Jelly Roll Morton, außerdem komplexe Basslinenführung.
Melodische Figuren der rechten Hand (RH) vermitteln hier die Kontrolle über die "swing"-Wirkung.
Dieser Stil ist - anders als viele meinen - KEIN Ragtime, sondern ein Jazzklavierstil und bei denen, die ihn wirklich gut spielen können, größtenteils improvisiert, während ursprünglicher Ragtime ein hauptsächlich "notenbasierter" Stil ist, der melodisch nicht so sehr "fliegt".
Als "Vater" des "Harlem Stride piano" gilt James P. Johnson.


Hot Jazz/Rhythm/Swing (1930 - 1945)
--------------
Duke Ellington, Count Basie (Benny Goodman, Teddy Wilson, Dorsey Brothers u.v.a.)

Charakteristik (piano):
Begleitstil, wird allmählich weniger baßlastig, "rechthändiger" Klavierstil mit reiner Akkordbegleitung und sehr paßgenauen Figuren.
Immer weniger "Stride"-Begleitung, dafür aber mehr schnelle Läufe der rechten Hand, meist aber sehr sparsam -> Bigband (15 - 40 Musiker)
Das Schlagzeug, Sänger und Bläsergruppe usw. dominieren am Ende den Gesamtsound stärker, siehe große Swing-Bigbands im 2. Weltkrieg.


Das erstmal als kurze Anregung, wenn du vergleichen willst.
Ein paar Quellen:


Es gibt verschiedene Komponisten des ursrünglichen Ragtime, die hier wichtig sind (jeweils nur einige Kompositionen/Titel dazu):

Scott Joplin
------------
"Maple Leaf Rag"
http://www.rtpress.com/mid/mud/maple_sk.mid (Sue Keller)

"The Entertainer"
"The Cascades"
"The Crysanthemum"
"Scott Joplin's New Rag"

Informativ (auf englisch):
http://www.lsjunction.com/people/joplin.htm
http://www.trachtman.org/ragtime/

Eine Liste live eingespielter Rags und früher Jazzstücke von einer US-amerikanischen Ragtime-Pianistin namens Sue Keller, als MIDIs.
Die Stücke sind soweit angenehmer zu hören, als am PC generierte MIDI-Dateien, die gerne zu mechanisch klingen.
Sie spielt nicht absolut perfekt das, was in den Noten steht, aber dafür "lebt" es.

http://www.rtpress.com/titles.htm

Moderner Ragtime ist hauptsächlich rhythmisch frecher und harmonisch komplexer, z.B. der von Robin Frost (Eigenkompositionen):

http://www.johnroachemusic.com/frost.html

Hier noch mehr, zum auch live eingespielte MIDIs:
http://www.perfessorbill.com/index2.htm

Es sind nicht alles Rags, du wirst es sicher selber hören.


==========================
Chronologische Reihenfolge (pianolastig):
==========================

Späte Ragtime-Ära/Vor-Jazz (um 1910 - 1920)

Hubert "Eubie" Blake
--------------------
"Charleston Rag"
"The Chevy Chase"
"Troublesome Ivories"
"The Baltimore Todelo"
"Dictys On 7th Avenue"

http://www.rtpress.com/mid/mud/charl_sk.mid


Robert Luckey Roberts
---------------------
"Pork And Beans"
"Junk Man Rag"
"The Magnolia Rag"

http://www.rtpress.com/mid/kel/junkm_sk.mid


James P. Johnson
----------------
"Carolina Shout"
"Daintiness Rag"
"Gut Stomp"

http://homepages.tesco.net/~stridepiano/carolina.mid


Nun zum Vor-Jazz/Früh Jazz, komplexer und improvisierter:

Jelly Roll Morton
-----------------
"King Porter Stomp"
"Black Bottom Stomp"
"Wolverine Blues"
"Billie Goat Stomp"
"Mister Joe"
"Frog-I-More Rag"
"Shreeveport Stomp"
"Sidewalk Blues"
"london Blues"
"Grandpa's Spells"

http://www.perfessorbill.com/midi/sdwlkbl.mid
http://www.perfessorbill.com/midi/londonbl.mid
http://www.perfessorbill.com/midi/grandpa.mid


Früh-Jazz/Hot-Jazz/Rhythm:


James P. Johnson
----------------
"Carolina Shout" (spätere Versionen)
"The Mule Walk"
"Keep Off The Grass"
"Harlem Strut"
"Backwater Blues"
"Jersey Bounce"
"Fascination"
"Modernistic"
"If I Could Be With You..."

Solo und Bandaufnahmen: suchen, ausleihen, kaufen

(Transkriptionen)
http://homepages.tesco.net/~stridepiano/midifiles.htm


Willie "The Lion" Smith
-----------------------
"Concentrating"
"Echos Of Spring"
"Shine"
"Some Of These Days"
"Steeplechase"
"Finger Buster"
"Here Comes The Band"
"Rippling Waters"
"Passionette"
(Beispiele für Romantik/Impressionismus-Einfluß im frühen Jazz)

Solo und Bandaufnahmen: suchen, ausleihen, kaufen


Thomas "Fats" Waller
--------------------
"Smashing Thirds"
"Valentine Stomp"
"Sweet Savannah Sue"
"Bach Up To Me"
"Numb Fumblin"
"Original E-Flat Blues"
"Ain't Misbehavin"
"Honeysuckle Rose"
"Christopher Columbus"


Solo und Bandaufnahmen: suchen, ausleihen, kaufen

(Transkriptionen)
http://homepages.tesco.net/~stridepiano/midifiles.htm
(Live)
http://www.perfessorbill.com/midi/aintmisb.mid

Z.B. Band:
"Fats Waller & His Rhythm", gilt als eine der besten Jazzcombos (5 - 7 Musiker) vor dem 2. Weltkrieg, steht an der Grenze zwischen Hot-Jazz (hier: "Harlem Jazz") und Swing.


Hot-Jazz/Swing:

Im Netz weiter suchen, es gibt tonnenweise Material.

Duke Ellington, Count Basie, Mary Lou Williams, Earl Hines, usw.

Bei Amazon, jazzbymail.com oder Yahoo kann man bergeweise Kurzclips der oben genannten Musiker raussuchen und anhören, die CDs sind meist auch nicht so teuer, oft gibt es sowas auch in den großen Plattenabteilungen.

...

Und, und, und...

Meinerseits war das jetzt erstmal die klavierbezogene Denk-Achse, am besten suchst du dir dann noch die Bläser raus, die mit diesen Pianisten gespielt haben, und vergleichst auch die, dann die Bassisten, Drummer, Sänger... und in 100 Jahren sprechen wir uns dann wieder.
Hoffentlich nutzt es dir was, wie immer nur ein aufriß und EIN möglicher weg, an das ganze ranzugehen.
Du hast dir echt was vorgenommen. *g*

Greetz,
twofour


P.S.: meld dich bitte rechtzeitig, wenn du Fragen haben solltest

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  #3  
Alt 26.03.2005
Dosch Dosch ist offline
 
Registriert seit: 08.12.2004
Ort: Bern, Bern, Scheiz.
Beiträge: 2
Standard RE: Hi dosch

Wau, Super...Danke!

ICh werde nächste Woche mal in die Uni-Bibliothek gehen und mir dort mal die Aufnahen besorgen und micht reinhören...Wichtige Fragen werde ich dann gegen Juni haben, weil ich da mir meiner Arbeit so richtig beginne, jetzt bin ich noch im Stadium vom Sammeln und Eindrücke gewinnen, Notizen erstellen usw...

Danke nochmals, Dominic Schorneck

PS: Vielleicht kannst du mir mal ein Mail schreiben, dann kann ich fragen übers Mail, und nicht übers Forum klären, bitte gebe einfach einen Betreff an, der mein Blocker nicht automatisch blockt!(BRauche zB. "Jazz-Forum" und nicht "Jazzrcords download")
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Dosch
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  #4  
Alt 20.05.2005
twofour twofour ist offline
 
Registriert seit: 01.01.2005
Ort: Berlin, Berlin, BRD.
Beiträge: 69
Standard RE: Hi dosch

Alles klar, ich schick dir die Tage eine Mail zur Kontaktaufnahme.


Grüße,
twofour
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  #5  
Alt 11.06.2005
twofour twofour ist offline
 
Registriert seit: 01.01.2005
Ort: Berlin, Berlin, BRD.
Beiträge: 69
Standard done

Ich habe dir per Kurznachricht meine Emailadresse geschickt.

*wink*

twofour
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  #6  
Alt 18.10.2005
Uwe Kulick Uwe Kulick ist offline
 
Registriert seit: 06.01.2004
Ort: Schwetzingen.
Beiträge: 319
Standard RE: Hi dosch

<font size="1"> <font color="#000000"> LETZTE BEARBEITUNG am: Okt-18-05 um 22:15Uhr (GMT)</font>


Hier noch eine schöne Ragtime-MIDI-File-Seite

http://members.aol.com/midimusic/ragtime.html

die dazugehörige Novelty-Seite

http://members.aol.com/midimusic/novelty.html

und die Stride Piano-Seite

http://members.aol.com/midimusic/stride.html

Und hier noch ein Ragtime-Vorfahr - ein Cakewalk,

sage und schreibe von PAUL LINCKE: Coon's Birthday - American Cake-Walk

http://www.ragtime.nu/midi/coonsbir.mid
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Uwe Kulick
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  #7  
Alt 25.10.2005
twofour twofour ist offline
 
Registriert seit: 01.01.2005
Ort: Berlin, Berlin, BRD.
Beiträge: 69
Standard RE: Hi dosch

Hi Uwe,

danke dir für die Ergänzung. Da hatte ich doch glatt den guten Irwin vergessen.
Er hat sich zusammen mit John Roache (verstorben; ein Apotheker und Ragtimer) über Jahre hinweg enorm viel Mühe gegeben, soviel Leben wie möglich in die MIDI-Umsetzung von Transkriptionen der Meister zu pflanzen.

Dosch hat sich leider nicht mehr gemeldet, meine Addi hatte ich ihm zwar per PN mitgeteilt, seine aber leider nicht gefunden. Hoffentlich hat er nicht aufgegeben. Na, vielleicht schaut er ja mal wieder hier rein.

Grüße,
twofour


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