Essays zur Afroamerican Sacred Song Tradition
Betreff: If You Don't Go, Don't Hinder Me: The African American Sacred Song Tradition (Abraham Lincoln Lecture Series)
von Bernice Johnson Reagon, erschienen bei University of Nebraska Press
ISBN: 0803289839
Bernice Johnson Reagon, eine der größten Persönlichkeiten des Black Gospel, eine sehr ideenreiche, inspirierte Gospelsängerin und Komponistin, hat uns schon immer fasziniert, sei es im Ensemble "Sweet Honey in The Rock", oder als Solistin, z.B. auf ihrer eigenwilligen Spiritual-Platte "River Of Life". Genau diese Grande Dame des Gospel hat sich auch verdient gemacht in verschiedenen Projekten zur Dokumentation und Erforschung der afroamerikanischen Kultur in den USA. Pflichtlektüre für alle Gospelchorleiter ist ja zum Beispiel die von ihr und dem Smithsonian Intitute herausgegebene Aufsatzsammlung "We'll understand it better by and by" über die großen Gospelkomponisten.
Im Jahre des Herrn 2000 erschien ihr erstes rein literarisches Werk, eine Sammlung von vier eigenen Essays, unter dem Titel "If You Don't Go, Don't Hinder Me", Untertitel "The African american sacred song tradition". Und genau dieses Werk möchte ich den Leser(inne)n dieser Zeilen zur Lektüre empfehlen. Vor dem Hintergrund ihres profunden Wissens über Geschichte und Gegenwart der Gospelmusik und ihrer persönlichen Verbundenheit mit all der Tradition und der schon aus ihrer Musik heraushörbaren großartigen künsterischen Gabe gelang ihr ein Werk, das in seiner Qualität den bekannten populären Werken zur afroamerikanischen Tradition von LeRoi Jones (Blues People) und Ben Sidran (Black Talk) in nichts nachsteht, und obendrein den Anhängern der Gospelmusik noch mehr zu geben vermag.
Im Vorwort erläutert sie ein Lied, das sie ein Leben lang begleitet hat, eben jenes mit dem Vers "If you don't go, don't hinder me", diesem Vers, dem auch den Afro-Amerikanern in ihrer Geschichte eine immer neue Bedeutung zukam, zunächst für fluchtwillige Sklaven, dann für nordwärts abwandernde Südstaatler, und auch in der Bürgerrechtsbewegung, in geschichtlichen Entwicklungen also, bei denen sich stets nur ein Teil der Afroamerikaner auf den Weg machte: Wenn ihr nicht geht, hindert mich nicht.
Und so fügt sich auch der Kanon der Essays aneinander: Zunächst ein Abriss über die Entwicklung der Gospelmusik des 20. Jhdts., eingerahmt in ihre persönlichen Erfahrungen bei ihren Forschungsarbeiten. Dann folgt eine Schilderung der reichhaltigen musikalischen Ausprägung des Gemeindelebens einer typischen Gemeinde von Südstaaten-Zuwanderen in Washington D.C. eingerahmt in ihre persönlichen Erfarungen mit und Aufzeichnungen über Deacon William Reardon Sr, in der ganz nebenbei selbst dem bereits gospelerfahrenen Leser noch Begriffe wie song raiser und prayer band nähergbracht werden. Die beiden andern Essays habe ich noch nicht gelesen. Sie gehen über Spirituals und über Freedom Songs, bekanntlich also zwei Herzensangelegenheiten von Bernice Johnson Reagon, so daß ich mir jetzt schon sicher bin, auch diese noch mit Gewinn zu lesen. Mir ist es eben auch eine Herzensangelegenheit, diese Buchempfehlung vielleicht gerade noch rechtzeitig vor Weihnachten loszuwerden.
Uwe Kulick
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