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Allgemeiner Jazz-Talk Hier geht's querbeet um alles was mit Jazz auch nur im entferntesten zu tun hat...

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  #1  
Alt 12.12.2002
cosmo cosmo ist offline
 
Registriert seit: 01.01.1970
Ort: Lübeck, Schleswig-Holstein, Norddeutschland!.
Beiträge: 280
Standard Electro-Jazz

E-Jazz?
Computer neben den herkömmlichen Musikinstrumenten als vollwertige Instrumente?
Wie steht ihr dazu?
Ich als Fan von electronischer Musik und Jazz finde die Verbindung naheliegend.
Eine tolle Konzerterfahrung in Berlin, mit zwei DJs, einem Posaunisten und einem E-Geiger deren Namen ich leider nicht mehr weiß hat mich da in meiner Meinung bestätigt.
cosmo

NP: Joe Lovano - Viva Caruso. Ist noch nicht sehr überzeugend
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cosmo
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  #2  
Alt 12.12.2002
FunkyGhost FunkyGhost ist offline
 
Registriert seit: 01.01.1970
Ort: .
Beiträge: 67
Standard RE: Electro-Jazz

Ich habe ja meine Meinung dazu in der BlueNote Diskussion kundgetan.
Nochmal zusammenfassend:
Ich denke, die Moeglichkeiten, die der Computer als Musikinstrument bietet gehen weit ueber das hinaus, was man heute in der elektronischen sogenannten "U-Musik" kennt. In der sogenannten "E-Musik" geht man da soweit ich weiss sehr viel experimenteller und risikofreudiger an die Sache heran. (Ich bin da kein Experte, aber ich habe von Instituten fuer elektronische Musik gehoert, die aktiv an dem Thema forschen).
Ich hoffe, dass Jazzer oder improvisierende Musiker irgendwann den Versuch starten mit diesen Techniken zu arbeiten und mehr dabei herauskommt, als ueber vorproduzierte Beats zu Improvisieren.


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FunkyGhost
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  #3  
Alt 12.12.2002
FunkyGhost FunkyGhost ist offline
 
Registriert seit: 01.01.1970
Ort: .
Beiträge: 67
Standard RE: Electro-Jazz

Was man ziemlich oft hoert, zur Zeit, sind Drum'n Bass Einfluesse, auch in nicht-elektronischen Jazz Bands. Einige Jazz Schlagzeuger spielen gerne mal diese schnellen verzwickten Beats. Sehr interessant ist das, weil das Spielen auf herkoemmlichen Instrumenten von dem rein elektronisch entstandenen beeinflusst wird.
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FunkyGhost
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  #4  
Alt 12.12.2002
mampf mampf ist offline
 
Registriert seit: 01.01.1970
Ort: bei Wien, Austria.
Beiträge: 1.262
Standard RE: Electro-Jazz

[font size="1" color="#FF0000"]GEÄNDERT AM Dezember-12-02 UM 18:05Uhr (GMT)[/font][p]Ich habe am Ende meines Beitrags einen Auszug aus einer Diskussion wiedergegeben, bei der der alte, international anerkannte Jazzkritiker Nat Hentoff von seiner Sorge sprach, dass in der Zukunft Computer lebende Musiker ersetzen könnten, und schließlich dazu aufforderte, aus der Musik nicht den menschlichen Sound herauszunehmen. Steve Coleman gibt ihm einerseits recht, dass es sehr wohl die Musiker braucht, hält aber dagegen, dass auch ein Piano und ein Saxofon Maschinen sind, bei deren Erfindung noch nicht absehbar war, was großartige Musiker wie Coleman Hawkins einmal damit schaffen werden.

Steve Coleman hat in Zusammenarbeit mit IRCAM, einem angeblich weltweit bekannten Computer-Musik-Forschungszentrum in Paris, ein interaktives Computerprogramm entwickelt, mit dem seine Gruppe 1999 in einem Konzert interagiert hat.
http://www.m-base.com/resume1b.html

Wie viel an Anregungen Steve Coleman aus dieser Beschäftigung für sein Spiel schöpft, weiß ich nicht, aber seine Musik auf den CDs der letzten Jahre und auch bei den 3 Konzerten, die ich von ihm erlebte, ist bis auf den E-Bass rein „akkustisch“ und hat gerade diese menschlichen Sounds, die Nat Henthoff von Jazz erwartet. Greg Osby hat in den letzten Jahren nicht einmal einen E-Bass.

Ich möchte zu dieser Sache noch mehr sagen, kann aber noch nicht.

Der Ausschnitt aus der Diskussion:
NAT HENTOFF: But I'll tell you what worries me most about the future. I hear more and more people talking about it, including people who used to be jazz musicians and say they still are, who are talking about the computer as a musical instrument, organizing sounds. Do it all in the studio. You don't need live musicians, because you've got better and better synthesizers.
So when you're talking about soul, that ain't gonna be there, no matter where it began. I'm worried about that future.
STEVE COLEMAN: Can I say something?
DR. HARRY EDWARDS: Oh, please. Mr. Coleman.
STEVE COLEMAN: That's-that concept has always been there. I mean, you had the player piano in the past, you know, which was a programmed instrument. It wasn't exactly improvising and-you've always had that aspect, but like what Angela was saying, the music continually develops.
The problem I have is-with the term "jazz" in the first place-is that it's talking about-it's freeze drying a music from a certain period and then saying, "This is jazz," you know. "Anything outside of these parameters is not jazz." And, as a result, that doesn't take into account the development of the music, you know, which is-you know, it's not a clear line between where popular music ends and this music begins.
I think of this music as more or less in terms of levels of sophistication. I guess that's how I think of the differences, more so than I think of jazz, pop, hip?hop, or whatever, you know. There are people who are intentionally trying to reach a certain level of sophistication with their music. And this was brought to me by an older musician, Von Freeman, he told me this, you know. And there are people-other than the levels of sophistication, there may have been a little difference between the emotional content of what Robert Johnson was doing and Charlie Parker, but the level of sophistication in the music is a different intent in terms of how it was to be expressed. And I think that that's still there today.
There are some people who say, well, if you have a synthesizer or if you have-if you plug this in or whatever, then it's not jazz. Or if it doesn't have somebody riding a cymbal, a bass player walking, that it's not jazz. And, you know, that's bull, because that wasn't there in the beginning of the music, you know. That's not there with Baby Dobbs and Pop Foster and some of the bands with tubas and everything, you know. That's something that developed in a certain period, and now everybody's trying to freeze it, you know, saying, "Well, from here to here, that's the music."
I mean, despite what Ken Burns and them were saying, we don't know what Buddy Bolden and those guys sounded like. I mean, you know, there were no records in 1904 and 1905. And so, you know, to say, "Well, we didn't hear it, but it would have sounded like this," is ridiculous, you know. [laughter and applause]
NAT HENTOFF: But wait. One thing. Sidney Bechet said, "You can't hold back the music," but don't you need musicians to play the music?
STEVE COLEMAN: Yes, that's true. You need musicians to play the music. And musicians are doing the music-listen, a saxophone is a machine. It's not something natural that's growing out of the ground. You don't find them growing-
NAT HENTOFF: But Ben Webster played that machine and it came out of Ben Webster, didn't it?
STEVE COLEMAN: Well, that's true.
NAT HENTOFF: He didn't do it in the studio.
STEVE COLEMAN: That's true. But you have to-read back some of the reviews and everything that we see when the piano was first invented. They thought it was a monstrosity that was going to ruin music, you know. Adolph Sax, the inventor of the saxophone, he got death threats, you know, for bringing this monster into the world. And I'm sure that if he heard Coleman Hawkins play, he'd want-he'd want to do something to him too, 'cause that's not what he intended the instrument to do. So times change, you know. [applause and cheering]
DR. HARRY EDWARDS: Just to take-Mr. Sudhalter-
NAT HENTOFF: Don't take the human sound out of it.

mehr unter: http://www.jazztimes.com/race_jazz2.cfm

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mampf
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  #5  
Alt 13.12.2002
autschbach peter autschbach peter ist offline
 
Registriert seit: 01.01.1970
Ort: .
Beiträge: 49
Standard RE: Electro-Jazz

Hallo Mampf und die Anderen,
ich übe oft neue Stücke zum Computer, lasse mich begleiten. Und ich ärgere mich jedesmal, dass das Scheißding nicht zuhört. Da können die Sounds noch so gut sein, es hilft alles nichts, solange Computer nicht zuhören können, also interaktiv reagieren können wie ein Mensch, ist Musik mit dem Computer kein Jazz. Es kann Musik sein, es kann auch sehr gute Musik sein, denn wenn sich jemand Arbeit macht, kann da was hörenswertes bei herauskommen (ich erinnere mich z.B. an einige sehr gelungene Pat-Metheny Aufnahmen mit Computer-Unterstützung). Aber im Jazz geht es doch um Kommunikation, und die ist zwar unter verschiedenen Musikern möglich, die gleichzeitig zum Computer spielen, aber nicht zwischen Mensch und Computer selbst. Noch nicht. Leider oder zum Glück. Mich selbst frustriert das Spiel zur Maschine. Es groovt nicht. Es lebt nicht. Es atmet nicht und macht mir nicht soviel Spaß wie mit guten (!) Musikern zu spielen. Ich mag die Arbeit mit dem Computer (sonst könntet ihr das hier nicht lesen) aber Musik (und gerade Jazz) geht meiner Meinung nach noch besser ohne.
Der Computer kann gern eine Basis von Sounds liefern, man kann mit ihm Musiker (und damit Geld) sparen, aber er ist eine Rechenmaschine. Nicht mehr und nicht weniger. Der Vergleich mit dem Piano hinkt: Denn das Piano selbst ist stumm, erst mit Sequenzer wird es zum selbst musizierenden Instrument, und da haben wir ihn wieder, den Kameraden Computer.
Ich finde ihn perfekt zum Songs ausprobieren, zum Noten schreiben und zum Üben. Musik mache ich lieber mit Menschen.

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autschbach peter
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  #6  
Alt 13.12.2002
mampf mampf ist offline
 
Registriert seit: 01.01.1970
Ort: bei Wien, Austria.
Beiträge: 1.262
Standard RE: Electro-Jazz

Wegen dem, was ich zum Thema „Avantgarde“ zuletzt geschrieben habe, bin ich sehr skeptisch, ob die Computer-Geschichten wirklich einmal größere Bedeutung – als zur Anregung von Ideen - haben werden. Ich möchte offen sein, aber auch für mein Empfinden.
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mampf
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  #7  
Alt 13.12.2002
FunkyGhost FunkyGhost ist offline
 
Registriert seit: 01.01.1970
Ort: .
Beiträge: 67
Standard RE: Electro-Jazz

* Steve Colemans Computer Programm muss ich mir mal in Ruhe ansehen. Das interessiert mich sehr.

* Ich glaube nicht, dass der Computer wirklich Instrumentalisten ersetzen kann. Er sollte es auch garnicht versuchen. Wenn man von Musikern hoert, wie toll es ist, dass sie Ihre Platten ganz Alleine und zuhause produzieren koennen, dann bin ich meist sehr skeptisch. Auch ist Elektronische Musik nicht die einzige Richtung in die sich Musik entwickelt und wird die aktustische Musik auch nie verdraengen (oder haben die Synthesizer etwas das Klavier verdraengt?). Und es ist auch ganz klar, dass die Interaktion zwischen Menschen fuer den Spass an der Musik mit entscheidend ist.

* Ein Computer kann andererseits wirklich mehr, als ein vorher einprogrammiertes Musikstueck starr wiederzugeben. Man kann ihn ueber verschiedene Mechanismen "live" steuern, also spielen. Diese Mechanismen koennen z.B. Tastatur, Klaviatur oder Maus sein, aber auch Akustische Signale, Optische Signale, und vieles mehr. Dann kann man ueber Methoden nachdenken, die den Rechner auf z.B. Akustische Signale reagieren lassen.
Man koennte z.B. mit Lernalgorithmen, Zufallsgeneratoren usw. arbeiten. Der Mensch kann verstehen wie die Maschine arbeitet und dieses Wissen nutzen um sie musikalisch zu steuern, also auf ihr Musik zu machen oder sie in Verbindung mit seinem klassischen Instrument einzusetzen.
Eine Andere Richtung ist auch moeglich, und zwar Ideen, die sich aus dem Umgang mit dem Computer ergeben auf die klassischen Instrumente zurueckzuuebertragen (siehe meinen letzten Beitrag).
Ich denke die Moeglichkeiten sind so vielfaeltig. Natuerlich ist es schwer zu sagen, ob man damit die Musik weiterbringt, aber den Versuch muesste man unternehmen. Ob das was dabei herauskommt als Jazz empfunden wird, kann man wahrscheinlich erst danach entscheiden.

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FunkyGhost
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  #8  
Alt 17.12.2002
FunkyGhost FunkyGhost ist offline
 
Registriert seit: 01.01.1970
Ort: .
Beiträge: 67
Standard RE: Electro-Jazz

>Wegen dem, was ich zum Thema
>„Avantgarde“ zuletzt geschrieben habe, bin
>ich sehr skeptisch, ob die
>Computer-Geschichten wirklich einmal größere Bedeutung
>– als zur Anregung von
>Ideen - haben werden. Ich
>möchte offen sein, aber auch
>für mein Empfinden.

Kann ich nicht ganz verstehen (ich meine den direkten Zusammenhang zu dem erwaehnten Beitrag). Entgegen vielen Vorurteilen muss elektronische Musik ja keine Maschinenmusik sein, sondern wird von Menschen gemacht. Die Elektronik ist nur das Werkzeug dafuer, also das Musikinstrument, wenn auch in einem Anderen als dem Traditionellen Sinn.
Ausserdem haben die "Computer-Geschichten" bereits eine sehr grosse Bedeutung (man schaue sich z.B. mal die Berliner Musikszene an), auch in der Black Music (RnB, HipHop, Reggae, eigentlich ueberall), und damit auch im Jazz, der meiner Meinung nach, wenn er lebendig ist, nicht von solchen "populaereren" Musikrichtungen zu trennen ist. Die elektronische Musik ist da, schon sein Jahren, entwickelt sich und hat ihre Bedeutung ganz klar schon bewiesen.
Deswegen hat gerade auch in dem Bild das Mampf in dem Avantgare Beitrag entwirft das Experimentieren mit und weiterentwickeln von elektronischen Instrumenten seinen Platz, da es doch darum gehen sollte mit ihnen musikalischer umzugehen, als es oft heute getan wird, ihre Moeglichkeiten wirklich zu entdecken, eben Musik damit zu machen (was auch immer man unter Musik versteht).

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