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| Allgemeiner Jazz-Talk Hier geht's querbeet um alles was mit Jazz auch nur im entferntesten zu tun hat... |
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#1
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Ich hätte eine Frage:
Welche Kriterien muss ein Lied erfüllen, damit es ein "Standard" genannt werden kann. Ich weiß nicht, ob diese Frage eigenartig ist. Warum z.B. ist in einem Real Book P.Y.T. von Michael Jackson angeführt? Was ist an diesem Lied, dass es hier eingeordnet werden kann? |
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#2
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Weiß es wirklich keiner?
__JaZZie__ |
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#3
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hallo __JaZZie__
Für mich sind das die Stücke, die Alle aus dem Stegreif spielen können, ohne Noten auflegen zu müssen. Gruß Hermann |
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#4
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Liebe JaZZie!
Erst einmal bin ich froh,dass es auch noch Freuen gibt,die sich ernsthaft für Jazz interessieren.... ....wann ist ein Standard ein Standard...? Naja,für mich ist es einfach eine Nummer/ein Thema/Song...der sich durchgesetzt hat...der also es geschafft hat einen gewissen Bekanntheitsgrad zu erzielen (sei es durch Sessions selber,oder Konzerte...)und plötzlich spielt jeder diese Nummer,oder hat sie drauf....und für mich ist eben "Autumn Leaves"zB.eine sehr bekannter Standard und ein Mikle Jackson-Song eben weniger bekannt.... ....hmmm....vielleicht stimmt das aber auch nicht...liebe GRÜSSE. |
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#5
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Man könnte auf die Idee kommen, zu sagen, dass Standards die Stücke sind, die im (illegalen) "Real-Book" stehen. Nun sind in dieser relativ willkürlich zusammengestellten Sammlung 400 Stücke, die weiß Gott nicht jeder Musiker auswendig draufhat.
Die meisten Jazzer kennen 10 bis 20 Real-Book-Stücke auswendig, und es handelt sich dabei (weltweit) meistens um die selben Titel. Hier ein paar davon: Stella by Starlight All the things you are Autumn Leaves Blue Bossa All Blues So what Donna Lee Oleo The days of wine and roses There will never be another you Wave Girl from Ipanema Satin Doll Take the A Train Round Midnight Body and Soul |
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#6
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Hm - ist der Begriff "Standard" nicht genauso schwammig und mit Vorbehalt zu betrachten, wie "Klassiker", "Hit" oder "Ohrwurm" (im musikalischen Sinne, nicht das Tier)?
Sicher hat es was damit zu tun, wie viele Musiker ein Stück im Laufe der Jahre "gecovered" haben. P.Y.T hört ja da nun wohl mal eindeutig nicht dazu. Im übrigen kenne ich den Begriff "Standard" nicht außerhalb der Jazz-Schiene... (oder gibt es "Pop-Standards"?) - übrigens noch 'ne Frau, die sehr auf Jazz abfährt - |
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#7
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Teil meines bisher besten Vortrages im Jazzkreis Wiesbaden "Jazzmusiker spielen Standards" war folgendes Beiblatt zum Programm:
Anmerkungen zum Thema STANDARDS Als Standards werden ganz allgemein gängige Repertoire-Stücke für Unterhaltungs- und Jazzmusiker bezeichnet. Manche Autoren benutzen den Ausdruck Standard nur für die in den Zwanziger Jahren vorherrschende 32-taktige Songform, um sie von andersartigen Repertoirestücken jener Zeit wie Ragtimes, Blues und Tangos zu unterscheiden. Die Songs der Zwanziger Jahre waren in der Tat geprägt durch ihre zweiunddreißigtaktigen Refrains. Diesem Erfolgsschema F folgten sowohl James P. Johnson mit seinem die ganze Ära prägenden "Charleston" als auch Fats Waller und Andy Razaf mit "Ain`t Misbehavin" und "Honeysuckle Rose", selbst Jelly Roll Morton ließ sich zur zur Komposition solcher Songs verleiten - der bekannteste davon ist "Milenberg Joys" (Text vom Verleger Walter Melrose) Bestimmt wurde diese Entwicklung durch die Musikverleger aus der 28ten Avenue in New York, die vorwiegend solche Songs ankauften oder gar vom Hauskomponisten massenhaft komponieren ließen. Vielleicht ist der Erfolg dieser Form darin zu finden, daß 32 Takte gerade ausreichen, um nur den Refrain als ganzes Stück erscheinen zu lassen. Der Notenkäufer brauchte so nur den Refrain bzw. Chorus zu erlernen, um auf seinem Klavier im privaten Kreis oder in Kneipen und bei Parties up to date zu musizieren. Auch die Jazzmusiker verfuhren oft so, schon bei den Ragtimes, die sie zuerst als Notenmaterial hatten, hatten sie die weniger aufregenden oder zu komplizierten Teile herausgekürzt(, um dann die entstehenden Lücken mit ihren Improvisationen zu füllen. Die kurzen und schlichten Blues waren in in dieser Hinsicht ein optimales Musiziermaterial, das ungekürzt übernommen wurde). Die Entwicklung setzte sich fort in den Dreißigern, in denen insbesonders Duke Ellington etliche Songs in Standardform zum Repertoire der Jazzmusiker hinzufügte. Selbst Songs, die von Herzen kamen, wie "I Let A Song Go Out Of My Heart" zählen dazu. Aber auch "alte Ragtime-Hasen" wie Eubie Blake begriffen den Wandel der Zeit, was sein von Andy Razaf getextetes "Memories Of You" beweist. Die Fortdauer der Vorherrschaft der 32-Takter führte dazu, daß die Komponisten sich nur in der Weiterentwicklung der Harmonien auslebten, so daß die Songs mehr und mehr auch durch ihre Harmoniefolge und nicht bloß durch ihre Melodie erkennbar waren. Auch dies machte sie zu einer guten Grundlage für den Jazz. Und der Wandel der Zeit ging weiter. In den Wirren der Weltkriegsjahre entstanden noch einige der schönsten Standardsongs nach Schema F, aber dann war es aus mit der Diktatur des Einheitssongs, der von den Jazzmusikern doch so bequem in die bei ihnen allzubeliebten Vierviertelrhythmen umzusetzen ist. Der Viervierteltakt der Songs ging den Jazzmusikern bis heute derart in Fleisch und Blut über, daß sie sich allenfalls einmal mit einem Jazzwalzer befassen. Dave Brubeck war in dieser Beziehung vielleicht der einzige Avantgardist, und er hatte auch großes Glück, in Paul Desmond einen Partner zu haben, der mit ihm im 5/4- oder gar 7/4-Takt richtig swingte. Aber der 2/8+2/8+2/8+3/8-Takt von "Blue Rondo à la Turk" war von Beginn an nicht durchzuhalten, der Übergang zum 4/4-Takt nach einigen Erkennungstakten war erforderlich. Es wäre zuviel, hier auch nur die wesentlichen, nicht auf Jazz fixierten Songschreiber und Komponisten zu nennen. |
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