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| Allgemeiner Jazz-Talk Hier geht's querbeet um alles was mit Jazz auch nur im entferntesten zu tun hat... |
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#1
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Hallo
![]() Gibt es unter euch ein paar Leute, die mir helfen können? Über den berühmten Jazzpianisten Thelonious Monk wird oft gesagt, dass seine Musik voll von Humor ist.. Mich würde interessieren, wie im Jazz, besonders bei Monk der Humor bzw. andere Komponenten, wie zum Beispiel Weisheit etc.. dargestellt werden. Vielleicht fällt dem ein oder anderen auch ein Stück von Monk ein, in dem man das gut nachvollziehen kann... Gibt es irgendwelche generellen Sachen, auf die man achten kann? Danke schon mal im Vorraus!!! Tabea |
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#2
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Zitat:
Ansonsten Humor im Jazz? Mir fällt spontan Dizzy Gillespie ein, der auf der Bühne schon immer gut drauf war und Titel wie "Salt Peanuts" oder "Swing Low Sweet Cadillac" sind an sich schon witzig. Humorvolle Situationen ergeben sich auch gern mal live, wenn die Kommunikation auf der Bühne gut klappt, man sich musikalische Zitate um die Ohren wirft und sich ein witziger Dialog ergibt. Zitat:
Grüße Frank
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www.schindelbeck.de |
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#3
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Danke für deine schnelle Antwort
![]() Auf die Frage, ob es eine Schulafgabe ist: Wir nehmen momentan Jazz generell dran. Dabei sind wir auf das Thema Bebop gekommen und unter anderem wurde auch der Jazzpianist Thelonious Monk genannt. Da ich selber Klavier spiele, hab ich mal ein bischen weiter geforscht und bin auf viele Zitate gestoßen, die seine Musik als humorvoll und besonders beschreiben. Ich überlege etwas darüber für die Schule zu schreiben, da ich es schon interessant finde. ![]() Wie du schon sagtest, hat Monk auf "seine" Art gespielt. Ich habe auch gelesen, dass Monk mit Dizzy Gillespie im Minton's einige Male zusammen gespielt hat... Vielleicht finde ich ja darüber ja noch was interessantes.. Mir war es gar nicht so bewusst, dass der so ein spaßvogel war ![]() |
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#4
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Zitat:
- ich bin jedenfalls beeindruckt, dass du das Thema Jazz mit nach Hause nimmst und dann auch noch selbst nach Monk forschst!Wie gesagt, Humor ist nicht das, was ich mit Monk so direkt verbinde. Ich habe mir mal den Spaß gemacht nach "Witz" und "Humor" in seinem Wiki-Artikel zu suchen. "Humor" habe ich immerhin gefunden, wenn auch nur in der Verbindung "zynischer Humor"... Monk war eigen und ich glaube, dass er sich im Leben so gegeben hat, wie Helge Schneider heute als Bühnenfigur ;-). ...das schlägt den Bogen zu Helge, der ja auch als "fast-Jazzmusiker" angesehen werden kann (ich kenne allerdings zumindest einen guten Jazzmusiker, der fast schon aggressiv wird, wenn man Helge und Jazz in einem Satz erwähnt....) und seine ganz eigene Note von Jazz und Humor abliefert - wenn du in der Nähe von Moers lebst, könntest du dich über Pfingsten davon selbst beim Moer Festival überzeugen. Wer mir noch einfällt, zum Thema Humor und Jazz: Das Willem Breuker Kollektief - da gehörte Humor immer zum Bühnen- bzw. Straßenprogramm, das ging dann aber eher in Richtung Klamauk. Aber ich weiß gar nicht, ob es die Formation nach dem Ableben ihres Bandleaders noch gibt. Viele Grüße Frank
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www.schindelbeck.de |
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#5
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Zitat:
Was den Humor bzw. Klamauk anbelangt: Breuker sagte einmal sinngemäß über sein Kollektief, sie seien keinen ernsten, aber ernsthafte Musiker. Ich meine, der Humor hat im Kollektief nie die Übermacht gegenüber der Musik gewonnen, die Kompostionen waren witzig und gehaltvoll zugleich. Unabhängig davon sind die besten Zeiten des Kollektiefs schon lange vorbei - was auch daran liegt, dass die Welt (nicht nur im Hinblick auf Kultur, Zeitgeschehen, "Lifestyles" etc.) heute eine andere ist als in den 1970ern/80ern. |
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#6
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Viele Grüße Frank
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#7
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Monks Musik Attribute wie lustig oder traurig hinzuzufügen schadet dem Hörgenuss, da damit dem Zuhörer Monks facettenreichem Spiel ein unnötiger Stempel aufgedrückt wird, der u.U. ein relaxtes, offenes Zuhören seiner Musik verhindert. Setze Dich hin und höre ihm zu. Seine Musik bringt dir Gefühlsergüsse von lustig bis traurig in sekundemschnellen Wechsel. Monks Musik kann wie das Wetter im April sein. :-) Geändert von Fred (05.06.2011 um 20:49 Uhr). |
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#8
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Gute Gelegenheit, mal wieder etwas über Monk zu schreiben.
![]() Thelonious Monk war eine der Initialzündungen, die mich zum Jazz brachten. Eigentlich aber eher ein Schwelbrand, der sich erst nach längerer Zeit zu einem offenen Feuer entwickelte. Das war irgendwann Mitte der 80er. Monk war kurz zuvor gestorben und die Lounge Lizards hatten schon auf ihrem Debut zwei oder drei Monk-Stücke gespielt. Mit der Autorenangabe „Thelonious Monk“ konnte ich damals aber nichts anfangen. 1984 kam dann das Monk-Tributalbum THAT’S THE WAY I FEEL NOW heraus, irgendwann kaufte ich eine billige GREATEST HITS, aber erst in den frühen 90ern hat Monk bei mir richtig gezündet. Seine Musik hat sich - zumindest mir - nicht so unmittelbar erschlossen. Eine Weile lang habe ich dann tagelang nichts anderes gehört und mich ganz in das Monk-Universum versenkt. Gegenwärtig höre ich kaum noch Monk. Sein (kompositorisches) Werk ist doch recht übersichtlich und irgendwann glaubt mal alles zu kennen. Außerdem neigte er dazu, sich zu wiederholen. Aber vielleicht hat sich gerade dadurch seine Musik bei mir eingebrannt. So viel zur Vorrede. ![]() Ich weiß nicht ob „Humor“ nun das hervorstechende oder sogar zentrale Merkmal seiner Musik ist. Letzteres würde ich mal verneinen. Auf jeden Fall ist Humor aber ein Bestandteil seiner Musik, ohne den sie nicht funktioniert. Man könnte jetzt darüber philosophieren, was „Humor“ ist. Späße machen? Herumalbern? Da würden mir Louis Armstrong und Dizzy Gillespie einfallen oder auch Rahsaan Roland Kirk. Vielleicht sogar Dave Brubeck. Oder aber auch: Mit Klischees spielen, Erwartungshaltungen unterlaufen, die Fähigkeit zur Selbstpersiflage? Das hat eher etwas mit Subversion zu tun als mit Spaßmacherei, aber es erfordert Humor. Und das trifft genau auf Monk zu! Im Verlauf seiner Karriere entwickelte er zwar seine eigenen Klischees, und von da wusste man genau, was man von ihm zu erwarten hatte. Aber bis dahin hat er großartiges geschaffen. Nehmen wir doch mal dies: ![]() Die erste aktenkundige Aufnahme von MISTERIOSO aus dem Jahr 1948, Vibraphon: Milt Jackson, Bass: John Simmons, Drums: Shadow Wilson und natürlich Monk am Klavier. Ich bin kein Musiker und nehme Musik daher anders wahr als ein Musiker. Der Autor Thomas Fitterling beschreibt den Beginn von MISTERIOSO jedenfalls so: „Sextsprünge in Achtelbewegungen werden stufenweise auf- und absteigend durch das Bluesschema geführt, wobei sich die Bassstimme des Klaviers immer wieder mit dem Vibraphondiskant reibt. Das Vibraphonsolo schreitet gemessen swingend voran, während das Klavier weiträumig versetzt pro Takt einen dissonant abgedunkelten ausgehaltenen Akkord setzt.“ Alles klar? Soweit die technischen Daten von MISTERIOSO, die sicher korrekt wiedergegeben sind, aber leider überhaupt nichts über die Atmosphäre des Stückes aussagen. Ich selbst höre das so: Monk baut durch dieses schon provokant simple Motiv - eigentlich ja bloß zwei Töne, die er gegeneinander verschiebt und langsam und schwerfällig in die Höhe schraubt - Spannung auf und erzeugt die Erwartung, dass es irgendwann zu einem Höhepunkt kommt, an dem diese Spannung aufgelöst wird. Irgendwas muss da ja noch kommen! Ein Refrain! Ein Tusch! Eine Fanfare! Ich weiß auch nicht, auf was man da eigentlich wartet. Nur ein steht fest: es tritt nicht ein, denn Monk unterläuft diese Erwartungshaltung, indem er sein Tongebilde auf dem Höhepunkt einfach wieder in sich zusammensacken lässt. Milt Jackson setzt mit einem Solo an, das was völlig anderes ist, als das vorhergehende Thema und Monk wirft jeden Takt einen immer etwas neben der Spur wirkenden Akkord ein - für mich gefühlt auch immer etwas zu spät, so dass man jedes mal darauf wartet, dass er jetzt auch wirklich kommt und hoffentlich nicht danebengeht. Das ist etwas anderes als ein Gag, denn ein Gag funktioniert meistens nur einmal. Wenn man MISTERIOSO aber ein paar mal gehört hat – und ich habe das Stück in verschiedenen Versionen schon x-mal gehört – wird man zum Komplizen von Monks tückischem Vorhaben und ist jedes Mal froh, dass er doch wieder irgendwie die Kurve gekriegt hat, ohne sich dabei die Finger zu brechen oder die ganze Sache gegen die Wand zu setzen. Das ist Humor! Gruselig, sagte Mary Lou Williams? So kann man es auch sehen, denn auch dabei geht es um Spannung und die Erwartung von etwas, das man befürchtet. Der Titel MISTERIOSO legt das ja sogar nahe. Eine andere Sichtweise als meine, die ich aber nicht als Widerspruch empfinde. Was Monk sich bei MISTERIOSO gedacht hat, weiß sowieso kein Mensch, und das ist auch gut so, denn das erlaubt verschiedene Perspektiven auf das Stück. Viel Text über wenig Musik. Hat aber Spaß gemacht sich mal wieder MISTERIOSO anzuhören. Gruß, Jürgen
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Es wird immer weitergehen Musik als Träger von Ideen (Kraftwerk) Geändert von jodeffes (07.06.2011 um 21:33 Uhr). |
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#9
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Zitat:
Helges Version von "Round Midnight" nicht gehört? Allerdings würde ich schon verstehen, wenn Du diesen "Banausen" nicht outen wolltest/könntest :-) Viele Grüße vom zores |
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#10
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Ich habe das Stück noch nie zuvor gehört. Es hat mich sofort gepackt.
Zur anderen Thematik: Humor sollte meiner Meinung nach nicht mit Spassmacherei verwechselt werden. Ich finde, dass gerade Helge Schneider das immer auf seine ihm eigene Art deutlich macht. Ein Großteil seines Publikums versteht das nicht mal. Die wollen immer irgendwelche Blödeleien und sehen nicht, was eigentlich dahinter steht. Ob Monk's Spiel Humorvoll war, ist vermutlich schwer zu sagen. Man müsste den Menschen dahinter kennen. Das tun wir alle nicht. Wenn jedoch jemand sagt, Misterioso sei gruselig - der oder diejenige hat auf alle Fälle keinen Humor. |
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| Stichworte |
| bebop, humor, jazz, monk, thelonious monk |
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