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Der Posaunist Albert Mangelsdorff ist einer der profiliertesten Jazzmusiker Deutschlands. Beim Göttinger Jazzfestival gastiert er am Freitag, 10. November, mit der Gruppe "Movin' On" im 'Deutschen Theater'. Udo Hinz sprach mit ihm über den Jazznachwuchs, Vogelgesänge und Louis Armstrong:
Tageblatt: Nach Göttingen kommen Sie mit dem Quartett "Movin' On": Was zeichnet diese Formation aus? Mangelsdorff: Die Gruppe ist ungewöhnlich besetzt: Ich spiele Posaune, der Gitarrist Christy Doran arbeitet mit vielen elektronischen Effekten, der Schlagzeuger Reto Weber spielt hauptsächlich afrikanische und indische Trommeln und Bruno Spoerris Altsaxofon ist teilweise an einen Computer angeschlossen und er arbeitet mit einem Computer, der auf Bewegungen reagiert. Daraus ergeben sich ganz eigene Klangmöglichkeiten. T.: Sie waren einer der Musiker, die dem europäischen Jazz eine eigene Stimme gegeben haben. Sind die heutigen jungen Jazzmusiker konservativer? M.: Es braucht jeder eine gewisse Zeit, bis er seinen eigenen Sound, seine eigene Stimme findet. Es gibt in Europa eine große Anzahl talentierter und gut ausgebildeter Jazzmusiker. Musiker der mittleren Generation, beispielsweise Christof Lauer, haben inzwischen ihre eigene Stimme gefunden. Die meisten kommen von den Hochschulen und sind erst einmal im konventionellen Sinne gut ausgebildet. Doch ich habe bei einigen bemerkt, daß sie nach ihrem Weg suchen. T.: Immer wieder haben Sie mit Perkussionisten, etwa der "Family of Percussion" oder dem "Percussion Orchestra", zusammengearbeitet. Was reizt Sie daran? M.: Es ist die Intensität des Rhythmus. Hinzu kommt, daß es keine reinen Jazzrhythmen sind, sondern auch ethnische Einflüsse zur Geltung kommen. Es ist einfach eine schöne Sache. T.: Sie haben sich öfters als introvertiert bezeichnet. Führt die Zusammenarbeit mit Perkussionisten dazu, extrovertierter zu spielen? M.: Das mit der Introvertiertheit hat sich längst gegeben. Das war früher so. Über den Freejazz habe ich mich befreien können. Ich bin nicht mehr so ein verhaltener Spieler, der ich mal gewesen bin. T.: Sie interessieren sich für Vögel. Hat der Gesang der Vögel ihr Spiel beeinflußt? M.: Gerade in meiner Freejazz-Zeit habe ich mich sehr viel davon inspirieren lassen. Mich reizt bei Vogelgesängen die Tontemperatur, die der menschlichen nicht entspricht. Ich höre die Gesänge als Musik und diese Musik findet nicht in unseren Tonverbindungen statt. T.: Das Jahr 2000 gilt als das 100. Geburtsjahr von Louis Armstrong. Welchen Bezug haben Sie zu ihm? M.: Louis Armstrong war einer der ersten Jazzmusiker, die ich in jungen Jahren gehört habe. Er war einer von denen, die mich dazu gebracht haben, Jazzmusiker zu werden. Mein Bruder Emil brachte Schallplatten von ihm mit nach Hause und hat mir erklärt, wie es mit der Improvisation ist. Ich habe beim Abhören der Aufnahmen von Armstrong, Ellington und vielen anderen mein Talent zum Improvisieren entdeckt. T.: Welche Musik hören Sie privat am liebsten? M.: Derzeit komme ich privat überhaupt nicht zum Musikhören. Ich bin sehr stark mit Komponieren und Üben beschäftigt. Seit sechs Jahren bin ich künstlerischer Leiter des Jazzfestes Berlin und muß in dieser Eigenschaft sehr viele Jazzplatten hören. Doch ich war dieses Jahr zum Bachfest nach Leipzig eingeladen, wo ich auch mitgewirkt habe. Bei dieser Gelegenheit habe ich viel Musik von Johann Sebastian Bach gehört. Ich mag das Perfekte seiner Musik. Dadurch habe ich den Antrieb gekriegt, mich mit Bach noch einmal zu beschäftigen. (Göttinger Tageblatt, 07.11.00) Interview unkommentiert - in Vorfreude auf das Konzert - dazu dann nächste Woche näheres. Gruß Reinhard |
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