Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Endlich wieder Berlinale!
jodeffes
17.02.2008, 02:20
Was dem einen der Fußball, ist dem anderen der Film.
Beim Film gibt es zwar zum Glück keine Winterpause, sondern mit der Berlinale einen winterlichen Höhepunkt. Insofern ist meine Aufmerksamkeit dieses Wochenende stark aufs Kino fokussiert.
Ganz beiläufig habe ich mitbekommen, dass es dem einen oder anderen Forumsteilnehmer ähnlich geht. Vielleicht hat man ja ein bisschen was zu erzählen.
Ich wähle die Filme meist recht spontan aufgrund der Inhaltsangabe im Programmheft aus. Nur selten mal bin ich dabei so richtig auf die Nase gefallen. Besonders reizt mich bei der Berlinale, dass man Filme zu sehen bekommt, die man sonst niemals ansehen würde. Filme aus China, Indien, Russland, Kongo, you name it! Einblicke in fremde Welten, völlig neue Pespektiven.
Dieses Jahr habe ich bislang drei Filme gesehen, morgen sind noch zwei weitere an der Reihe.
GOD MAN DOG. Ein Taiwanesischer Film, in dem sich die - eigentlich tragischen - Geschichten völlig unterschiedlicher Protagonisten kreuzen und zu einer tragikomischen Geschichte von philosophischen Tiefsinn verweben. Wunderbarer Film. War ganz gerührt.
CIDADE DES HOMENS (CITY OF MEN). Ein Brasilianischer Film. Teil zwei der Saga CITY OF GOD, eines Epos aus den Brasilianischen Favelas. COG war eine Geschichte unter Kindern, die "ganz natürlich" in die Welt der Drogenbanden und der Gewalt hineinwachsen. COM
verlagert den Focus auf zwei 18-Jährige und deren Familien. Auf der Suche nach dem Vater des einen der beiden Jungs werden sie fast durch die gesellschaftlichen Verhältnisse zerquetscht. Wie auch COG ein ebenso erschreckender wie faszinierender Rausch. Kommt bestimmt bald regulär in die Kinos. Unbedingt ansehen!
LOVE AND OTHER CRIMES. Ein Serbischer Film. Ein einziger Tag in Neo Beograd, einer riesigen Plattenbausiedlung in Belgrad. Trostlosigkeit, Sehnsucht und kleine Fluchten. Dauernd hört man das Lied BESAME MUCHO. Eine Blondine räumt den Tresor eines Solariumsbesitzers und mäßig erfolgreichen Nachbarschaftsmafiosos aus um sich ins Ausland abzusetzen. Triste und graue Verhältnisse, aber lauter Charaktere bei denen man nicht so recht weiß, ob man sie widerlich, bemitleidenswert oder eher sympathisch finden soll. Wieder eine ganz andere Welt und auch sehr gut.
Bislang war die Berlinale ein voller Erfolg!
Morgen kommt noch ein Dokumentarfilm über den Fotografen Wolfgang Tillmanns an die Reihe und ein Indischer Film, dessen Titel (PARUVITEERAN oder so) ich mir nicht merken kann.
Bin gespannt.
Jürgen.
eigenheim
17.02.2008, 18:02
hallo mitberliner!
ich habe ja leider vor allem beruflich mit der berlinale zu tun (in diesem jahr die pressearbeit und das programmheft für den queer film award TEDDY) und kann deshalb (obwohl ich ständig da bin) kaum filme sehen... aber ich habe tilda swinton kennengelernt, immerhin..
außerdem hatte ein film meines verleihs premiere: JESUS CHRISTUS ERLÖSER - ein dokumentierter auftritt von klaus kinski 1971 im berliner sportpalast, der in tumult, publikumsbeschimpfung und größenwahn endet... kommt ende april regulär in die kinos.
gesehen habe ich nur DEREK und vorgestern leider den tillmans-film, den ich völlig bescheuert finde.
das tollste an der berlinale waren einige partys. viele schöne menschen und hoher flirtfaktor. und die experimentalfilmabteilung FORUM EXPANDED.
die filme haben mich in diesem jahr nicht so angezeckt.
e.
schindelbeck
17.02.2008, 18:13
CIDADE DES HOMENS (CITY OF MEN). Ein Brasilianischer Film. Teil zwei der Saga CITY OF GOD, eines Epos aus den Brasilianischen Favelas. COG war eine Geschichte unter Kindern, die "ganz natürlich" in die Welt der Drogenbanden und der Gewalt hineinwachsen. COM
verlagert den Focus auf zwei 18-Jährige und deren Familien. Auf der Suche nach dem Vater des einen der beiden Jungs werden sie fast durch die gesellschaftlichen Verhältnisse zerquetscht. Wie auch COG ein ebenso erschreckender wie faszinierender Rausch. Kommt bestimmt bald regulär in die Kinos. Unbedingt ansehen!
City of God ist in der Tat ein großartiger Film. Großartig gefilmt und eine sehr starke Geschichte. Hört sich sehr interessant an, zumal es ja ein Kunststück ist gute sequels guter Filme zu machen.
Vermutlich sehe ich das aber eh nur irgendwann mal auf DVD. Kinogehen ist mir irgendwann mal verloren gegangen. Filmisch wäre man in Heidelberg, Mannheim ja ganz gut versorgt, mit dem Filmfestival HD/MA.
Grüße
Frank
jodeffes
17.02.2008, 22:07
Kleine Nachberichterstattung:
Den Wolfgang Tillmanns-Dokumentarfilm fand ich im Gegensatz zu jan gar nicht übel. Eigentlich sogar sehr inspirierend. Der Regiesseur tat zwar nichts anderes, als WT bei der Arbeit zuzusehen und ihn etwas erzählen zu lassen. Keine Fragen, keine Interpretation, aber für mich war das okay. WT war übrigens bei der von mir besuchten Aufführung anwesend und wirkte in natura genau so wie im Film: Wie ein großes Kind, dass staunend die Welt beobachtet und Fotos davon macht. Vielleicht isses das aber auch! Mir gefiel's!
PARUTIVEERAN (oder so) war eine Mischung aus Bollywood, Tristan und Isolde und Italienischem Realismus. 2 ½ Stunden Liebe, Gewalt, Schicksal, Tragik, dazu Musik und Tanz bis zum Überdruss. Wusste manchmal nicht, ob ich hier eine glaubwürdige, realistische Geschichte oder eine Oper sehe. Boah ... Bin zwischendurch mal raus um Schokolade zu kaufen, habe trotzdem etwa eine ½ Stunde des Films verschlafen. Wahrscheinlich gar kein schlechter Film, der meines Wissens Themen, die im Indischen Kino ansonsten tabu sind, wie z.B. Gewalt gegen Frauen, auf die Leinwand brachte. Kein Happy End! Aber die Sehgewohnheiten eines Mitteleuropäers sind doch etwas anders als die eines Inders, vermute ich.
Ja, CITY OF GOD hat mich auch begeistert. CITY OF MEN (http://www.moviemaze.de/media/trailer/3718,city-of-men.html) (der Trailer ist erheblich reißerischer als der Film!) nicht weniger. Sehr beeindruckend fand ich, dass der Fokus dieses Filmes viel mehr auf die Charaktere der beiden Protagonisten gerichtet ist, auf ihre individuellen Geschichten vor dem Hintergrund der Verhältnisse in den Favelas. Das wirkt alles sehr authentisch und glaubwürdig, fast dokumentarisch und ist daher wirklich anrührend. Mir fiel auch – aber nicht nur – im Zusamenhang mit diesem Film das Wort „Empathie“ ein. Ich hatte das Gefühl ich erlebe die Geschichte der beiden Hauptfiguren selber mit. Darüber hinaus ist COM aber auch ein rasanter, actiongeladener Film mit einem messerscharfen Rhythmus und viel Musik. Es lohnt sich daher auf jeden Fall, den Film auf der großen Leinwand zu sehen. Großartig! (Aktuelle Brasilianische Musik wäre auch noch mal ein Thema. Kennt sich da jemand aus?)
Klaus Kinski, der alte Berserker! Ich habe vor einigen Jahren mal den Werner Herzog-Film MEIN LIEBSTER FEIND gesehen. Hat mich sehr beeindruckt. Dieser Wahnsinnige! Ebenso charismatisch wie unerträglich, sensibel wie gewalttätig, sexy wie abstoßend, talentiert wie überheblich. Immer über die Grenze. Wie ist denn der ERLÖSER-Film so?
Jürgen.
außerdem hatte ein film meines verleihs premiere: JESUS CHRISTUS ERLÖSER - ein dokumentierter auftritt von klaus kinski 1971 im berliner sportpalast, der in tumult, publikumsbeschimpfung und größenwahn endet... kommt ende april regulär in die kinos.
Ist es das hier? (ja, ich weiß...youtube, aber.)
http://www.youtube.com/watch?v=rISgtd1EhlY
http://www.walexplodiert.de/_images/smilies/dingsbums.gif
schindelbeck
18.02.2008, 01:12
Klaus Kinski, der alte Berserker! Ich habe vor einigen Jahren mal den Werner Herzog-Film MEIN LIEBSTER FEIND gesehen. Hat mich sehr beeindruckt. Dieser Wahnsinnige! Ebenso charismatisch wie unerträglich, sensibel wie gewalttätig, sexy wie abstoßend, talentiert wie überheblich. Immer über die Grenze. Wie ist denn der ERLÖSER-Film so?
Jürgen.
Ja, ein göttlicher Irrer. Aus dem Herzog Film hat mich neben vielen weiteren Szenen der direkte Vergleich mit Mick Jagger als Alternativ-Besetzung für Fitzcarraldo beeindruckt. Es ist diese Szene auf dem Kirchturm, wo F. wie ein Irrer die Glocken läutet und herumkrakeelt. Mick wirkt da wie ein grinsender Idiot und völlig laienhaft gegen Kinski - aber man tut ihm natürlich unrecht wenn man ihm an diesem irren Genie misst...
Grüße
Frank
jodeffes
18.02.2008, 12:29
Ja, ein göttlicher Irrer. Aus dem Herzog Film hat mich neben vielen weiteren Szenen der direkte Vergleich mit Mick Jagger als Alternativ-Besetzung für Fitzcarraldo beeindruckt. Es ist diese Szene auf dem Kirchturm, wo F. wie ein Irrer die Glocken läutet und herumkrakeelt. Mick wirkt da wie ein grinsender Idiot und völlig laienhaft gegen Kinski - aber man tut ihm natürlich unrecht wenn man ihm an diesem irren Genie misst...
"Göttlicher Irrer" trifft es genau! Die von Dir beschriebene Szene ist mir auch gut in Erinnerung. Sehr treffend beschrieben. Kinski wirkt als würde er in Flammen stehen, Jagger kommt einem dagegen bestenfalls lauwarm vor.
Man sollte aber auch erwähnen, dass Kinski - bei aller Faszination, die er ausstrahlt - wohl oft absolut unerträglich war, seine Mitmenschen psychisch terrorisierte und sogar gewalttätig wurde. In dem Herzog-Film wird doch erzählt, wie er in seiner Frühzeit ganze Badezimmer zertrümmerte. Auf dem Filmset von AGUIRRE (glaube ich) , irgendwo mitten im südamerikanischen Dschungel, hat er mit dem Säbel um sich geschlagen und das gesamte Filmteam derart terrorisiert, dass der Häuptling eines Indianerstammes, der Herzog als Comparsen diente, diesem anbot, Kinski zu töten! Und Herzog erwähnt auch, dass er bloß mit dem Kopf hätte nicken müssen und Kinski wäre ein toter Mann gewesen. Später hat Herzog sogar mal mit einem Benzinkanister vor Kinskis Haus gestanden und wollte dieses - vermutlich komplett mit Kinski - abfackeln. Er hat sich aber dann doch noch eines besseren (?) besonnen.
Haarsträubend!
Jürgen.
jodeffes
18.02.2008, 12:30
Hoppla,
Beitrag aus Versehen zwei mal abgeschickt ...
J.
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