Robben Ford mit der hr-Bigband in der Rüsselsheimer Jazzfabrik, 14. März 2015

16.03.2015 09:18 von jazz (Kommentare: 0)

 

 

Robben Ford - Photo: Mümpfer

Text & Fotografie: Klaus Mümpfer
 

 

Grenzgänge von Blues und Jazz

 

Auf der Bühne des Rüsselsheimer Theaters liefert sich der Gitarrist Robben Ford ein heißes Duell mit dem Tenorsaxophonisten Tony Lakatos. Die klirrend und gleißend gerissenen Akkorde des 64-jährigen Kaliforniers stehen im Ruf-Antwort-Spiel mit dem röhrenden und expressiven Spiel des Mitglieds der hr-Big Band. Vielleicht verdankt die Interaktion ihre extreme Vitalität der Tatsache, dass Ford einst zuerst das Saxophonspiel lernte, bevor er zu dem Saiteninstrument griff. Wahrscheinlich ist es auch die Vergangenheit des Gitarristen mit dem 1986er Engagement bei dem Jazz-Giganten Miles Davis und der Schule bei der Blues-Legende Charles Musslewhite, die ihn in beiden Lagern – soweit man den Blues nicht als eines der Fundamente des Jazz sieht – verwurzelt. Und noch immer wohnen zwei Seelen in seiner Brust des Mannes, was ihn schließlich auch zu der Zusammenarbeit mit der hr-Big Band geführt hat.

 

Das Publikum beim Konzert der Jazzfabrik im ausverkauften Rüsselsheimer Theater erlebt mitreißende Grenzgänge zwischen Jazz und Blues. Die hr-Big Band mit ihrem Dirigenten Ed Partyka und den zahlreichen virtuos mitreißenden Solisten lässt den Shuffle rhythmisch rocken, antwortet mit kompaktem Sound und harter Perkussion auf die stets eleganten und brillanten melodischen Gitarrenläufe des für sein Legato-Spiel gerühmten Robben Ford. Es ist diese ausgewogene Mischung zwischen dem Staccato-Picking und den weicheren, fließend klingenden Legato-Linien, die das Spiel spannend macht. Natürlich durfte im Programm auch eine Bob-Dylan-Komposition (Most likely you go your way“) nicht fehlen. Schließlich hat der Gitarrist, der immerhin besser singt als die Song-Legende, diesen kurzzeitig begleitet.

 

Für das Konzert mit dem amerikanischen Sänger und Gitarristen haben Partyka und die Big Band Stücke von Fords Alben „A day in Nashville“ sowie „Bringing it back home“ vorzüglich neu arrangiert. Es wird stark bluesig und rockig, manchmal aber auch balladesk und sensibel, wenn etwa der Gitarrist und die 17 Musiker aus der Main-Metropole Duke Ellingtons „Sophisticated Lady“ oder den „Traveler´s Waltz“ aus der Feder von Fords Ehefrau Anne Kerry interpretieren. Die Big Band trifft mit der gewohnten Souveränität die Ellington-Moods und der Gitarrist beweist, dass er auch ein Meister der filigranen und melodiösen Läufe ist. Über dem getragenen und langsamen Klangteppich der nahezu sinfonischen Einleitung entfaltet Oliver Leicht tänzerisch beschwingt ein Solo auf der Bassklarinette und Ford singt einfühlsam mit warmer Stimme.

 

Zuvor hatte der Gitarrist mit einem Quintett aus der Rhythmusgruppe der Big Band in seiner Komposition „Roberta“ Einflüsse des Rock´n Roll und Blues mitreißend verarbeitet. Den Soundteppich dieses schnellen Blues bildet die Hammond-Orgel mit Peter Reiter, über dem Ford eines seiner typischen Soli mit hart angerissenen und gleißenden Akkorden sowie nur sparsamen Glissando-Linien auf der alten 60er Telecaster spielt – ein Klang, der von seinem Dumble-Verstärker unterstützt wird.

 

„Ford lässt dem Blues Flügel wachsen, ohne ihm den Mississippi-Schlamm  von den Schuhe zu schütteln“, formuliert der Pressetext blumig. Das begeistert applaudierende Publikum stimmt zu und fordert erfolgreich Zugaben wie den B.B. King -Hit „Three o´clock in the morning“, sowie einen stampfenden Big-City-Blues, den die Bigband ebenso stilsicher bewältigt wie zuvor schon die Ford-Kompositionen „Top Down Blues“ und „Robben´s Blues“.

TheJazzPages

Text und Photographie von Klaus Mümpfer

 

 

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