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Kontrastreiche „Ladezone“ in Rüsselsheim, 22. November 2015

25.11.2015 16:02 von jazz (Kommentare: 0)

 

 

Ladezone - Photo: Mümpfer


 

 

Die fünf Musiker aus Köln und Hamburg – alle der Talentschmiede der Rüsselsheim IKS-Swing Kids in der gleichnamigen Bigband entflogen – treffen sich zum gemeinsamen Improvisationsspiel im originellen Kontrast von Tradition und Free. Sie beginnen ihr Konzert fast trügerisch harmlos mit einer sanften Einleitung aus filigranen Gitarrenläufen, gedämpfter Posaune, sensiblem Schlagzeug und einer gestrichenen Bass-Linie. Doch bald schon steigern sich Intensität und Tempo zu einem nahezu orgiastischen Kollektiv, in das das Altsaxophon einstimmt. Das Quintett „Ladezone“ um den in Nauheim aufgewachsenen Posaunisten Moritz Wesp mit der Saxophonistin Anna-Lena Schnabel, dem Bassisten Alexander Dawo, dem Schlagzeuger Leif Berger und dem Gitarristen Nicola Hein vereint sich in einem energetischen „Choral“ und schnürt nahtlos den „Asthma-Blues“, „Trüt“ sowie eine Wesp-Komposition ohne Titel in einem Set zusammen.

 

Erst seit Sommer dieses Jahres spielen die fünf jungen Musiker frei von Konventionen in der Gruppe „Ladezone“ zusammen. Im Rüsselsheimer Kulturzentrum „Rind“ trafen sie bei einem interessierten Publikum auf offene Ohren.

 

Dass die Interaktionen so gut aufeinander abgestimmt sind, liegt einerseits in den gemeinsamen musikalischen Erfahrungen der Kölner Musikszene begründet, andererseits darin, dass Wesp in seinen Kompositionen lediglich das Thema vorgibt, den Partnern in der Ausgestaltung der Soli reichlich Raum für freie Improvisationen lässt.

 

Wesp ist es auch, der das vornehmlich treibende Trio aus Bass, Schlagzeug und Gitarre immer wieder mit ruhigeren, fast sanften Passagen auf den Boden des konventionellen Jazz zurückholt. Schabel ergänzt dies dann mit expressiven Ausbrüchen auf dem Altsaxophon sowie ostinaten Akkordeinwürfen. Allein Gitarrist Hein bricht aus diesem insgesamt der Tradition verpflichteten Konzept aus, indem er auf der Gitarre mit allerlei Zutaten von Metallstäben, Bogen, Hölzern und Elektronik frei improvisiert und Geräuschcollagen produziert, aber in den entsprechenden Passagen melodische und akzentuierte Linien zupft. In den lyrischen Parts des Posaunisten greift die Saxophonistin dann zur Querflöte, um die Stimmung abzurunden. Hin und wieder verklingt ein Finale schwebend mit dem Zusammenklang von Whistle, gedämpfter Posaune und leisem Beckenstrich im Raum des „Rind“.

 

Titel wie „Ironische Allergien“, „Über die Schönheit der Kopfhängerei“ oder „Zahnweh Zahnfee“ verraten viel über die humoristischen Hintergedanken des Komponisten Wesp.

 

Es sind die nie nachlassende Energie sowie dieser Kontrast aus freien Improvisationen und harmonisch orientiertem Hardbob, der Wechsel von Up-Tempo-Passagen und getragenen Phasen, die die langen Sets so kurzweilig hörenswert machen. Kein Wunder, dass „Ladezone“ nicht ohne Zugabe von der Bühne entlassen wurde.

TheJazzPages

Text und Photographie von Klaus Mümpfer

 

 

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