Es
ist erstaunlich, was eine Sängerin mit zwei Worten alles anfangen
kann. „All Blues“ von Miles Davis ist eine Komposition, die mit
minimalen Vorgaben der Improvisation viel Raum lässt. Das Trio mit
dem Saxophonisten Ulli Jünemann, dem Gitarristen Christian Eckert
und der Sängerin Kathrin Scheer kostet diese Freiheit aus. Jünemann
bläst auf dem Saxophon singbare Linien, die Eckert mit einer hellen
Klangfläche der mit einem Induktionstonabnehmer verfremdeten Gitarre
unterlegt.
Der Rhythmus kommt von einem der Laptops, die die beiden Musiker mit Eigenproduktionen gefüttert haben. Ein wenig verrucht, aber keineswegs rau sowie später mit Elektronik manipuliert bei der Begleitung des Saxophons, spielt die Sängerin mit den in „All Blues“ mit Worten nicht minder virtuos als im anschließenden „Stella by Starlight“ von Victor Young. In der Regel werden die Gitarrensoli Eckerts dezent mit elektronischen Sounds ergänzt, weniger verfremdet. Vorherrschend sind Akkord-Reihungen an Stelle von Singlenote-Läufen - ganz in der Tradition eines Jim Hall, der mit konzentriert lyrischem Spiel einen natürlich wirkenden elektrischen Sound pflegte.
Jünemann und Eckert erzeugen so Klänge und Rhythmen mit Swing und Lounge Stimmungoder reichern ruhige Balladen an, die von der hellen und klaren Stimme Kathrin Scheers abgerundet werden. Die ausdrucksstarken Interpretationen der Sängerin wecken zumeist Assoziationen an Bossa Novas und Sambas, bei „You don´t know, was love is“ eher an Jazz-Ladies wie Dinah Washington oder Billie Holiday.
Ulli
Jünemann nutzt die Elektronik äußerst sparsam und fast
konventionell, um mit sich selbst im Duett zu spielen oder mit Hall
und Echo den Sound des Saxophons raumfüllend aufzublasen. Nur hin
und wieder nutzt er den Computer zum Scratchen. Die Songs der
Sängerin umspielt Jünemann mit dem Saxophon, schmiegt sich
girlandengleich verzierend an die Stimme, während die Gitarre
flächige Sounds unterlegt. Das alles ist ungemein relaxed und lebt
von eher unterschwelligen feinnervigen Spannungen. Manchmal glaubt
der Zuhörer Harmonika-Klänge zu vernehmen, ein anderes Mal erhält
der Rhythmus einen Hip-Hop-Touch.
Weit schwingende Spannungsbögen bauen die Musiker und die Sängerin mit Ostinati und Intensitätssteigerungen. Besonders reizvoll ist bei diesem spärlich besuchten Konzert in der Showbühne die Bearbeitung einer Geschichte von „Knopf und Zwiebel“ aus dem „Sapporo meets Janosch“-Projekt Eckerts, das auch auf einem empfehlenswerten kleinen Büchlein mit CD vorliegt.

Kathrin Scheer pendelt zwischen Sprechgesang und Vokalisen, die
Gitarren steuert helle Klangfarbenspiele bei und das Saxophon
schwebende Echos – wie überhaupt samtiger und lyrischer Sound das
Konzert prägte. Wenn Lyriker am Werk sind, ändern auch elektronische
Spielereien nichts an der Grundstimmung..