Jazzband „superfro“ in Stadecken-Elsheim, 31. März 2017

02.04.2017 21:11 von jazz (Kommentare: 0)

 

Photo: Mümpfer

 

Vor acht Jahren, so erzählt Pianist Simon Höneß, habe sich das Quartett „superfro“ auf akustische Instrumente konzentriert. Seitdem will die Band mit ihrem „Acoustic house jazz“ Bilder im Kopfkino zeichnen. Die Stücke des Quartetts, das auf Einladung von „Kultur in Stadecken-Elsheim (KiStE) vor zahlreichen begeisterten Zuhörern spielt, führen in einen akustischen Filmsaal. So weckt die Musik immer wieder Assoziationen. Es sind Erinnerungen an Norwegen, an den Orient, an Bali.

 

Höneß, der die meisten der Eigenkompositionen des Quartetts „superfro“ geschrieben hat, ist ein charmanter Moderator und eindringlicher Geschichtenerzähler. Seine Schilderung vom Marsch durch die Sahara und der Begegnung mit dem Kalifen unterlegt Bassist Frowin Ickler mit Skalen und nahöstlichen Farben sowie einem ausgedehnten Solo auf dem mächtigen Kontrabass mit harmonisch reizvollen Wendungen und zahlreichen Verzierungen. Jan Beiling mit dem Sopransaxofon, Pianist Simon Höneß und Percussionist David Tröscher nehmen die Stimmungen auf.

 

Der Zuhörer kann die meditative Starre des Komponisten bei der Beobachtung des absoluten Nichts in „Viewig the Fjord“ ebenso nachvollziehen wie die beschwingte  Samba, die ein uniformiertes Polizistenpärchen im südfranzösischen Avignon zu später Stunde nach der Straßenmusik von „superfro“ tanzt. Zuvor hatten die Gesetzeshüter stundenlang der Musik zugehört und sich zum Abschluss dies gewünscht. Die Gesichter spiegeln die Spielfreude der vier Akteure wider. Höneß hämmert im Stehen in die Tasten, das Quartett verliert sich bei „Not my wife´s song“ im lustvollen Durcheinander.

 

Erinnerungen an einen alptraumhaften Urlaub in Bali wecken die Hahnenschreie auf dem gepresst geblasenen Tenorsaxofon und an das später lärmende Gamelanorchester im crescendo des Quartetts unter der expressiven und harten Führung des Pianisten. Eine Bass-Intro führt in das „Karwendel“-Gebirge, „Paarfärchen“ illustriert das Verhältnis der Freundschaft zweier Personen, die weder Paar sind noch eine Affäre haben.

 

Die Stücke sind mal mitreißend im Up-Tempo, mal lyrisch getragen, aber fast immer groovend und funky. Der Funke springt schon früh zum Publikum über, das reichlich Beifall spendet. „Ein Geräusch, das wir gerne hören“, gesteht die Band.

 

Schon die Instrumentierung des Percussionisten fällt auf. David Tröscher verzichtet auf die herkömmlichen Trommeln des Schlagzeugs, klopft den teilweise rasanten Rhythmus auf der Kistentrommel Cajon und den beiden Bongos, streicht den afrikanischen Tonkrug Udu mit den Besen und färbt das Spiel mit Becken und Klangstäben. Ickler nutzt den Korpus des Basses zur Percussion und Höneß hämmert in „Stop and go“ den Anfangsakkord mit voller Wucht in die Tasten des Klaviers. Ansonsten verrät sein teils fließendes, teils sperriges Spiel eine Vorliebe für Repetitionen oder gar Ostinati.

 

„superfro“ mutet dem Publikum, das mitklatscht und stehend Ovationen spendet, keinen akustisch anstrengenden Hochleistungssport zu. Die Musik ist funky und sprühend sowie auch in den schnellsten Passagen eingängig im Hauptstrom des Jazz verhaftet. Es sind eben in Musik umgesetzte Geschichten.

 

Davon zeugt die CD „up & down“ mit ihren elf Titeln. An diesem Abend präsentiert das Quartett aber auch neue Stücke, die es für die künftige CD, die im Herbst erscheinen soll, konzipiert hat.

 

TheJazzPages

Text und Photographie von Klaus Mümpfer

 

 

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