Hermann Kock mit „Klangcraft“ in Nieder-Olm, 18. März 2016

20.03.2016 22:37 von jazz (Kommentare: 0)

 

 

Klangcraft - Foto: Mümpfer

 

 

Das Trio „Klangcraft“ ist aus dem Duo „2men Group“ mit dem Schlagzeuger Hermann Kock und dem Bassisten Moritz Grenzmann hervorgegangen. Vor sieben Jahren lernten sie sich an der Musikhochschule Mainz kennen  und 2015 kam der Pianist und Keyboarder Manuel Seng hinzu. Er erwies sich als idealer Begleiter des Duos, weil er nicht klischeehafte Tastenakrobatik betreibt, sondern die Melodielinien der rechten Hand mit eleganter Logik aufbaut. Schon als Duo produzierten Kock und Grenzmann mehr als „Drum ´n ´Bass“ – nun wird der drivende Funk durch ein Melodieinstrument erweitert, das mühelos die Aufgabe von Bläsern zu übernehmen vermag. Das Trio präsentiert einen kraftvollen und zumeist schnellen Funk-Jazz von ungeheurer Energie.

 

Kock leitete „Afro fields“ mit einem rhythmischen Fluss der Trommeln, Toms und Becken ein, schlug die Bassdrum mit raffiniertem Pedalspiel in Double-Time, steigerte das Tempo mit zahlreichen Fill-In-Überlagerungen und erzeugte Spannung durch seine Fußostinati in den verschiedenen Variationen des Viertel-Taktes. Beim Konzert in der Nieder-Olm Eventlocation „Gleis 3“ klopfte Kock seine rhythmisch wiederkehrenden Handpatterns auf den kleinen Trommeln und strich mit den Besen über die Becken, bevor die beiden Partner nach einem langen Solo einstiegen.

 

Die Kommunikation der drei Musiker funktionierte mit traumhafter Sicherheit. Pianist Seng lieferte eng verzahnte Duette mit Kock, unterlegte die polyrhythmische Schlagarbeit bis zum orgiastischen Höhepunkt mit fingerfertigen Läufe und Akkordreihen. Moritz Grenzmann steuerte seine unnachahmlichen Läufe auf dem sechssaitigen Bass bei. Er hat eine Anschlagtechnik entwickelt, in der er mit schwungvollen Tappings auf den Bundstäbchen des Griffbretts Flageoletttöne erzeugt, Akkorde greift und gleichzeitig die Basslinien spielt. Die Flageolett genannten Obertöne zu den  Grundtönen sind an sich schon schwer zu identifizieren, weil das menschliche Gehirn Grund- und Oberton automatisch zusammensetzt. Im „Gleis 3“ bereitete die Raumakustik zusätzliche Probleme.

 

„Heftige Unwucht“ mit seinen verzwickten und verschiedenen Metren ist ein bekannter Titel aus der Duo-Zeit von Kock und Grenzmann. Mit dem Keyboarder groovte er noch stärker, baute Spannungen mit drängenden Ostinati auf und trieb mit einem Bass-Stakkato und schnellen Trommelwirbeln zu rasenden Pianoläufen dem Höhepunkt zu.

 

Eher melodisch klang die harmonisch reizvolle Basslinie   in „Forest Flow“, ebenso wie das Pianospiel von „In a dream“ oder das Thema von „A Barboleta“. Das Publikum im „Gleis 3“ genoss die treibenden funky Rhythmen und Melodien des außergewöhnlichen Trios.

 

In wenigen Wochen wird die neue CD von „Klangcraft“ erscheinen – mit der Sängerin Judith Erb und ihrer samtweichen sowie ausdrucksstarken Stimme. Es wird die Zweite CD des Quartetts von Hermann Kock sein.

TheJazzPages

Text und Photographie von Klaus Mümpfer

 

 

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