Die
ersten Akkorde und rhythmischen Verschiebungen wecken
Assoziationen an den Pianisten Thelonious Monk. Dann schält
sich das Thema heraus: „Ask me now“ ist in der Tat eine der
Kompositionen des legendären Querdenkers des Jazzpianos aus dem
Jahr 1951. Er selbst hat es mit dem Bassisten Al McKibbon und
dem Schlagzeuger Art Blakey aufgenommen, über dem langsamen
Grundtempo für seine Verhältnisse erstaunlich viele Noten
gespielt. Das Trio der Pianistin Anke Helfrich mit dem Bassisten
Martin Gjakonovski und dem Schlagzeuger Dejan Terzic wird den
Intentionen Monks gerecht, als die Trägerin des Jazzpreises der
Stadt Worms in einem Konzert das Thema interpretiert.
Die Kunst des Piano-Trios hat die Geschichte des Jazz bis zum heutigen Tag mitgeprägt. Die intime Besetzung verlangt eine einfühlsame Kommunikation der Musiker und legt zugleich für den Zuhörer selbst kleine Schwächen des Spiels offen. Beim Preisträgerkonzert mit der Pianistin Anke Helfrich lebten die fast ausschließlich eigenen Kompositionen von nahezu perfekten Interaktionen und technischer Brillanz der Künstler. Bassist Martin Gjakonovski und Schlagzeuger Dejan Terzic bildeten mit der Pianistin einen homogenen Klangkörper, der in leisen und lyrischen Themen ebenso harmonierte wie in den groovenden oder frei improvisierten Powerplay-Passagen.
Anke Helfrich spielt mit kräftigem und dennoch differenzierendem Anschlag. Sie kann in perlenden Läufen ungemein swingen, aber auch mitreißend grooven oder mit der verqueren Rhythmik eines Thelonious Monk spannungsgeladen Akkordblöcke aufschichten. Die Akustik der „Kapelle“ in der Prinz-Karl-Anlage ließ den Flügel zwar etwas hohl klingen. Dies konnte den Genuss der Zuhörer jedoch kaum trüben, die denn auch eine swingende Zugabe erklatschten. Die Künstlerin aus Weinheim spielte an diesem Abend sehr relaxed und zugleich äußerst intensiv, wozu ihre Begleiter einen guten Teil beitrugen.
Dejan
Terzic trommelt äußerst präzise in Time, arbeitet mit den
Besen auf Fellen und Becken sehr sensibel, vermag aber auch
seine einfallsreichen Soli im Powerplay in den Vordergrund zu rücken.
Martin Gjakonovski zupft die Saiten des Kontrabasses in den
solistischen Linien mit oftmals überraschenden harmonischen
Wendungen, als Begleiter aber auch in marschierenden
straighten Läufen.
Eckige Bebop-Passagen werden in diesem vorzüglichen Trio glücklicherweise nicht geglättet, in den balladesken Passagen aber die sinnliche Lyrik gepflegt. „Song for Larry“ ist so ein kammermusikalisches Kleinod, „Der Turm“ ein Beispiel für expressive freie Improvisationen. In „Upper Westside“ komponierte die Pianistin Soundcollagen der Großstadthektik und der Feuerwehrausfahrt, neben der Anke Helfrich in New York eine Zeitlang wohnte, mit einem Fünf-Viertel-Takt bringt sie intensive Spannung in ihre Komposition „Movin´ in“.
Vor
dem Konzert hatten Florian Gerster, der Stifter des Jazzpreises
der Stadt Worms, Oberbürgermeister Michael Kissel und
BlueNite-Initiator Volker Wengert die wachsende Bedeutung der
Stadt als nicht mehr heimliche Metropole des Jazz in
Rheinland-Pfalz hervorgehoben, auf die lange Konzert-Tradition
dieser Musik in der Stadt hingewiesen und die Preisträgerin als
eine Künstlerin „auf dem Weg in die erste Reihe der Szene“
gewürdigt. Das Preisgeld von 5000 Euro will die Pianistin und
Komponistin in ein neues Projekt stecken, das Porträt, das die
Wormser Künstlerin Ingrid Winter von Anke Helfrich gemalt hat,
wird sicher einen Ehrenplatz in der Weinheimer Wohnung bekommen.