
Text & Fotografien: Klaus Mümpfer
Obergs Partner Schubert ist - wie auch Namensvetter Matthias (mit dem Oberg ebenfalls spielte)- ein Energiebündel, das in harten Stakkati auf dem Alt- und dem Sopransaxophon explodiert, das die Instrumente knallend und nervös schnattern und schreien lässt, das Atemgeräusche und Überblastechnik in sein Spiel einbezieht. Schuberts Solo-Stück wird von rauen Atemgeräuschen eingeleitet, findet nach Stakkato-Variationen des harmonischen Grundgerüstes und kurzen melodischen Linien zu einem sonoren und sanft verklingenden Finale. Rasend schnelle Folgen wechseln sich mit leisen und getragenen Passagen ab. Ein anschließendes Duo trägt minimalistische Züge. Das Sopransaxophon zwitschert, fließende Läufe werden mit Vibrato aufgelockert und kreisende Harmoniefolgen kommentieren das Klöppelspiel Obergs auf den Saiten des Flügels, das die Tennisbälle im Korpus tanzen lässt. Der Pianist reißt mit einer Hand die Saiten an und begleitet dies mit Single-Note-Trauben auf den Tasten. Die Stimmung wird durch exotische Klangfarben geprägt.
Irgendwann tauchen plötzlich Ragtime-Zitate auf. Auf
das Duo trifft der Spruch zu, dass zusammenwächst, was
zusammengehört.
Spontanes Komponieren hat Altmeister Albert Mangeldorf vor mehr
als zwei Jahrzehnten dieses freie Improvisieren genannt. „Instant
Composing“, so die heute gängige Bezeichnung, verlangt eine
besonders einfühlsame Kommunikation zwischen den Duo-Partnern.
Bei Oberg und Schubert stimmt die „Chemie“. Insofern gelten
selbst dem freien Jazz jene Grenzen, die das sensible
Aufeinandereingehen setzt. Innerhalb dieses dennoch weiten
Spektrums entwickeln die beiden Musiker mit ihren Spieltechniken
und Präparationen ungewöhnliche Klangfarben und Energieflächen,
die von den Zuhörern weit offen Ohren und musikalische
Abenteuerlust verlangen. Einzelne Besucher im überfüllten
Atelier sahen sich überfordert. Die anderen spendeten
anhaltenden Applaus und wurden mit zwei Zugaben belohnt.