
Fotos und Text: Klaus Mümpfer
„Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen“, reimte
Matthias Claudius im 18. Jahrhundert in „Urians Reise um die
Welt“. „Quadro Nuevo“ folgt musikalisch dem Wort des Reinfelder
Dichters und präsentiert auf CD sowie beim Konzert in der
überfüllten Wörrstädter Neubornhalle ihre Kompositionen einer
mehrjährigen Tournee durch Länder und Kontinente. Das Quartett
aus Bayern sammelte Impressionen aus Begegnungen mit Menschen
und Musikkulturen, um diese dann in den typischen
Quadro-Nuevo-Klangkosmos einzubinden. Da verschmelzen
Balkan-Folklore, Tango, Valse und Musette mit nahöstlicher
Harmonik und Melodik, Tango und Jazz zu einem süffigen Sound,
der die Zuhörer mitreißt und zugleich in Trance versetzen kann.
Kein Wunder, dass das Publikum die vier Künstler frenetisch
feiert und Zugaben erzwingt.
Evelyn Huber leitet „Antakya“ mit perlenden Notenketten auf der
Harfe ein, zupft ästhetische Melodielinien, kann aber auch
perkussiv Akkorde anreißen oder klopft gar mit der Hand auf den
Korpus des königlichen Instruments. In zwei Stücken klöppelt sie
das Hackbrett, das Salterio tedesco. Mulo Francel bläst auf dem
Sopransaxofon Harmonien von exotischem Reiz des Fasil, D.D.
Lowka unterlegt rhythmische Stakkati auf einer Handtrommel, die
der tönernen arabischen Darbuka gleicht und in manchen
Percussions-Soli setzt Lowka mit der Rahmentrommel teilende
Akzente. Ansonsten zupft Lowka den Kontrabass „straight“
marschierend oder in Läufen mit harmonischen Verzierungen. So
leitet er in zwei Kompositionen zur Quadro-Nuevos Goethe-Widmung
„Italienische Reise vom langsamen zum schnellen Teil über. Hin
und wieder greift er zum Bogen, um ihn wie in „Goasbock-Musik“
pizzicato-gleich mit Vibrato auf den Saiten hüpfen zu lassen.
Jene Komposition, mit der sich Quadro Nuevo vor allem bei einem
finalen Crescendo an den rumänischen Bauer Flori und seinen
schwarzen Geißbock mit den glasigen Augen sowie die
anschließende Schnaps-Orgie erinnert, ist eines der mitreißenden
Stücke dieses an Höhepunkten reichen Konzertes. Andreas
Hinterseher bietet sich dabei die Gelegenheit zu langen
Soloausflügen mit dem Akkordeon, die in schnelle Tutti
eingebettet sind. Zwischendurch zaubert er wehmütige
Melodielinien auf dem der Melodica ähnlichen Vibrandoneon und
greift beim abschließenden sanften „Aus der Stille der Nacht“
zum Bandoneon, um Lowka auf der Gitarre beim Erzählen von
Transsylvanien zu begleiten. Tänzerisch beschwingt bewegen sich
Harfe und Sopransaxofon bei „Bio-Paprika edelsüß“ in der
ungarischen Folk-Tradition.

Die Stimmungen und Klangfarben der Balkan-Folkore sind in fast
allen Kompositionen soundprägend. Wenn Francel zur Klarinette
greift, dann kann er sie wie ein Klezmer-Musiker jubilieren
lassen, auf der Bassklarinette bevorzugt er akzentuierende
Akkordeinwürfe zum Unterlegen der Harfensoli und „Die Reise nach
Batumi“ leitet der Musiker mit einem mehrstimmigen Solo auf dem
Instrument ein. Auf dem Alt- und dem Tenorsaxofon bläst er
Jazz-Phrasierungen, die swingend zwischen Cool und Bebop
angesiedelt sind, auf dem Sopransaxofon fasziniert er in einem
scheinbar endlosen Solo mit Zirkularatmung. Einem anderen
Gewürz, dem Mohn, widmet Quadro Nuevo ein sinnliches Stück, bei
dem Francel das Sopransaxofon persuasiv einsetzt und mit dem
Bogen zwischen den Zehen seines rechten Fußes die Psalter
streicht.
Humorvoll moderieren Mulo Francel und Evelyn Huber, erzählen
wortreich die Entstehung der Kompositionen und von den sie
inspirierenden Abenteuer. Es sind amüsante Geschichten vom
Khan-Palast auf der Krim, der Sage von Jason und dem goldenen
(dann schwarzen) Vlies oder vom Gleitsegeln ihres Akkordeonisten
Hinterseher auf Korsika. Humor und Spielwitz sowie die Exotik
der Quadro Nuevo-Klangfarben lassen ein begeistertes Publikum
zurück.
www.quadronuevo.de