
Text & Fotografie: Klaus Mümpfer
Die Bassistin Vroni Frisch ist bei diesem Doppelkonzert von „Kai
and the Gang“ und der „Phoenix-Foundation“ das verbindende Glied
beider Formationen. Von ihr, dem ehemaligen Mitglied des
rheinland-pfälzischen Jugendjazz-Orchesters, stammt die schönste
Eigenkomposition des Abends. „Lightly“, eine Blues-Ballade mit
spannenden rhythmischen Wechseln, einem fließenden und
perlenden, impressionistisch wirkenden Keyboard-Solo von
Winnie-Rimbach-Sator und einem vielschichtigen Schlagzeug-Spiel
von Mathis Grossmann über einer stupend laufenden Basslinie
zieht unter den fast ausschließlich eigenen Kompositionen des
Quartetts die zahlreichen Zuhörer in der Mainz „Showbühne“ in
Bann. Sänger Kai Werth besticht in einem Al-Jarreau-Song ebenso
wie in „Fresh“ von der amerikanischen Soul-,Funk- und Disco-Band
Kool and the Gang oder in seiner Soul-Komposition „Nimm Dein
Leben in die Hand“ mit deutschem Text. Drivend und groovend sind
die Kompositionen. Werth verfügt über eine ausdrucksstarke
Stimme, ist sicher in der Phrasierung bei Gesang und beim
Scatten.
„Chart Hits im Bigband-Format“ nennt Frank Reichert, der Leiter
der Phoenix-Foundation, das Programm mit Jazz- und
Pop-Kompositionen aus sechs Jahrzehnten, das er übrigens für ein
Gemeinschaftskonzert mit der US-Army-Band in Ramstein erarbeitet
hat. Zwischen Duke Ellingtons Medium-Shuffle Blues „Feet Bone“
und Glenn Millers berühmtem „In The Mood“ präsentiert das
Jugendjazzorchester Hits von den Beatles („Something), aus James
Bond-Filmen, von Earth Wind & Fire („Getaway“), Chicago („25 or
6 to 4“), Weather Report („Birdland“),Michael Jacksons
„Thriller“, Lady Gagas „Poker Face“ mit seiner leicht hüpfenden
Rhythmik, das groovende „Funky Sea, Funky Dew“ von Michael
Brecker sowie das elegische und getragene „Not to be forgotten“
von Pat Metheney mit seinen sanften und warmen Sounds.
Die Phoenix-Foundation spielt mit der gewohnten Präzision in der
Satzarbeit, den raffinierten Klangfarben, rhythmisch stets in
„time“ und mit mitreißenden Soli vieler seiner Mitglieder. Die
20 jungen Jazz-Cracks beweisen an diesem Abend, dass sie über
die eigentlichen Standards hinaus mit außergewöhnlichen
Bigband-Arrangements auch im Rock und Pop sicher zuhause sind.
Nach erfolgreichen Tourneen in China und Korea wird die
Phoenix-Foundation im März 2012 beim „Essentially
Ellington-Festival“ in Philadelphia gastieren.
In Mainz ist das Doppelkonzert der Auftakt einer engeren
Zusammenarbeit der Phoenix-Foundation mit der Musikhochschule
der Universität. Mit dieser und weiteren Kooperationen will der
Jazzbereich der Hochschule aus dem „Elfenbeinturm“ heraus
treten. Ein Anfang ist mit den öffentlichen Konzerten im „Roten
Saal der Hochschule bereits gemacht. Professor Sebastian Sternal
eröffnet in einem weiteren Schritt am 26. April im Frankfurter
Hof gemeinsam mit der Stadt eine neue Jazzreihe mit dem
Arbeitstitel „Treffpunkt Jazz“, bei der sich die Jazzabteilung
der Hochschule mit einer Dozenten-/Studenten-Band sowie beim
anschließendem Open-Stage mit weiteren Musikern präsentieren
kann. Konrad Georgi, Dozent für Jazzharmonielehre, könnte sich
eine Jazz-Gourmet-Reihe in Verbindung mit einem Weingut
vorstellen. Jazzfreunde werden diese Öffnung der akademischen
Welt begrüßen.