
Ein gestrichenes Bass-Solo weckt Assoziationen an die europäische
Romantik, die perlenden Gitarrenlinien und das sensibel flexible
Schlagzeugspiel mit Besen und Sticks bleibt verwurzelt im Modern
Swing. Der Begriff „kammermusikalischer Jazz“ wird oft klischeehaft
missbraucht, doch für das Trio des persischstämmigen Hamburgers
Massoud Godemann trifft die Bezeichnung voll und ganz zu. „Open
range“ ist eine Komposition des Bandleaders, in der der Bassist Gerd
Bauder in ein einfühlsames Zwiegespräch mit dem Gitarristen eintritt
und später sein Instrument straight marschieren lässt. Bauder füllt
seine Funktion als Pulsgeber des Trios voll aus, ist mit
Harmonie-Variationen und manchmal fast gitarrenähnlichen schnellen
Läufen kongenialer Partner Godemanns sowie zugleich mit der
Rhythmisierung das Bindeglied zum Schlagzeuger Michael Pahlich.
Godemann ist ein Poet unter den Jazzgitarristen, ein Ästhet wie etwa
Joe Pass. Seine filigranen Linien und die oftmals sparsam
eingesetzten Singlenotes vor allem in den Intros und im Finale der
an diesem Abend im Rüsselsheimer Jazzcafé „das Rind“ vorgetragenen
Eigenkompositionen verraten ein Gespür für eine in sich logisch
geschlossene Form. Das Spiel der drei Musiker lebt von
Interaktionen, impressionistischen Klangfarben und eingängiger
Melodiosität. In den meist von lyrischer Grundstimmung geprägten
Kompositionen, aber auch in den schnelleren und groovenden Stücken
bleibt Massoud Godemann stets stimmführend. A propos „Stimme“. Kaum
ein Ton auf der Gitarre bleibt unkommentiert. Scattend begleitet er
seine Läufe auf dem Instrument, färbt auf diese Weise den die Sounds
des Trios und rundet den Klangkörper ab.
Schön wie „Aphrodite“, die Göttin der Liebe, ist die gleichnamige
Kompostion, die Bauder mit einem gestrichenen Grundakkord einleitet,
der in flirrendes Saitenspiel übergeht, bevor Godemann zum sanften
Besenstrich Pahlichs kurze Singlenote-Linien einfügt, zu einem
perlenden Lauf wechselt und zum Ausklang einen Ton vibrierend stehen
lässt. Zu ostinaten Akkordgriffen auf dem Bass und sparsamem Spiel
auf den Trommeln schraubt Godemann in „Je t´aime“ die Dynamik seines
Saiten-Laufes bis zu fast unhörbaren, schwebenden Tonfolgen herab.
Kontrastierend dazu hält es den Gitarristen im schnellen und
groovenden „Kebop“ nicht auf dem Hocker. Bei einem von arabischer
Klangfarbe geprägten Lauf windet sich Godemann wie ein Derwisch. Die
Kompositionen illustrieren Geschichten aus dem Hamburger Umfeld der
Musiker. Die Zuhörer genießen diese geschmeidige Musik des Trio, die
dennoch nicht ganz auf Ecken und Kanten verzichtet und in der
Kommunikation Raum für Überraschendes lässt.