
„Hang Fire“ ist ein percussives Stück. Die Bläsersätze attackieren
mit schneidenden Riffs teils unisono, teils zweistimmig. Der Bass
marschiert straight, exponiert sich aber auch mit harmonisch
reizvollen Linien. Das Tenorsaxophon von Gary Fuhrmann und das
Flügelhorn von Martin Auer umspielen einander, parlierend im
Zwiegespräch. Dann rundet das Trio ein swingendes Piano-Solo ab.
Florian Gerster, Stifter des mit 5000 Euro dotierten Wormser
Jazzpreises sprach zu Beginn des Preisträgerkonzertes in seiner
Laudatio auf Gary Fuhrmann von einer „Faszination des ersten Tones“,
die den Zuhörer in ihren Bann ziehe und ihn nicht mehr loslasse. So
sei es ihm auch beim Anhören der Musik des Gary Fuhrmann Quintetts
gegangen.
Der
Wormser Saxophonist und Klarinettist, dem die Jury in diesem Jahr
den Jazzpreis mit klarer Mehrheit zugesprochen hatte, experimentiert
neuerdings in einem Trio mit DJ und Schlagzeuger auch mit
elektronischen Verfremdungen, blieb in seinem Konzert aber den
Bebop-Wurzeln treu, die er spielerisch mit Klangfarben vor allem in
den Duos der Bläser zeitgemäß personalisierte. Die Ballade „Heimat“
lebt von solchen Sounds auf der gestopften Trompete, in der Martin
Auer gehaucht und leicht aufgeraut Atemgeräusche wirken lässt. Dazu
bringt Drummer René Marx die Becken zum Schwingen, schiebt Pianist
Jean-Yves Jung sparsam Akkorde ein. Ein Charakteristikum der
Fuhrmann-Kompositionen sind Überraschungen, wie der in dieser
Ballade plötzliche Dynamiksprung zu einem kraftvollen Zwischenspiel,
in dem der Trompeter Melodiefragmente ostinat einsetzt, Bassist
Matthias Nowak Harmonievariationen auf dem Kontrabass streicht und
der Pianist perlende Single-Note-Trauben greift. Hymnik geht in
leichte Melancholie über, bevor das Quintett „Heimat“ sanft und
schwebend verklingen lässt.
Swingend und funky groovt „Scon
Song“ mit einem ekstatisch treibenden Duo der Bläser in auf- und
abschwellenden Unisono-Passagen. Stakkatoläufe von Trompete und
Saxophon leiten in „So far“ zu einem getragenen Solo auf dem
Tenorsaxophon über, münden später in Bebop-Riffs und enden mit einem
hymnischen Ausklang. In einem anderen Stück kann Nowak in einem
Bass-Solo seine Linien mit harmonisch raffinierten Wendungen
verzieren, bläst Fuhrmann auf dem Saxophon einen „singenden“ Lauf.
Eine der lyrischen und verspielten Kompositionen ist „l`ocean“ mit
sanfter Melodie vor den Ostinati auf dem Piano. In der Zugabe
zauberte Pianist Jung auf den Klaviertasten Monk´sche Sperrigkeit,
verabschiedeten sich Fuhrmann, der mit trockenem Humor das Konzert
moderierte, und Auer mit Soli Klarinette und Trompete.
Der Wormser Oberbürgermeister Michael Kissel, der an diesem Abend gemeinsam mit Gerster den Jazzpreis überreichte, zeigte sich stolz, dass erstmals ein Wormser Musiker die renommierte Auszeichnung erhalte. Dass die Ehrung „etwas bewirkt“, daran erinnerte Volker Wengert von der Initiative „BlueNite“ ( die die Organisation übernommen hatte). So habe die Pianistin Anke Helfrich inzwischen internationale Anerkennung gefunden, hätten der Saxophonist Steffen Weber und der Posaunist Christof Thewes erfolgreiche Projekte realisiert.
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Text und Photographie von Klaus Mümpfer