Schier
grenzenlose Energie fließt aus dem Spiel des französischen
Saxophonisten Eric Plandé – ganz gleich, ob er nun eine Ballade wie
den von Paul Motion geschriebenen „Folk Song for Rosie“ oder das aus
seiner Feder stammende Up-Tempo-Stück „A une heure du matin“
interpretiert. Plandé windet sich auf der Bühne des Jazz-Cafés „das
Rind“, bläst sich die Seele aus dem Leib. Sonore Stakkati wechseln
mit überblasenen High-Notes auf dem Tenorsaxophon.
Der Franzose hat Charlie Parker verinnerlicht, dann aber einen
eigenen Ton entwickelt, der die rasend schnellen und explosiven
Läufe bewahrt, die Töne anderseits lang angehalten wirken lässt. So
verbindet Plandé in seinem Spiel
Parker
mit Coltrane, der wiederum mit melodischen Riesenbögen solche
Soundflächen kreiert hat. Im Rüsselsheimer Konzert wird dies von
einem beständig in einer Tonhöhe gestrichenen Kontrabass betont.
Das Trio-Konzert mit dem Schlagzeuger Bülent Ates und dem Bassisten
Jürgen Wuchner beginnt im „Rind“ furios mit dem Titel „Amok“, in dem
über einem pulsierenden Drum-Set das Tenorsaxophon zunächst ostinat
wirkende Themenvariationen legt, nach einem Bass-Solo mit vielen
überraschenden harmonischen Wendungen in ein kochend heißes Solo mit
überblasenen Akkordfolgen in den hohen und mittleren Lagen wechselt.
Jürgen Wuchner, der bewährte Integrator, zupft die Saiten stets
kraftvoll, greift die hohen Tonlagen auch mal kurz über und unter
dem Steg, wechselt wie in „Bourlinguer“ von harmonisch verzierendem
Sololauf in eine straight marschierende Begleitung.
„Vive la muerte“ hebt zunächst getragen mit sangbaren
Saxophonlinien an, Wuchner legt im Solo einen erdigen Bass-Lauf in
tiefen
Lagen
grundierend, den Plandé mit einem knalligen Stakkato in den
mittleren Lagen des Tenorsaxophons ablöst. Ates hat dann in
„L´Antechrist“ die Gelegenheit die Stöcke auf der kleinen Trommel
wirbeln zu lassen, während er mit präziser Fußarbeit gewittergleich
die Basstrommeln bearbeitet.
Hin und wieder hat der Zuhörer den Eindruck, dass das
Zusammenspiel des Bassisten und des Schlagzeugers perfekter
funktioniert, als das mit dem Saxophonisten. Ates vor allem steht
die Freude über die expressiven Tutti und kommunizierenden Duos ins
Gesicht geschrieben. Plandé´s Körper windet sich im Rhythmus, wenn
Wuchner seine zupackenden Soli greift.
Andererseits gewährt Plandé seinen Mitspielern viel Freiheit, die sie in ihren Soli auskosten - so wie er in seinen ekstatischen und leidenschaftlichen Läufen zwischen Hardbop und Free den Sound des Abends bestimmt. Plandé ist ein kreativer Wilder auf seinem Instrument wie in seinen Kompositionen.