
Das ist der Stoff, aus dem Funk gemacht wird. Die holländische Saxophonistin Candy Dulfer, inzwischen 40 Jahre alt und noch kein bisschen leiser, verfügt über einen kraftvollen beseelten Ton auf dem Altsaxophon und eine charismatische Ausstrahlung als Entertainerin. Sie hat sich längst aus dem stilistischen Einfluss von Maceo Parker und David Sanborn gelöst und einen eigenständigen Ausdruck gefunden. In blaues und rotes Licht getaucht, wirbelt sie auf unglaublich hohen Bleistiftabsätzen über die Bühne, schüttelt die blonde Mähne, reckt das Saxophon gegen den Bühnenhimmel oder neigt sich bis fast zum Boden, während die Begleitband mit dem bezeichnenden Namen „Funky Stuff“ ihren Saxophonausflügen mit wuchtigen Grooves unterlegt.
In
einer Ballade erhält Ulco Bred die Gelegenheit zu einem ausgedehnten
Solo auf der Gitarre mit schier endlosen, glissandierenden
Spannungsbögen von ungeheurer Intensität, das Dulfer mit einem
soulgetränkten Saxophon-Solo abschließt. Mit Trompeter Jan van
Duikeren liefert sich Dulfer gleißende Duelle bevor dieser in „Pick
Up The Pieces“ in einem langen Solo sein Instrument mit stählerner
Härte bläst. Eine besondere Partner-Rolle in dieser Mixtur aus
Funk-Jazz, Rhythm & Blues, Soul sowie Elementen von Hip-Hop und
Dance-Floor spielt der Keyboarder und Sänger Chance Howard, der
Candy Dulfer einige Songs auf den Leib geschrieben hat und mit dem
sie in Gesang-Duetten agiert.
„Life Of The Party“ ist einer der Titel an diesem Abend. Mit
hinreißender Präzision und der rhythmischer Schubkraft gebiert
„Funky Stuff“ ekstatische Körperlichkeit. Das ist Musik, die, wie
der Volksmund kommentiert, ohne Umweg über das Hirn direkt in den
Unterleib zielt. Tanzbarer Jazz mit Ohrwurmqualitäten. Im
Frankfurter Hof macht sich Party-Stimmung breit. Ein Großteil des
Publikums meist mittleren Alters, das wohl nie in einer Sauna tanzen
würde, unterzieht sich dieser schweißtreibenden Fron und fordert
nach 90 Minuten noch mehrere Zugaben, unter ihnen „Clean Up Woman“.
Wenn die blonde „Lady Saxuality“ auf der Bühne mit der
Begleitsängerin Leona Philippo zu sexy Grooves stöhnt und schreit
sowie die Band sich in ein erregendes Crescendo steigert, dann sind
die Zuhörer im unbestuhlten Saal und auf der Empore nicht mehr zu
halten. Dulfer hat leichtes Spiel, sie zum Mitsingen und Klatschen
zu animieren.
Der Saxophonist King Curtis hat es vor rund 55 Jahren praktiziert. Auch Candy Dulfer lässt erfolgreich jedes Instrument seinen eigenen Sound zu einem funky Soul-Stück beitragen. „Sax A Gogo“ ist einer der Hits, die die Holländerin bekannt gemacht haben. „Daylight“, „Platinum Lips“, „Gimme Some More“ – die bekannten Songs wirkten routiniert, ebenso wie das Lob, das Dulfer dem Mainzer Publikum zollt, wenn es nicht den bestechenden Charme der Bandleaderin und die kreativen Soli in der Band gäbe. Allerdings: Neues kann und will der Dulfer-Fan offensichtlich nicht erwarten. Die perfekte Show und mitreißende Musik aus dem „Candy Store“ reichen ihm. Und die bietet ihm Candy Dulfer & Funky Stuff im Übermaß, auch wenn manchmal die Verständlichkeit des Gesangs unter dem wuchtigen und komplexen Sound leidet.
