Die
Ironie, in die der Saxophonist / Klarinettist Lömsch Lehmann und der
Schlagzeuger Erwin Ditzner ihre waghalsigen Bearbeitungen von
Kompositionen eines Duke Ellington, Albert Ayler oder Jimi Hendrix
spielen können durchaus als eine persönlich geprägte Stilform interpretiert
werden.
Jedenfalls zeugen die Interpretationen in der stilistischen Bandbreite vom Volkslied über Mainstream und Rock bis zum Free Jazz gleichermaßen von Respekt und Selbstbewusstsein. Skurriler Humor zieht sich wie ein roter Faden durch alle Stücke, die das Duo in einem Konzert in der Wormser Musikkneipe „Funzel“ vorstellt. Und dies zeigt sich nicht nur in der Mitwirkung von zwei kleinen Gummischweinchen „Klose“ und „Chantal“, pinkrosa und giftgrün, die unter den rhythmus-kompetenten Händen des Percussionisten Erwin Ditzner präzise in Time auf den Fellen des Drum-Sets hüpfen.
So beginnt auch das Konzert mit der Ermahnung des Klarinettisten Lömsch Lehmann unter Assistenz eine quiekenden „Schwoines“ an das Publikum, absolut ruhig zu bleiben, weil der Opener ein sehr leises Stück sei, das ungeteilte Aufmerksamkeit verdiene. In der Folge bläst Lömsch auf dem Mundstück seiner Klarinette, brabbelt ohne Instrument vor sich hin, bis dann das sein Partner auf dem Schlagzeug, das er zuvor mit einem Fuß abdämpfte, swingend einfällt. Und die Klarinette stimmt eine moll-timbrierte Melodie an.
Musikalische Kontraste und Dynamiksprünge zeichnen ebenso wie Spielwitz die Stücke des Duos Lömsch/Ditzner aus. Ein getragenes und melodiöses Solo auf dem Tenorsaxophon wird in Soundflächen ausgebreitet, zerfasert über einem durchlaufenden Metrum, Lehmann bezieht Klappengeräusche in seine Klangsuche ein, lässt das Instrument überblasen und rau aufschreien. Das Duo steigert sich in eine energetische Free-Explosion um schließlich wieder zu einer volksliedhaft schlichten Melodie zurückzukehren. Linkshänder Ditzner setzt neben frei pulsierenden Passagen stets eine durchlaufende rhythmische Basis, über die er hin und wieder polyrhythmische Schichten legt. Ein paar Marschtakte oder Zitate aus vertraut klingenden Liedern auf Saxophonen und Klarinette fügen sich nahtlos in eine originelle, improvisierte Musik ein, die sich in ihrer Doppelbödigkeit jeglicher Kategorisierung entzieht.
Treibende
Grooves paaren sich mit raffinierter Melodiosität, faszinieren in
ihrer Widersprüchlichkeit, die dennoch nicht ohne innere Logik ist.
Zuvor hatten sich in dem Funzel-Mini-Jazzfestival der Wormser
Gitarrist Thomas Haag und der Schlagzeuger Frank Schwaller im Duo
vorgestellt. „Bon voyage“ nennen sie ihr teils akustisches, teils
elektronisch verfremdetes Programm, das von swingenden akustischen
Latin-Arrangements bis zu experimentellen Soundtüfteleien mit Echos,
Hall und Loops reicht. Neben ruhigen, scheinbar schwebenden
Gitarren-Passagen und perlenden Single-Note-Läufen sowie federnden
Rhythmusgeflechten auf Trommeln oder tänzerischer Leichtfüßigkeit
auf der Conga sorgen flirrende Saitenläufe, wabernde Sounds,
treibende Grooves auf den Drumms sowie Crescendos der beiden
Duo-Partner und extreme Dynamiksprünge für Überraschungen und
Spannung. „Sunny Sunday“, „Raumschiff Enterprise“, „Perc und Git“
oder „Dark Clouds“ sind die passenden Titel dieser assoziativen
Kompositionen. Während sich im Duo Ditzner und Lömsch zwei
gegensätzliche Charaktere aneinander reiben, scheinen sich Haag und
Schwaller im Gleichklang zu ergänzen.
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Text und Photographie von Klaus Mümpfer