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Photographie:  Frank Schindelbeck

Albert Mangelsdorff - Posaunist, Jazzmusiker
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   Tourdaten & Photos finden sich auf den Seiten von Bremme & Hohensee

 

Albert Mangelsdorff
ist mit Sicherheit eine der bemerkenswertesten Figuren der deutschen Jazzszene und - obwohl das Zentrum seiner Arbeit immer in Deutschland war - auch international eine anerkannte Größe.

1928 Albert Mangelsdorff kommt in Frankfurt am Main am 5. September zur Welt.
Durch seinen älteren Bruder Emil kommt er zum ersten Mal im Alter von 12 Jahren mit Jazz in Kontakt.

Relativ schnell kam bei ihm der Wunsch auf, Musiker zu werden. Bei seinem Onkel in Pforzheim begann er intensiv Violine zu studieren, außerdem Harmonielehre und allgemeine Musiktheorie. Sein Interesse am Jazz war immer groß - offiziell mußte er allerdings klassische Musik studieren:

"Abends, wenn mein Onkel und meine Tante im Theater waren, hörte ich die sogenannten 'Feindsender', was ja offiziell verboten war. Dort gab es viel Jazz zu hören, sehr viel Glenn Miller natürlich, aber auch Count Basie, Duke Ellington und solche Leute, die mich viel mehr interessiert haben. Ich war damals schon von meinem Bruder und seinem Kreis geprägt, die dem puristischen Jazz näherstanden".
1946 Nach dem Krieg spielte Mangelsdorff zunächst Gitarre: 

"Ich, der ich auf der Gitarre noch nicht so weit war, um (in der Jazzband um Horst Lippmann und Carlo Bohländer) mitspielen zu können, spielte mit ein paar anderen jeden Mittwoch in einem Lokal in Eckenheim zum Tanz auf".
1947 Mangelsdorff wird Berufsmusiker als Rhythmusgitarrist in der Otto-Laufner-Bigband. Diese Band spielte vor allem in Clubs der US-Army. In dieser Zeit, kurz nach dem Krieg, schwankte Mangelsdorff instrumental noch zwischen Gitarre, Geige und Posaune. Die Posaune hatte es ihm allerdings besonders angetan: 

"Schon ziemlich früh hat mich die Posaune gereizt. ... Auch bei anderen Gelegenheiten habe ich öfters gesagt: Ich spiele zwar Gitarre, aber ich wäre viel lieber Posaunist. Das war noch lange, bevor ich Berufsmusiker war."
1947 Mangelsdorff wendet sich endgültig der Posaune zu.


"Es muß Ende '47 gewesen sein, daß mir ein Kollege, der Bassist Kurt Dori, der später mit mir in der Heinz Demmer-Band war, günstig eine Posaune besorgte. Nach ein paar Wochen des Rumprobierens habe ich mir gleich einen Lehrer gesucht, denn es hat einem jeder den Rat gegeben: Wenn du Posaune anfängst, nimm sofort Unterricht
...In Fritz Stähr, dem Soloposaunisten der Frankfurter Oper, fand ich einen Lehrer, der sich sehr um mich kümmerte. Er gab mir einmal die Woche Unterricht, machte aber aus der einen Stunde meistens zwei, drei, weil er merkte, daß ich fleißig war und meine Sachen stets gut geübt hatte. Es war nur so, daß ich zwischendurch immer mal wieder den Mut verlor. Die Posaune ist halt doch ein sehr schweres Instrument, auf dem man nur ganz langsam vorwärts kommt."

Wesentlicher Einfluß ist in dieser Zeit die Musik von Lennie Tristano.


"(Ich) war sofort fasziniert von diesem Sound und dieser Art zu spielen."
"Wenn ich noch einmal zurückblicke und mich frage, was mich an der Tristano-Musik so fasziniert hatte, so war es wohl die innere Logik, die diesen Linien zugrunde liegt."
1950
-
1953
Mangelsdorff spielt in der Band von Joe Klimm.
1953 Wechsel zur Hans-Koller-Band.
1957 Aufnahme einer Duo-Platte mit Attila Zoller.
1955
-
1957
Mangelsdorff wird Mitglied des "Radio-Tanzorchesters des Hessischen Rundfunks". Die Musik die er dort zu spielen hatte konnte man kaum als Jazz bezeichnen

"Irgendwann hing mir dieser verschnulzte Kram zum Hals raus ... Ich bin dann jeden Abend zum jammen in den Jazzkeller, mußte aber morgens um 10 Uhr wieder im Rundfunk sein. Dazu habe ich ja noch einen Teil des Tages mit Üben verbracht."
1957 Mangelsdorff wird Leiter des Jazz Ensembles des Hessischen Rundfunks.
1958 Als Mitglied der "International Youth Band" nimmt Albert Mangelsdorff am Newport Jazz Festival in den USA teil.

"Die Teilnahme am Newport-Jazzfestival 1958 war ein wichtiges Erlebnis, fast ein Einschnitt in meiner Entwicklung , allein schon durch die vielen Musiker, denen man begegnete und die Gespräche, in denen mir immer bewußter wurde - ich dachte damals ohnehin schon in dieser Richtung -, wie wichtig es ist, seinen eigenen Weg zu suchen und nicht irgendein Vorbild zu kopieren."
1961 Gründung des Albert Mangelsdorff Quintetts, mit A. Mangelsdorff (tb), Heinz Sauer (ts), Günter Kronberg (as), Günter Lenz (b), Ralf Huebner (dr).

Mangelsdorffs jahrzehntelange Zusammenarbeit mit Heinz Sauer, einer der profiliertesten Tenorsaxophonstimmen im deutschen Jazz, stellt mit Sicherheit einen Höhepunkt in seiner Arbeit dar und hatte maßgeblichen Einfluß auf die Entwicklung des Jazz in Deutschland.

Die Gruppe bestand bis in das Jahr 1971, die letzten beiden Jahre ohne Kronberg als Quartett. 1971 entstand eine neue Formation, wiederum mit Heinz Sauer. Dazu kamen Gerd Dudek (ts), Buschi Niedergall (b) und Peter Giger (dr). 1976 verließ Dudek das Quintet, das Quartet bestand bis 1978.

Die Touren durch Asien, die die Mangelsdorff-Formationen im Auftrag des Goethe-Instituts seit Beginn der 60er Jahre unternahmen erhöhten den internationalen Bekanntheitsgrad Mangelsdorffs. Diese Reisen hatten zudem einen starken Einfluß auf seine Musik, dokumentiert z.B. auf der Platte "Now Jazz Ramwong". Die Stücke dieser Platte sind fast komplett von traditionellen Melodien verschiedener Länder inspiriert. Von indischen Themen über thailändische Volkstänze bis hin zu dem mittelalterlichen deutschen "Es sungen drei Engel". Die modalen Strukturen der traditionellen asiatischen Musik waren eine ideale Grundlage für Mangelsdorff, aus der er originelle Stücke entwickelte.
1965 1965 spielte das Mangelsdorff Quintett in Newport , nachdem er beim Downbeat Poll in der Kategorie "Talent Deserving Wider Recognition" den ersten Platz belegt hatte. Ebenso wurde er 1967 und 1969 wieder eingeladen.
60er
Jahre
Seit Beginn der 60er Jahre war Mangelsdorff somit auch eine international beachtete Größe. Joe Henderson sagte über ihn: "He plays besides J.J. Johnson the most exciting trombone", John Lewis bemerkte, daß er der "most important innovator" für sein Instrument sei.

Die Liste seiner Kollegen mit denen er während dieser Zeit live spielte und Platten aufnahm ist lang und nur einige seien genannt: Lee Konitz, Elvin Jones, Dizzy Gillespie, Don Cherry, Jimmy Smith, Jaco Pastorius, Alphonse Mouzon, Gunter Hampel, John Tchicai, Peter Brötzmann, Eddie Gomez, Wolfgang Dauner....
Ende
der
60er
Jahre
Mangelsdorff wendet sich dem Free Jazz zu.
Erste Free Jazz Konzerte gab er als Gast mit dem Manfred Schoof Quintet, wenig später kam er mit dem Saxophonisten Peter Brötzmann in Kontakt und arbeitete mit ihm im Duo zusammen. Mit dem Globe Unity Orchestra wurden Free Jazz Experimente im größeren Rahmen möglich. Auch mit seinem eigenem Quartet spielte er verstärkt in diesem Bereich. Nach einigen Jahren, während derer er vor allem im Free Jazz-Bereich arbeitete wurde ihm allerdings bewußt, daß er zwar auf der Bühne spontan seine Ideen ausspielen konnte, seine Fähigkeiten zur Komposition aber brach lagen.
Damit vollzog sich Mitte der 70er Jahre eine gewisse Ablösung von diesem Bereich - ohne, daß er auf diese Erfahrung hätte verzichten wollen.

"Für mich bedeutete das freie Spielen eine immense Erweiterung meiner Ausdrucksmöglichkeiten, die zum Teil auch die normale, also konventionelle Spielweise beeinflußten."
Anfang
der
70er
Jahre
Seine erste Solo-LP "Trombirds" (vergriffen) wird 1971 aufgenommen.
1972, anläßlich der Olympischen Spiele in München gibt Mangelsdorff ein vielbeachtetes Solokonzert. In den darauffolgenden Jahren, bis heute kultiviert er die Soloarbeit.


"Ein Mann, eine Posaune, ein Mikrophon" mit "Phantasie und instrumentaler Kompetenz" schrieb der Musiker und Kritiker M. Naura über seine Soloauftritte. Überzeugend dokumentiert er diese Fähigkeiten auf seiner Soloplatte "Purity" ( Mood-Records, rec. 1990). Hier finden sich erdenschwere Bluesstücke neben vertrackt-einfachen Melodien die an Monk denken lassen.
Multiphonics Im Laufe seiner musikalischen Entwicklung hat Mangelsdorff eine spezielle Technik entwickelt und kultiviert, die vor allem in seiner Soloarbeit zum Tragen kommt: "Multiphonics".

"Es wird eine Note gespielt und meistens eine darüber gesungen...Durch die Reinheit des Intervalls zwischen dem gespielten und gesungenem Ton bilden sich Obertöne, die bei dieser Technik so stark hörbar werden, daß eben Akkorde entstehen."
1980 Im Downbeat Critics Poll wird Mangelsdorff auf Platz 1 gewählt.
80er
und
90er
Jahre
Mangelsdorff selbst meint, daß Lee Konitz einen bedeutenden Einfluß auf sein Spiel gehabt habe. Mit ihm nahm er 1983 eine Duoplatte auf.
Eine weitere bemerkenswerte Duoplatte ist "Two is a Company" mit Wolfgang Dauner. Daß er nicht nur in "kleinen" Formationen zuhause ist zeigt seine Mitgliedschaft im United Jazz + Rock Ensemble seit 1975 und seine Tätigkeit im Globe Unity Orchestra.
Mangelsdorff in stilistische Schubladen einzuordnen erübrigt sich längst. Er bewegt sich immer noch in freien Gefilden aber man muß nur in seine Soloplatte "Purity" aus den 90er Jahren hineinhören um seine Bandbreite zwischen Blues - Lied - und freiem Jazz zu hören. Wie jeden großen Jazzmusiker erkennt man in nach wenigen Tönen an seinem Sound und seiner Phrasierung.
Seine Autorität als Musiker, die Wertschätzung in der Jazzwelt durch Kollegen, Kritiker und Zuhörer führten Mangelsdorff natürlich auch in verschiedene Gremien. So ist er u.a. seit Anfang der 90er Jahre der künstlerische Leiter des Jazzfests Berlin.
Ein weiteres Zeichen der Wertschätzung die Albert Mangelsdorff in der Jazzszene Deutschlands erfährt ist die Benennung des alljährlich von der UDJ (Union Deutscher Jazzmusiker) verliehenen und mit 20.000 DM dotierten "Albert Mangelsdorff-Preises".


Albert Mangelsdorff & Wolfgang Dauner at the FEST 1997 Karlsruhe, Germany
Wolfgang Dauner & Albert Mangelsdorff auf dem Fest 1997
in Karlsruhe
© Photographie: Schindelbeck

Literatur:
Paulot, Bruno(1993): Albert Mangelsdorff - Gespräche, Oreos Verlag, Waskirchen

Jazz-Institut Darmstadt
The Mangelsdorff Bibliography (Jazz-Institute Darmstadt)
Mangelsdorff-Abend bei den Theatherhausjazztagen in Stuttgart, April 1998 (German)
Mangelsdorff-Dauner in der Dieselstrasse, Dezember 1998 (German)



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